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Schulpolitik : Henzler: Hauptschulen nicht kleinreden

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Will sich beim Thema Hauptschule nicht reinreden lassen: Die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler. Bild: dpa

Die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) sieht gute Gründe für den Fortbestand der Hauptschule in Hessen. Zugleich warnte sie vor einer Einmischung des Bundes in die Bildungspolitik der Länder.

          In der Debatte über die Zukunft der Hauptschule in Hessen hat Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) abermals deren Bedeutung hervorgehoben. Mehr als ein Fünftel aller Abschlüsse im Schuljahr 2009/2010 seien an einem Hauptschulzweig abgelegt worden, hieß es gestern in einer Mitteilung aus dem Kultusministerium in Wiesbaden. 268 hessische Schulen hätten einen eigenständigen Bildungsgang Hauptschule.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es führe leicht zu Missverständnissen, wenn in der öffentlichen Diskussion gelegentlich die Bedeutung der Hauptschule mit dem Argument „kleingeredet“ werde, dass es nur noch vier alleinige Hauptschulen in Hessen gebe. „Eine Hauptschule bleibt selbstverständlich auch dann eine Hauptschule, wenn sie vor Ort im Verbund mit der Grundschule oder mit der Realschule organisiert ist.“ Zudem böten auch alle schulformbezogenen (kooperativen) Gesamtschulen den Bildungsgang Hauptschule an, sagte die Ministerin.

          Bundes-CDU: Oberschule soll Haupt- und Realschule vereinen

          Henzler hatte sich bereits Anfang der Woche gegen die Pläne der Bundes-CDU zur Abschaffung der Hauptschule ausgesprochen. „Wir werden in Hessen keine funktionierende Haupt- oder Realschule abschaffen“, stellte sie klar. Es dürfe keine Einmischung des Bundes in die Bildungspolitik der Länder geben. „Wer den Bildungsgang Hauptschule abschaffen will, tut den Jugendlichen keinen Gefallen“, hob Henzler gestern hervor. Dies könne vielmehr dazu führen, dass mehr Jugendliche der Schule ohne Abschluss den Rücken kehrten.

          Der Hauptschulabschluss biete eher praxisorientierten Jugendlichen gute berufliche Perspektiven. Schon heute habe etwa die Hälfte der Auszubildenden im Handwerk einen Hauptschulabschluss. Angesichts der demographischen Entwicklung und weiter rückläufiger Arbeitslosenzahlen spreche alles dafür, dass dieser Anteil sogar steigen werde. Mit der neuen Mittelstufenschule, zu der sich vom nächsten Schuljahr an Haupt- und Realschulen verbinden könnten, würden den Hauptschülern zusätzliche Perspektiven geboten.

          Kritik aus der hessischen CDU

          Ein Antrag des CDU-Bundesvorstands für den Parteitag im November sieht außer dem Gymnasium eine Oberschule vor. Sie soll Haupt- und Realschule vereinen. CDU-Spitzenpolitiker aus den Ländern haben grundsätzliche Unterstützung für das Bildungskonzept der Bundespartei mit einer Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem signalisiert.

          In der hessischen CDU werden die Pläne allerdings scharf kritisiert. Der CDU-Fraktionschef im Landtag und frühere Kultusminister Christean Wagner spricht sich „ausdrücklich“ gegen die Einführung einer Oberschule aus. Das mehrgliedrige System in Hessen mit dem Neben- und Miteinander von Haupt- und Realschule, Gymnasium, integrierter sowie kooperativer Gesamtschule sei vorbildlich.

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