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Weltmeisterin im Interview : Was ist Schwedische Massage, Frau Wiedenhofer?

Weltmeisterin: Katharina Wiedenhofer Bild: Daniel Blattmann

Katharina Wiedenhofer ist professionelle Tänzerin und Masseurin zugleich. Eine ideale Verbindung, findet sie. Jetzt hat sie in Kopenhagen die Weltmeisterschaft in Schwedischer Massage gewonnen.

          3 Min.

          Frau Wiedenhofer, Sie haben in Kopenhagen bei der Massage-Weltmeisterschaft die Goldmedaille in Schwedischer Massage gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Wie kam es dazu?

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Ich bin gar nicht mit der Idee, einen Preis abzusahnen, hingefahren. Ich hatte von der Weltmeisterschaft gehört, und mein Therapeut, der mich als Masseurin ausgebildet hat, sagte, ich sei gut und solle da hinfahren.

          Wie ist die Atmosphäre dort?

          Es ist wahnsinnig spannend. An die Sportuni in Kopenhagen sind unglaublich viele Menschen gekommen, allein 420 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 46 Nationen, inklusive Onlinewettbewerb.

          Die haben digital massiert?

          Ja, und die Jury hat das digital bewertet. Im vergangenen Jahr war die ganze Weltmeisterschaft wegen Corona digital, dieses Mal ging beides. Es war sehr beeindruckend. Das Finale hat in einer riesigen Kongresshalle stattgefunden.

          Sie sind in zwei Kategorien angetreten. Welche waren das?

          Außer Schwedischer Massage noch Wellness Relax Massage. Insgesamt gibt es sechs Kategorien, das ist eine ganze Menge. Die werden parallel in vielen Räumen bewertet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer massieren sich gegenseitig, in jeder dritten Runde schaut man auch einfach zu, dadurch sieht man auch immer, was die anderen Leute tun und worauf die Jury achtet. Die Liegen wurden gestellt, aber viele haben auch ihre eigene mitgebracht. Alles andere muss man sowieso mitbringen, Handtücher, Öl, Dekoration.

          Wie wichtig ist das alles für eine gelungene Massage?

          Man kennt das selber: Wenn man in einen Raum kommt, schaut man sich um, welche Energie er hat oder wie er dekoriert ist. Manche Kollegen haben Fächer, Duftkerzen, Lichttherapie – es gibt sehr spirituelle Massagen. Das mache ich nicht. Ich bin auf die medizinischen Ansätze konzentriert. Gutes Öl aber ist sehr wichtig.

          Was ist Schwedische Massage?

          Das ist eine Sport-Intensiv-Massage, man nennt das auch „Deep Tissue“-Massage. Da geht es darum, tief in die Faszien zu gehen. Das ist wichtig für Leute, die sich viel bewegen oder auch für Personen, die einen Bandscheibenvorfall hatten oder eine Operation, wenn das Gewebe verklebt ist. Die Massage arbeitet mit Kraft und Druck, kann auch mal etwas wehtun. Aber es ist sehr hilfreich. Bei der Wellness-Relax-Massage, der klassischen Ganzkörpermassage, lag ich leider ein oder zwei Punkte hinter dem Sieg. Ich muss ehrlich sagen, ich bin weniger der Flow- als der Sport-Typ. Aber man muss in zwei Kategorien antreten. Ich habe die Wellness-Massage mit Tanz kombiniert und dazwischen immer wieder getanzt.

          Sie sind als Tänzerin bekannt, unter anderem als Mitglied der Frankfurter Compagnie Hennermanns Horde. Wie sind Sie zu Ihrem zweiten Beruf als Masseurin gekommen?

          Massiert habe ich schon immer sehr gern. Ich habe das schon im Studium an der Tanzabteilung an der Frankfurt Hochschule für Musik und Darstellende Kunst gemacht und auch in Produktionen, bei denen ich getanzt habe. Das war sehr effektiv. Und dann hat ein Massagetherapeut, mit dem ich befreundet bin, gesagt, ich hätte Talent und sollte das vertiefen.

          Neben dem Hauptberuf, in dem Sie ja auch sehr viel zu tun haben?

          Ich bin auch ausgebildete Saunameisterin, Personal Trainerin und Yogalehrerin. Wenn mich etwas interessiert, will ich das richtig machen. Also nicht einfach so massieren, sondern wissen, was ich tue. Daher habe ich Ausbildungen gemacht und Zertifikate: in Sport intensiv, Wellness-Relax, Hot Stone, Schwangerschafts- und Klangschalenmassage. Das sind sehr intensive Kurse.

          Wie viele Stunden haben Sie in die Ausbildung investiert?

          Um das Zertifikat zu bekommen, habe ich jeweils eine Woche den ganzen Tag massiert. Und Theorie gelernt. Es hat geholfen, dass ich schon zuvor so viel massiert hatte und in der Tanzabteilung ja schon die Anatomie gelernt hatte. Andere mussten sich das erst erarbeiten, wo welche Sehnen oder Muskeln sitzen. Im praktischen Teil massiert man sich gegenseitig und lernt die Techniken, während man das tut.

          Seit wann arbeiten Sie neben Ihrer Tätigkeit als Tänzerin und Choreographin als Masseurin?

          Seit 2019. Einmal in der Woche massiere ich die Tänzerinnen und Tänzer der Dresden Frankfurt Dance Company, die besuche ich und bringe alle Sachen mit, außerdem arbeite ich in der Tanzabteilung der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Private Kunden, die keine Tänzer sind und über meine Seite katha.care zu mir finden, massiere ich bei mir zu Hause oder in einem Raum in einer Praxis.

          Das ergänzt sich mit Ihrem Hauptberuf?

          Ja, sogar sehr gut, und ich freue mich, den Tänzern etwas geben zu können. Die Heilwirkung ist groß. Und die Tänzer freuen sich besonders. Die Kombination, aktiv Tänzerin zu sein und genau zu wissen, was los ist, wenn zum Beispiel ein Tänzer kommt und sagt, heute hat er viele Hebungen gemacht, das ergänzt sich toll. Außerdem kann ich diesen Beruf flexibel halten. Wenn ich in eine Produktion als Tänzerin oder Choreographin eingebunden bin, bin ich eben in der Zeit nicht als Masseurin verfügbar.

          Wo kann man Sie derzeit tanzen sehen?

          Mit Hennermanns Horde touren wir mit allen Stücken aus unserem Repertoire, außerdem tanze ich beim La Trottier Dance Collective, das seinen Sitz in Mannheim hat. Und mit dem Programm „Kunstvoll“ sind wir von Hennermanns Horde gerade an der Albert-Schweitzer-Schule in Offenbach. Dort hat eine Oberstufenklasse jetzt Premiere.

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