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Die Wahl in Frankfurt : Schwarzes Konfetti und eine fehlende rote Stimme

Konfetti marsch! Nico Wehnemann (Die Partei) feiert mit Parteifreunden im Frankfurter Römer Bild: Wonge Bergmann

Im Frankfurter Römer haben viele Gründe zum Feiern. Schwarze und Grüne rücken nicht nur in der Gunst der Wähler immer enger zusammen.

          Kurz nach 17 Uhr scheint die Welt rund um den Frankfurter Römer in ihrer gewohnten Ordnung. Ein Gaukler lässt Wolken von Seifenblasen in den abendlichen Himmel steigen. Asiatische Touristen halten den Reiseführer zum Abgleich mit der realen Römerfassade in die Höhe, und ein Stadtführer steht unter dem Balkon des Rathauses und erzählt die Geschichte von den Franken und der Furt durch den Main. Ungewöhnlich allerdings, dass es sich bei dem Touristenführer um Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi la Belle handelt. Der ist als Stadtverordneter der SPD an Wahlabenden gewöhnlich einer der ersten im Römer. Doch offenbar hatten ihm schon die Prognosen die Lust am großen Auftritt vergällt.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Rolle der Spaßmacher übernimmt die Satiretruppe der Fraktion „Die Partei“. Sie bejubelt bei der ersten Prognose gleich ihr Abschneiden – nämlich, wie es zu diesem Zeitpunkt heißt, 6,5 Prozent für „die Anderen“, unter denen allerdings neben den Spaßpolitikern eine Reihe von Klein- und Kleinstparteien subsummiert werden. Das Gejohle „Wir sind drin!“ geht entsprechend schnell im Gelächter unter, und das für die Fotografen in die Luft geworfene schwarze Konfetti sorgt auch nur kurz für gute Laune. Gleich nebenan steht Kabarettist Ralf Kabelka und interviewt für die ZDF-Heute-Show Vertreter der „V-Partei³“, die sich für Gesundheit und Tierschutz einsetzt.

          Verdreifachung des Ergebnisses

          Nur wenige Schritte entfernt steht an einem Tisch in der Wandelhalle vor dem Magistratssitzungsaal ein Grüppchen von AfD-Vertretern zusammen mit Patrick Schenk, Fraktionschef der Bürger für Frankfurt (BFF), der zur Landtagswahl für die AfD angetreten ist. Sie hätten allen Grund zum Feiern, schließlich ist ihr Ergebnis deutlich zweistellig. Doch man gibt sich zurückhaltend und etwas wortkarg. Bei zwölf Prozent liegen sie zu diesem Zeitpunkt. Das ist eine Verdreifachung des Ergebnisses von vor fünf Jahren. Es könnte noch besser sein, ist man an dem Stehtisch überzeugt, wäre man im Wahlkampf wie eine normale Partei behandelt und zu allen Podiumsdiskussionen eingeladen worden.

          Ein Vorteil, den die FDP offensichtlich für sich genutzt hat. Sie hat ihr Ergebnis deutlich verbessert. Ein wenig bitter ist der Abend für den Stadtverordneten Stefan von Wangenheim angesichts der anderen Ergebnisse trotzdem. „Wenn man sich so ins Zeug legt und viel erreicht und dann doch alles bleibt wie es ist, was haben wir dann davon?“, fragt er sich. Ebenso wie Parteichef Thorsten Lieb und der Fraktionschefin Annette Rinn hält er aber bis zum Schluss die Daumen fest gedrückt, dass die Partei tatsächlich ein elftes Landtagsmandat bekommt, damit der Frankfurter Kandidat Yanki Pürsün nach Wiesbaden gehen kann – vielleicht kann er dann von dort auch ein Gesetz mit auf den Weg bringen, das vorschreibt, dass bei Wahlabenden in Hessen künftig auch ein vegetarisches Gericht auf der Karte stehen muss. Das nämlich vermisst Annette Rinn im Römer. Am Büffet an diesem Abend haben die Gäste nur die Wahl zwischen Rindswürsten und Wiener Würstchen.

          Schwarz-grüne Eintracht: CDU-Stadtrat Markus Frank (rechts) neben Grünen-Kandidat Marcus Bocklet (Mitte) nebst Miriam Dahlke und Taylan Burcu von den Grünen

          Um die Wurst geht es an diesem Abend tatsächlich für so manchen. Die SPD-Politiker geben sich besonders dünnhäutig. Fraktionschef Klaus Oesterling steht mit fahlem Gesicht vor den Anzeigetafeln und scheint seinen Augen ob der Verluste kaum trauen zu wollen. Auf die Frage, wo denn eigentlich der Oberbürgermeister bleibe, reagiert er fast barsch: „Ich habe keinen Einblick in seinen Terminkalender.“ So mancher hätte gerne gehört, was Peter Feldmann zum Abschneiden seiner Partei an diesem Abend gesagt hätte. Doch das Rednerpult mit Blumenschmuck in den Frankfurter Farben ist nur für die Wahlleitung aufgebaut.

          Die CDU dagegen tritt selbstbewusst auf, freilich nicht ohne Selbstkritik. Es ist von Störfeuern die Rede. Und der mangelhaften Vermittlung der Erfolge. Die Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann sagt, das Landtagswahlprogramm sei das beste, das sie je gesehen habe. Das gute Abschneiden der Grünen zeige, wie der Bürger es quittiere, wenn man auf Inhalte setze. Wie auch viele der Grünen ist drückt sie noch bis spät in den Abend die Daumen für die Direktkandidaten ihrer Partei, die sich mit jenen der Grünen ein Kopf an Kopf-Rennen liefern.

          Entsprechende Spannung herrscht auch bei den Grünen, die eigentlich nur Grund zum Jubeln haben. Für Nargess Eskandari-Grünberg aber ist das Ergebnis aber durch das der AfD deutlich getrübt. Je später es wird, aber desto mehr stehen auch im Römer Grüne und Christdemokraten enger zusammen.

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