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Schulplatzmangel in Frankfurt : Es war nicht die Schülerzahl allein

Eingang der Helmholtzschule in Frankfurt Bild: Michael Braunschädel

Ein Blick auf wenig beachtete Faktoren zeigt, wie es zum Engpass an den Frankfurter Gymnasien gekommen ist. Doch wie wird das Problem „Plätzemangel“ in Angriff genommen?

          Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Viertklässler können nach den Sommerferien auf eine der weiterführenden Schulen gehen, die ihre Eltern gewählt haben. Aber auch in diesem Jahr reichen die Kapazitäten der besonders beliebten Bildungsstätten nicht aus; auch in diesem Jahr werden wieder mehr als 500 Kinder abgelehnt und auf andere Schulen geschickt, rund die Hälfte von ihnen sind künftige Gymnasiasten. Seit 2015 besteht der Engpass. Die Elternproteste fallen nicht mehr so heftig aus wie in den ersten Jahren, aber jeder negative Bescheid lässt Zukunftspläne zerplatzen. Wie ist der – um es in der Sprache der Schulbehörden zu sagen – „erhöhte Lenkungsbedarf“ eigentlich entstanden? Zwei Ursachen liegen auf der Hand und wurden in der Diskussion über den „Frankfurter Schulplatz-Notstand“ auch immer wieder genannt: das Wachstum der Bevölkerung und insbesondere der Kinderzahl, verbunden mit dem Versäumnis, die stadtweite Schulentwicklungsplanung voranzutreiben.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tatsächlich lag die Zahl der Viertklässler im Schuljahr 2009/2010 noch unter 5000, inzwischen geht sie auf die Marke von 6000 zu. Allerdings wuchs die Schülerschaft mehr oder minder kontinuierlich und auch schon vor dem Jahr 2015, wohingegen die Statistik der Zuweisungen an Gymnasien und Gymnasialzweige in jenem Jahr einen enormen Sprung aufweist. Waren es in den Vorjahren noch Größenordnungen von einer oder zwei Klassen, die an andere als die gewählten Schulen geschickt wurden, sind es seit 2015 jährlich zehn und mehr Klassen. Dabei war es schon früher so, dass es beliebte und weniger beliebte Gymnasien gab – und dass die Vorlieben der Eltern starken und teils überraschenden Konjunkturen folgten. Allerdings hatten die Schulen in den Jahren vor 2015 noch einen Puffer: Sie konnten bei starker Nachfrage zusätzliche fünfte Klassen aufmachen. Das lag an der seinerzeit insgesamt geringeren Schülerzahl, aber auch an G8. Durch die 2004 beschlossene Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre war vielerorts Platz frei geworden.

          2012 vollzog die hessische Landesregierung allerdings die Kehrtwende und eröffnete den Gymnasien die Option einer Rückkehr zu G9. In den Folgejahren machten nach und nach fast alle Frankfurter Gymnasien Gebrauch davon. Das hatte noch einen zweiten Effekt: Familien, die zuvor wegen Bedenken gegen G8 auf Integrierte Gesamtschulen oder Realschulen ausgewichen waren, meldeten ihre Kinder nun wieder in den Gymnasien an.

          Zarte Pflanze: Neue Schulen brauchen Zeit zum Wachsen – genau wie das Bäumchen, das zur Eröffnung des Römerhof-Gymnasiums gesetzt wurde.

          Bis zum Jahr 2015 waren 13 der seinerzeit 16 klassischen Gymnasien zur neunjährigen Schulzeit zurückgekehrt, der Effekt schlug erstmals voll durch. Das lässt sich auch anhand der Übergangsquoten belegen. Nachdem von 2009 bis 2011 etwas weniger als die Hälfte der Viertklässler auf ein Gymnasium oder in den Gymnasialzweig einer Kooperativen Gesamtschule gewechselt war, überschritt der Anteil 2012 die 50-Prozent-Marke und kletterte 2015 auf einen Höchststand von 56 Prozent.

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