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„Seebrücke Frankfurt“ : Aktivisten blockieren Main

  • -Aktualisiert am

Demonstranten der „Seebrücke“ blockierten Anfang August den Main und die Alte Brücke. (Symbolbild) Bild: Bäuml, Lucas

Mehr als 1000 Menschen fordern bei Protesten in Frankfurt eine humanere Flüchtlingspolitik, sichere Häfen und die Entkriminalisierung der zivilen Seenotrettung.

          „Europa lässt Menschen ertrinken. Wo sind da die Menschenrechte“, steht auf einem braunen Pappschild. Der Platz vor dem Zoo füllt sich am Samstagvormittag, während Musik von dem Lautsprecherwagen dröhnt. „Rackete war erst der Anfang“, heißt es auf einem der Transparente mit Anspielung auf die Kapitänin der See Watch. Auch die „Omas gegen rechts“ und mehrere Jugendliche von „Fridays for Future“ sind unter den Demonstranten.

          Die Kundgebung mit dem Titel „Unite for Solidarity“ wurde von der Bewegung „Seebrücke“ organisiert. Ihre Mitglieder fordern auch von der Stadt Frankfurt, ein „sicherer Hafen“ zu werden. Dies bedeute zu versprechen, mehr Geflüchtete aufzunehmen, als sie als Kommune eigentlich müsse, sagt eine Sprecherin der Bewegung. Bislang haben sich 86 Kommunen zu „sicheren Häfen“ erklärt, darunter in Hessen Marburg, Darmstadt, Wiesbaden und Kassel: „Umso mehr Kommunen sich dafür entscheiden, umso größer wird der Druck auf den Bund.“

          Blockade an der Alten Brücke

          Dass derzeit wieder zwei private Rettungsschiffe, die „Open Arms“, und die „Ocean Viking“, im Mittelmeer treiben und in keinen Hafen einlaufen dürfen, durchzieht als Thema die Demonstration der „Seebrücke Frankfurt“ und wird immer wieder in den Reden erwähnt. Mit der Stadt Frankfurt ist die Bewegung bereits seit vergangenem Jahr in Gesprächen. Bisher jedoch ohne Erfolg. „Die Stadt macht hier einen grausamen Fehler“, sagt auf Anfrage Günter Burkhardt, Geschäftsführer von „Pro Asyl“, über die Situation. Gerade weil Frankfurt eine Stadt von europäischem Gewicht sei, wäre das Bekenntnis als „sicherer Hafen“ ein wichtiges Zeichen. Einzelne Vertreter der Linke, von SPD und den Grünen lassen später erkennen, sie seien bereit, die Forderungen der Seebrücke zu unterstützen.

          Nach der Abschlussveranstaltung am Römer mit mehr als Tausend Teilnehmern kommt es am frühen Nachmittag an der Alten Brücke zu einer Blockade des Mains. Fünf Aktivisten seilen sich vom Geländer bis kurz über die Wasseroberfläche ab. „Safe Passage Now“ steht auf dem riesigen Transparent, das sie unter der Brücke spannen. Gleichzeitig blockieren etwa ein Dutzend kleinerer Boote die Durchfahrt unter der Brücke. Angestrengt paddeln sie gegen die Strömung, um ein weiteres Transparent zu entrollen. Währenddessen besetzen ungefähr 200 Demonstranten die Brücke. „Wir wollten die Blockade, die gerade auf dem Mittelmeer stattfindet, nach Europa bringen“, sagt eine Sprecherin der „Seebrücke“.

          Ein Boot der Wasserpolizei sowie mehrere Boote der Feuerwehr und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warten für mögliche Notfälle in der Nähe der Blockade, mehrere Ausflugsschiffe können nicht ablegen. Die Polizeibeamten fotografieren die Aktivisten, verhalten sich ansonsten jedoch zurückhaltend. Obwohl die Blockade der Alten Brücke nicht angemeldet war, zeigt sich die Polizei entspannt. Spontane Aktionen müsse man immer mit einkalkulieren, sagt später der Pressesprecher der Polizei zu der Entwicklung der Kundgebung. Die Demonstration sei außerdem sehr friedlich verlaufen.

          Die Demonstration der „Seebrücke“ führte vom Frankfurter Zoo über die Konstablerwache. Bilderstrecke

          Die Aktivisten nehmen das Transparent an der Brücke am Abend wieder ab und klettern, abgeschirmt von Plakaten und Bannern, zurück auf die Brücke; auch die Paddler geben den Main frei. Nachdem die Beamten der Wasserpolizei auch das Transparent auf dem Fluss wieder entfernt haben, schwimmt noch ein einsamer, kleiner Rettungsring auf dem Main.

          Was für die Demonstranten nachkommt, bleibt abzuwarten. Die DLRG, die schnell reagiert hat, will laut einem Sprecher den Aktivisten den Einsatz in Rechnung stellen.

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