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Schweinegrippe : Frankfurt erklärt Eintreten des Pandemiefalls

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Bis Jahresende sollen ein Viertel der Hessen gegen die Schweinegrippe geimpft sein Bild: AP

Wegen des massiven Anstiegs der Zahl von Neuerkrankungen an Schweinegrippe in den vergangenen Tagen hat Frankfurt öffentlich das Eintreten des Pandemiefalls erklärt. Betriebe sollen entsprechende Pläne aktivieren und die Menschen sich impfen lassen.

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          Wegen des massiven Anstiegs der Zahl von Neuerkrankungen an Schweinegrippe in den vergangenen Tagen hat die Stadt Frankfurt öffentlich das Eintreten des Pandemiefalls erklärt. Dies bedeutet zwar zunächst keine wesentlichen Einschnitte in das öffentliche Leben, ist aber für medizinische Einrichtungen und Betriebe das Signal, ihre Pandemiepläne zu aktivieren. Außerdem wird damit ein Führungsstab der Stadt unter Leitung der Oberbürgermeisterin und des Gesundheitsamts eingesetzt, der die Entwicklung beobachtet.

          Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) sagte, von zwei bis drei Influenza-Meldungen am Tag Mitte Oktober sei die Zahl auf aktuell mehr als 200 Meldungen am Tag gestiegen. Dies sei nur „die Spitze des Eisbergs“, da viele Patienten nicht auf H1N1 getestet würden und viele auch auf einen Arztbesuch verzichteten. In einigen Krankenhäusern habe es schon Engpässe in der stationären Versorgung gegeben. Welche dies waren, wollte sie nicht mitteilen.

          Plan: Bis Ende des Jahres ein Viertel der Hessen impfen

          Die Bürger rief Rottmann auf, sich einen Impftermin bei ihrem Hausarzt geben zu lassen, einen Abstand von zwei Metern zu offensichtlich erkälteten Personen zu halten und sich häufig und gründlich die Hände zu waschen. In Betrieben sollte laut Pandemieplänen der direkte Kontakt von Mitarbeitern untereinander auf ein Minimum reduziert werden. Erkrankte müssten unbedingt zu Hause bleiben.

          Der hessische Gesundheitsminister Jürgen Banzer (CDU) sagte am Rande einer Veranstaltung der Landesärztekammer in Frankfurt, es sei geplant, bis Ende dieses Monats 12,5 Prozent der hessischen Bevölkerung geimpft zu haben, bis Ende des Jahres ein Viertel. Wenn ein Drittel der Menschen geimpft sei, sei „der Kampf gegen die Pandemie gewonnen“. Bis jetzt seien 300.000 Impfdosen verteilt worden, also fünf Prozent der Bevölkerung geschützt. Die Impfstoffknappheit werde sich voraussichtlich in zwei Wochen entspannen, wenn der Hersteller des Serums Pandemrix, Glaxo-Smith-Kline, in der Lage sei, im anfänglich versprochenen Umfang zu liefern.

          Keine Impfung bei Privatärzten

          Als schwieriges, aber nicht unlösbares abrechnungstechnisches Problem bezeichnete Banzer die Tatsache, dass viele Ärzte außerhalb der Kassenärztlichen Vereinigung nicht impfen dürfen. Eine von ihnen ist Sabine de Lage-Weidler. Wie die Kronberger Kinderärztin sagt, wollen immer mehr Eltern ihre Kinder und sich selbst bei ihr gegen das Virus H1N1 impfen lassen. Das darf sie aber nicht. Sie ist Privatärztin, hat also keine Zulassung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und behandelt ausschließlich Privatpatienten. Laut der Impf-Vereinbarung der KV mit dem hessischen Gesundheitsministerium dürfen aber nur Hausärzte und Kinderärzte impfen, die über eine Kassenzulassung verfügen. Sabine de Lage-Weidler sagt: „Ich fühle mich diskriminiert.“

          Viele Leute seien „pikiert“, sagt sie. „Meine Patienten wollen sich natürlich von mir behandeln lassen.“ Weil sie die Patienten kenne und weil sie deren Gesundheitszustand am besten beurteilen könne. Sie habe sich deswegen schon bei mehreren Behörden beschwert, aber nie eine Antwort bekommen.

          Der Anteil der Privatmediziner an der gesamten Ärzteschaft ist beachtlich. Nach Angaben der Landesärztekammer sind von den in Hessen niedergelassenen Allgemeinmedizinern 8900 bei der KV gemeldet, 850 arbeiten als Privatärzte. Von den Kinderärzten haben 411 eine Kassenzulassung und 27 behandeln nur Privatversicherte.

          Kassenärztlichen Vereinigung sieht „Trendumkehr“

          Auch für Fachärzte, etwa der Lungen- oder der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, plant das Gesundheitsministerium Sonderregelungen. Man müsse aber aufpassen, dass das Impfangebot nicht zu sehr zerfasere, sagt Sprecherin Ulrike Grzimek. Weitere Gruppen von Ärzten mit Impfstoff zu versorgen, komme zurzeit rein praktisch nicht in Frage, da dieser knapp sei. Für diese und nächste Woche gebe es bei den Apotheken doppelt so viele Bestellungen, wie bedient werden können.

          Bei der Kassenärztlichen Vereinigung ist von einer „Trendumkehr“ die Rede. Immer mehr Ärzte, die der Impfung skeptisch gegenübergestanden hätten, hielten sie inzwischen für sinnvoll. Eine Übersicht darüber, wo noch genug Wirkstoff vorhanden sei und wo er fehle, gebe es noch nicht, sagt Grzimek.

          Sonderstatus für Fraport

          Wegen der Impfstoffknappheit haben neben Privat- und Fachärzten zurzeit auch Betriebsärzte keine Möglichkeit, Mitarbeiter zu immunisieren. Einen Sonderstatus soll allerdings die Fraport AG als „kritische Verkehrsinfrastruktur“ erhalten, wie Walter Gaber, Betriebsarzt und Chef der Flughafenklinik, sagt. Er hofft, Anfang Dezember vom Land Hessen genug Impfdosen zu erhalten, um allen Mitarbeitern eine Spritze anbieten zu können. Wenn jeder Beschäftigte das Angebot in Anspruch nähme, könnten dies inklusive der Tochterfirmen 16.000 Personen sein. „Wenn ich 10.000 Dosen bekomme, kann ich die mit meinen sechs Ärzten in bis zu drei Tagen verimpft haben“, meint Gaber. „Das ist meine Vision.“

          Gestern teilte das Frankfurter Universitätsklinikum mit, dass die 39 Jahre alte Schweinegrippe-Patientin, die dort seit Anfang des Monats behandelt wird, nicht mehr in akuter Lebensgefahr schwebt. Allerdings wird am Klinikum inzwischen auch ein 43 Jahre alter Mann, ebenfalls ohne bekannte Vorerkrankungen, beatmet. Nach einem Lungenversagen bezeichnen die Ärzte seinen Gesundheitszustand nun als stabil.

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