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Schwimmbad : Wasserschlacht statt Weltmeisterschaft

In der Ruhe liegt die Kraft: das Brentanobad Bild: F.A.Z. - Kretzer

Vor den Kassenhäuschen der sieben Freibäder in Frankfurt bilden sich lange Schlangen: Das saniertes Brentanobad lockt mit Europas größtem Schwimmbecken, die Zukunft der Anlagen in Eschersheim und Hausen ist noch ungewiß.

          Die Stadt gleicht dieser Tage einem Brutkessel - und auf der Suche nach Kühlung treibt es die Menschen zu Tausenden in die sieben Frankfurter Freibäder. Rund 33.000 Badegäste sind nach Angaben der Bäderbetriebe Frankfurt (BFF) allein am vergangenen Sonntag an den Kassenhäuschen gezählt worden. Eine Woche zuvor seien es 22.000 Besucher gewesen. Die Fußball-Weltmeisterschaft habe sich nicht negativ ausgewirkt, so der Geschäftsführer der Bäderbetriebe, Otto Junck. Und das, obwohl der Bäderbetrieb habe eingeschränkt werden müssen. So blieb während der fünf WM-Spiele in der Commerzbank-Arena das benachbarte Stadionbad - das einzige Freibad in den Stadtteilen südlich des Mains - ganztägig geschlossen.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Badegäste mußten auf andere Freibäder ausweichen, etwa in das wiedereröffnete Brentanobad. Das im Nordwesten der Stadt gelegene Bad verfügt über Europas größtes Schwimmbecken und ist für 3,5 Millionen Euro saniert worden. Die 2005 begonnenen Arbeiten waren dringend notwendig: Aus dem 220 Meter langen und 50 Meter breiten Becken, das in den sechziger Jahren in einem Altarm der Nidda errichtet worden war, sickerte beständig Wasser ins Erdreich - dies im Wert von bis zu 100.000 Euro im Jahr. Um das Leck zu schließen, sei das 10.000 Quadratmeter große Becken mit einer Spezialfolie ausgekleidet worden. Zusätzlich zu neuen Geländern, Sitzbänken und gepflasterten Wegen, mit denen das Bad aufgewertet wurde, werde noch bis zu den Sommerferien ein 400.000 Euro teures Planschbecken geschaffen, so Junck.

          „Luxus“ für die Großstadt

          Die Größe ist zweifellos das Plus des Brentanobades. Weil das Schwimmbecken aber nicht beheizt ist, kommt es witterungsabhängig zu starken Besucherschwankungen. Mit 100.000 Gästen nahm das Bad im vergangenen Jahr zusammen mit dem Freibad Eschersheim (96.000 Besucher) und dem Stadionbad in Niederrad (97.000) dennoch einen Mittelfeldplatz ein. Schlußlicht unter den Frankfurter Freibädern war 2005 mit 40.000 Besuchern die kleine Anlage in Nieder-Eschbach. Das im Westen der Stadt gelegene Silobad zählte 110.000 Schwimmer. Fast ein Fünftel mehr Gäste als das Brentanobad verzeichnete das Freibad Bergen-Enkheim (118.000).

          Auf die Anlage im Osten der Stadt weist Junck gern hin: So gehöre zu dieser Freizeiteinrichtung auch ein Hallenbad, dessen Sauna- und Gastronomiebereiche für 2,6 Millionen Euro umgestaltet worden seien. Als „Kombi-Bad“ könne es ganzjährig und somit wirtschaftlicher als reine Freibäder betrieben werden. Neun Millionen Euro wurden in den Jahren 2005 und 2006 in Schwimmbäder investiert. Dabei sei es selbst für eine Großstadt ein „Luxus“, neben drei Erlebnis- und drei Hallenbädern auch noch sieben Freibäder zu betreiben: „Das ist ein Zuschußbetrieb“, so Junck. Die Fehlbeträge - 2003 mußte die Stadt noch 24,1 Millionen Euro übernehmen - sollen deshalb bis 2010 auf 16,4 Millionen Euro reduziert werden.

          Zukunft des Hausener Freibades unsicher

          Die im „Frankfurter Bäderkonzept“ vor drei Jahren vom damaligen Vierer-Bündnis im Römer beschlossenen Einsparungen bezeichnet Junck als „ehrgeiziges Ziel“. Allerdings sollte dadurch die Schließung eines der städtischen Bäder vermieden werden. Die Wege, Kosten zu reduzieren, seien recht unterschiedlich: Mitarbeiter der Bäderbetriebe hätten sich einverstanden erklärt, ihre Arbeitszeit in Jahreskonten erfassen zu lassen, wodurch sie flexibler eingesetzt werden könnten. Außerdem unterstützten externe Partner die Bäderbetriebe Frankfurt: Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft kämen beispielsweise in Nieder-Eschbach täglich im Freibad zum Einsatz.

          Auch der Verkauf des Parkplatzes am Brentanobad an die Frankfurter Aufbau AG habe sich ausgezahlt: Mit dem Erlös von 2,4 Millionen Euro sei die Modernisierung des Bades mitfinanziert worden. Die Sanierung des Freibades in Eschersheim, die für die nächsten zwei Jahre geplant sei und voraussichtlich 3,5 Millionen Euro kosten werde, hofft Junck ebenfalls über den Verkauf einer Teilfläche der 100.000 Quadratmeter großen Liegewiese finanzieren zu können. Die politische Entscheidung dazu stehe aber noch aus.

          Unsicher ist die Zukunft des nur 200 Meter vom Brentanobad entfernt gelegenen Freibades in Hausen. In der zuletzt 1986 sanierten Anlage stünden wohl spätestens 2008 abermals Arbeiten an. Derzeit werde der Investitionsbedarf ermittelt, so Junck. Auch in diesem Fall sei der Verkauf von Teilen des Grundstücks vorstellbar. Eine andere Variante wäre, das Bad zu schließen, das Gelände zu verkaufen und mit den Einnahmen das Rebstockbad um ein Freiluftbecken zu ergänzen. Anwohner und der zuständige Ortsbeirat 7 plädieren für den Erhalt des mit 128.000 Besuchern 2005 am stärksten frequentierten Bades. Schließlich ist das beheizte Becken schon früh im Jahr zu nutzen: Vom 1. April an - also vier Wochen vor Saisonbeginn in anderen Freibädern können sich Schwimmer in Hausen ins Wasser stürzen.

          Freibad Brentano (Rödelheim)
          Ausstattung: Sport- und Nichtschwimmerbecken, Planschbecken derzeit im Bau. Adresse: Rödelheimer Parkweg. Anfahrt: Bus-Linie 34 bis Rödelheimer Parkweg, U-Bahn-Linie 6 bis Station „Am Fischstein“. Geöffnet: Mo. bis Fr. von 10 bis 20 Uhr, Sa./So. von 9 bis 20 Uhr; während der Sommerferien täglich von 9 bis 20 Uhr.

          Freibad Stadion (Niederrad)
          Ausstattung: beheiztes Sportbecken (50-Meter-Bahnen), Spaßbecken mit Rutschbahn, Wasserfall und Strömungskanal, Rutschbahn (118 Meter lang), Sprungbecken mit 1-, 3-, 5-, 7,5- und 10-Meter-Plattform. Adresse: Mörfelder Landstraße 362. Anfahrt: Straßenbahn-Linie 21 und Bus-Linie 61 jeweils bis Stadion. Geöffnet: täglich von 7 bis 20 Uhr.

          Freibad Bergen-Enkheim
          Ausstattung: beheiztes Sportbecken, Sprungbecken mit 5-Meter-Plattform. Adresse: Fritz-Schubert-Ring 2. Anfahrt: U-Bahn-Linie 7 bis Endstation Enkheim, Bus-Linie 42. Geöffnet: täglich von 7 bis 20 Uhr.

          Freibad Silo (Unterliederbach)
          Ausstattung: Sportbecken (50 Meter), Nichtschwimmerbecken mit Massagedüsen, Rutschbahn, 3-Meter-Sprungbrett. Adresse: Hunsrückstraße 100. Anfahrt: Bus-Linien 50 und 54. Geöffnet: täglich von 6.30 bis 20 Uhr.

          Freibad Eschersheim
          Ausstattung: Sport-, Nichtschwimmer- und Planschbecken, Rutschbahn. Adresse: Alexander-Riese-Weg. Anfahrt: S-Bahn-Linie 6 bis Bahnhof Eschersheim, U-Bahn-Linien 1, 2, 3 bis Heddernheim, Bus-Linien 60, 63 bis Station „Im Uhrig“/„Weißer Stein“. Geöffnet: täglich von 10 bis 20 Uhr.

          Freibad Hausen
          Ausstattung: beheiztes Sport-, Nichtschwimmer- und Planschbecken. Adresse: Ludwig-Landmann-Straße 341. Anfahrt: U-Bahn-Linie 6 oder Bus-Linie 34, jeweils bis Station „Am Fischstein“. Geöffnet: bis 27. August täglich von 6.30 bis 20 Uhr, in der Nachsaison bis 3. Oktober schließt das Bad eine Stunde früher.

          Freibad Nieder-Eschbach
          Ausstattung: Sport-, Nichtschwimmer- und Planschbecken, Rutschbahn. Adresse: Heinrich-Becker-Straße 22. Anfahrt: U-Bahn-Linie 2 bis Nieder-Eschbach, Bus-Linien 27, 29. Geöffnet: täglich von 10 bis 20 Uhr.

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