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Schulserie (2) - Gymnasien : Zwischen Humboldts Bildungsideal und Massenschule

Akzentsetzung: Die musikalische Bildung genießt an vielen Gymnasien, wie hier an der Musterschule, einen hohen Stellenwert. Bild:

Der Attraktivität des Abiturs haben selbst die Querelen um G8 nicht geschadet. Um die Nachfrage zu befriedigen, will die Stadt am Riedberg ein neues Gymnasium eröffnen. Die bestehenden Schulen entwickeln unterdessen charakteristische Profile.

          Das hätte sich der Gelehrte wahrscheinlich nicht träumen lassen. Als Wilhelm von Humboldt, seinerzeit preußischer Sektionschef für Kultus, den Grundstein für die Entwicklung der Gymnasien legte, hatte er eine ebenso anspruchsvolle wie elitäre Bildungsstätte vor Augen. Das Abitur legte damals kaum ein Prozent eines Jahrgangs ab. Heute, rund 200 Jahre später, besuchen allein in Frankfurt mehr als 17.000 Schüler ein Gymnasium. Die Gymnasialzweige der Kooperativen Gesamtschulen hinzugenommen, strebt jedes zweite Kind das Abitur an. Die einstige Höhere Schule für Bürgersöhne ist, zumindest in Großstädten, zum Standard geworden.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Werner Kexel, der Leiter der Liebigschule und Vorsitzender des Bezirksverbands der Oberstudiendirektoren, sieht in dieser Entwicklung zunächst einen Vertrauensbeweis. Die Eltern schätzten die bewährten Strukturen der Gymnasien. Zugleich habe sich die Schulform aber auch weiterentwickelt. Vieles, das es früher nur an Gesamtschulen gegeben habe, sei übernommen worden. So bildeten die Lehrer Jahrgangsteams, ältere Schüler kümmerten sich als Paten um jüngere und in Wochenarbeitsplänen könnten Kinder ihre Lernziele und -geschwindigkeiten selbst bestimmen.

          Wieder ein Anmelde-Rekord

          Ihre Beliebtheit bereitet den Frankfurter Gymnasien aber auch Probleme. Im vergangenen Jahr wurden dort 2286 Kinder angemeldet – an Hauptschulen nur 150. Obwohl mehrere Gymnasien zusätzliche Klassen einrichteten, konnten längst nicht alle Elternwünsche erfüllt werden. Die Wöhlerschule etwa, mit 1400 Schülern neben der Ziehenschule das größte Gymnasium der Stadt, musste 134 Kinder abweisen. Das Staatliche Schulamt geht davon aus, dass der Andrang anhalten wird. Vielleicht wird es in diesem Jahr wieder zu einem Anmelde-Rekord kommen.

          Allerdings sind nicht alle Kinder, die auf ein Gymnasium gehen sollen, auch dafür geeignet. Wie Kexel sagt, leisteten die Grundschulen zwar gute Arbeit bei der Beratung über die weitere schulische Laufbahn. „Aber natürlich gibt es auch Eltern, die beratungsresistent sind.“ Manche wollten ihr Kind unbedingt zum Abitur bringen, auch wenn dessen Leistungen dies nicht gerade nahelegten. Das seien jedoch Ausnahmen, so Kexel. Dafür, dass die Schulwahl in der Regel die richtige sei, spreche etwa die geringe Zahl von Querversetzungen. An der Liebigschule gebe es in einem Jahrgang mit 150 Schülern höchstens zwei oder drei, die auf andere Schulformen wechseln müssten.

          Ein beherrschendes Thema in der Öffentlichkeit war in den vergangenen Jahren G8. Darauf, dass der Weg zum Abitur in Hessen nunmehr acht statt neun Jahre dauert, waren die Gymnasien unzureichend vorbereitet. Zum einen wurde versäumt, den Lehrplan entsprechend zu kürzen, zum anderen fehlten vielerorts die baulichen Voraussetzungen für den nötigen Ganztagsbetrieb. Immerhin: Inzwischen gibt an vielen Schulen Kantinen, Bibliotheken und Räume zum freien Arbeiten, so dass die Schüler auch nachmittags lernen können.

          Neues Gymnasium in Riedberg geplant

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