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Schule : Kippa und koscheres Essen für alle

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Im Hebräisch- und Religionsunterricht ist die Kippa Pflicht Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Sie liefern sich mit den stets präsenten Polizisten Schneeballschlachten, die Jungen tragen in manchen Unterrichtsfächern die Kippa, und stets haben alle ein koscheres Pausenbrot dabei. Doch an der Lichtigfeld-Schule sind auch nichtjüdische Kinder willkommen.

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          Sie liefern sich mit den stets präsenten Polizisten vor der Tür Schneeballschlachten, die Jungen tragen in manchen Unterrichtsfächern die Kippa auf dem Kopf, und stets haben alle ein koscheres Pausenbrot ohne Wurst dabei: Für die derzeit 332 Schüler der Lichtigfeld-Schule gehört all das zum Alltag, denn Träger der Privatschule ist die Jüdische Gemeinde. Doch religiöse Erziehung ist nur ein Schwerpunkt der Schule, die voraussichtlich im Juli nächsten Jahres nach umfangreichen Umbauarbeiten in ihr historisches Domizil, das Philanthropin an der Hebelstraße, zurückziehen wird. Angeboten werden auch umfangreiche Integrations- und Förderprogramme bei Sprach- oder Leistungsproblemen, für Hochbegabte sowie bei Verhaltensauffälligkeiten. Denn „jedes Kind, das zu uns kommt - ganz gleich ob jüdisch oder nichtjüdisch -, soll hier bleiben können“, sagt Konrektor Rafael Luwisch.

          Eine hundertprozentige Abdeckung der Stundentafel, Klassen mit derzeit höchstens 19 Schülern und mit 40 Pädagogen eine fünfzigprozentig höhere Lehrerdichte als üblich - das sind Bedingungen, von denen man in staatlichen Schulen nur träumen kann. 60 Prozent der Kinder sind Deutsche, hinzu kommen 18 andere Nationalitäten. 31 Prozent der Schüler kommen allein aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Sprachförderung sei daher Voraussetzung für den Schulbetrieb, sagt Luwisch. Von Anfang an nehmen Schüler selbst ohne Deutschkenntnisse zunächst am Kunst- und Sportunterricht teil und werden je nach Sprachstand dann zu den anderen Fächern zugelassen. Der Deutsch-Crash-Kursus umfaßt 23 Stunden in der Woche.

          Gymnasialzweig ohne Oberstufe kommt hinzu

          Auch beim Iwrit genannten Neuhebräisch gibt es bis zu vier Leistungsstufen: vom Unterricht für perfekte Muttersprachler aus Israel bis zum Kursus für Seiteneinsteiger ohne jede Vorkenntnisse. Speziellen Förderunterricht gibt es bei Leistungsschwierigkeiten, aber auch für Hochbegabte ist die Schule ausgelegt. Projekte, bei denen die Kinder je nach Situation von zehn Minuten bis hin zu einigen Stunden aus dem Klassenverband herausgenommen und von einem Förderlehrer betreut werden, sollen zu besserem Sozialverhalten und höherer Motivation führen.

          Nach dem Umzug bekommt die Grundschule mit Eingangs- und Förderstufe einen Gymnasialzweig ohne Oberstufe - ein bisher einmaliges Experiment. Gleichzeitig will das Institut seinen Schülern die Möglichkeit geben, einen Haupt- oder Realschulabschluß zu erlangen. Damit erfüllt es Forderungen nach einer „Schule für alle“, wie sie seit der Pisa-Studie immer wieder laut werden. Anders als bisher wird die Einrichtung dann auch eine Ganztagsschule sein, je nach Jahrgangsstufe verpflichtend bis 13.15 Uhr oder 15.45 Uhr, fakultativ stets bis 17 Uhr. Obligatorisch für alle wird dann das Mittagessen in der Mensa sein, bestehend aus koscheren Speisen und eingeleitet von einem Segensspruch.

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