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Schulstart in Hessen : Reicht der Schutz im Klassenzimmer?

Immer mit Maske: Unterricht in Frankfurt Bild: picture alliance/dpa

Der Kultusminister sieht die Schulen gewappnet für alle Fälle. Eltern und Verbände sehen das anders.

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          An diesem Montag kehren die hessischen Schüler und Lehrer in ihre Schulgebäude zurück. In anderen Bundesländern, etwa in Rheinland-Pfalz, gehen sie schon seit einer Woche wieder in den Schulen ein und aus. Das mit den Gebäuden ist erwähnenswert, weil die Frage, ob wieder Präsenzunterricht möglich sein werde, in den Weihnachtsferien ein wichtiges Thema war – für Kinder, Jugendliche, Eltern, Pädagogen, Politiker und Vertreter von Verbänden.

          Florentine Fritzen
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch in Zeiten der sich ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus waren sich im Grunde alle einig, dass alles darangesetzt werden müsse, Schulschließungen zu vermeiden. Verschiedene Ansichten gibt es aber darüber, ob der geplante Schutz reicht und wie die Schulen gerüstet sind, falls die Schüler doch wieder in den Fernunterricht geschickt werden.

          Kultusminister Alexander Lorz (CDU) gibt sich zuversichtlich, auch mit Blick auf die Jüngsten, von denen viele nicht oder noch nicht geimpft sind. Der Corona-Impfstoff ist erst seit November für Kinder zwischen fünf und elf Jahren zugelassen, und die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung zwar für Kinder mit Vorerkrankungen, aber nicht für alle in dieser Altersgruppe. „Mit unserem engmaschigen Testregime in den Schulen und der Maskenpflicht im Unterricht gehen wir sorgsam vor und können die Infektionslage auch an Grundschulen ständig genau beobachten“, sagte Lorz der F.A.Z. Die Impfquote der Lehrkräfte liege bei rund 95 Prozent.

          Schließungen für Grundschüler gravierend

          Besonders mit Blick auf die Grundschüler warnte Lorz auch davor, vorschnell wieder umzusteuern. Die „emotionalen und sozialen Folgen einer Schließung“ wären seiner Ansicht nach „gerade für die Jüngsten gravierend“. Der Minister schloss gleichwohl nicht aus, dass einzelne Schulen im Fall von vermehrten Infektionsausbrüchen „die Unterrichtsform verändern werden müssen“. Dafür sind die Schulen nach Meinung des Ministeriums gut gerüstet. Sie hätten schließlich 2020 und 2021 viele Erfahrungen mit Distanzunterricht und digitalem Unterricht gesammelt, auch die Ausstattung der Schulen habe „einen großen Sprung nach vorne gemacht“. So hätten alle Lehrer Tablets oder Laptops erhalten, außerdem 100 000 Schüler aus bedürftigen Familien. Und 96 Prozent der öffentlichen weiterführenden Schulen sowie 85 Prozent der Grundschulen nutzten das landeseigene Schulportal als Lehr- und Lernplattform.

          Schüler, Eltern und Verbände sehen die Schulen dagegen nicht vorbereitet für den Online-Unterricht. Die Vorsitzende des Frankfurter Stadtelternbeirats Rafaela Hartenstein etwa ist für den Fall abermaliger Schulschließungen pessimistisch. Sie nennt Frankfurt, wo das WLAN an vielen Schulen immer noch auf sich warten lässt, ein „digitales schwarzes Loch“ und erinnert auch daran, dass das Videokonferenzsystem des Landes, das ins Schulportal integriert werden soll, noch nicht steht. Manche Schulen hätten jetzt zwar vorsichtshalber überprüft, ob alle Mädchen und Jungen einen Zugang zum Beispiel zum Anbieter Teams hätten. Aber das gelte bei weitem nicht für alle.

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