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Schutzmaßnahmen in Frankfurt : Coronavirus verkürzt Abendmahl

Im Eschborner Baumarkt Hellweg werden keine Hände mehr geschüttelt. Bild: Helmut Fricke

Vorbereitung auf Covid-19: Die Evangelische Kirche will ihre Gottesdienste umplanen, Fraport legt ein Sparprogramm auf und in den Supermärkten leeren sich die Regale.

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          Der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) sieht die größte hessische Stadt gut auf die neue Coronavirus-Krankheit Covid 19 vorbereitet. Die Gesundheitsverwaltung verfüge über viel Kompetenz, sagte er am Donnerstag im Rathaus Römer. „Das ist Gold wert. Denn es ist wichtig, den Menschen Sicherheit zu bieten.“ Majer warnte davor, den Begriff „Pandemie“ jetzt schon leichtfertig zu verwenden. Es gebe zwar einen abgestuften, kommunalen Pandemieplan von 2012, der für eine Influenza-Pandemie ausgearbeitet worden und einsetzbar sei. Die Gefahr in Frankfurt sei aber noch nicht so hoch, dass der Plan aktiviert werden müsse. Er befürchte bis jetzt „keine Covid-19-Pandemie mit schwerwiegenden Folgen“ für Frankfurt.

          Marie Lisa Kehler
          (mali.), Rhein-Main-Zeitung
          Jochen Remmert
          (jor.), Rhein-Main-Zeitung

          Die Angst vor einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus führt indes zu ersten spür- und sichtbaren Einschnitten im täglichen Leben. So soll von Sonntag an beim Abendmahl auf das Herumreichen des Weinkelchs verzichtet werden. Darum hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ihre Mitglieder in einem Rundschreiben gebeten. Auch im Brot könne man die ganze Fülle des Herrn empfangen, heißt es in dem Schreiben. Auch die Mitarbeiter der Taunus-Sparkasse haben klare Anweisungen erhalten, wie sie sich gegenüber ihren Kunden zu verhalten haben. Ein freundliches Lächeln sei erwünscht, der obligatorische Handschlag hingegen zu unterlassen – egal um welche Summen es gerade gehe.

          Unterdessen werden die ersten Fotos von leeren Regalen in Supermärkten in den sozialen Netzwerken geteilt. In einem Rewe-Markt am Dornbusch sind Mehl, Nudeln und Reis nahezu ausverkauft. Nur noch wenige Konserven stehen in den Regalen. Dass dies auf Hamsterkäufe von verunsicherten Kunden zurückzuführen sei, die eine Abriegelung der Stadt befürchteten, hält eine Sprecherin der Rewe-Group für unwahrscheinlich. Man könne derzeit keine auffällige Nachfrage nach haltbaren Produkten feststellen. „Momentan gibt es keine Notwendigkeit zu Anpassungen in den Food-Sortimenten unserer Märkte. Die Warenversorgung ist gewährleistet.“ Der Konzern stehe im Kontakt zu den sicherheitsrelevanten Behörden wie dem Robert-Koch-Institut und dem Auswärtigen Amt. „Sollten Sofortmaßnahmen für Deutschland notwendig werden, sind wir in der Lage kurzfristig zu reagieren.“

          Vier Wochen für Spende gesperrt

          Ein Sprecher des Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sieht hingegen sehr deutlich die Vorräte schwinden. Viele potentielle Spender, die sich vor kurzem in Italien, China oder Korea aufgehalten hätten, müssten aus Sicherheitsgründen mindestens vier Wochen für eine Spende gesperrt werden, sagt er. Da Blut nicht lange gelagert werden könne, seien die Krankenhäuser aber weiterhin auf zahlreiche Spender angewiesen. „Einen gewissen Vorrat sollten wir mitnehmen, sollte eine Krise kommen“, sagt der DRK-Sprecher.

          Von einer schwierigen Lage spricht auch der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport. Er reagiert mit Einsparungen auf die Ausbreitung des Coronavirus. Der Verkehr zwischen Frankfurt und dem chinesischen Festland hat sich innerhalb kürzester Zeit halbiert. Um Kosten zu senken, bietet Fraport den Beschäftigten unbezahlten Urlaub an. Neueinstellungen soll es nur in Ausnahmefällen geben. Die Lufthansa hat indes angekündigt, dass Flugbegleiter auf bestimmten Verbindungen nach Italien Atemschutzmasken tragen dürfen. Das war zuvor schon auf Flügen nach Südkorea und Hongkong erlaubt.

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          Auch Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertags, äußerte sich besorgt. Die Ausbreitung des Virus stelle die Wirtschaft vor neue Herausforderungen. „Sollte sich die Situation bis April nicht entspannen, sehen wir signifikant dämpfende Effekte auf die hessische Wirtschaft zukommen.“ Es drohten Produktionsausfälle und Lieferengpässe. Hessens Wirtschaft sei von der Entwicklung besonders betroffen. Nach Angaben Flammers erwirtschaftet die hessische Industrie mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

          Der Hygienefachmann Antoni Walczok vom Frankfurter Gesundheitsamt sagte im Haupt- und Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag: „Die Telefondrähte glühen.“ Die Behörde berate bis zu zehn Anrufer gleichzeitig. „Es gibt viel Sorge, viel Angst, aber weniger wirklich prekäre Situationen.“ Für eine eventuell nötige Quarantäne Erkrankter seien alle Krankenhäuser geeignet, die auch Grippekranke isoliert behandeln könnten. Weil die meisten der in Deutschland mit dem Covid-19-Virus Infizierten einen milden Krankheitsverlauf hätten, reiche oft eine häusliche Quarantäne aus.

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