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Carsten Knop

Kommentar zur Erasmus-Schule : Schule kann der ASB nicht

  • -Aktualisiert am

In Turbulenzen? Die Erasmus-Schule in Frankfurt Bild: Patrick Junker

Der Arbeiter-Samariter-Bund hat die Frankfurter Erasmus-Schule ehedem aus der Insolvenz aufgefangen und ein teures Gebäude für sie gekauft. Die neuen Turbulenzen zeigen: Der Kauf war ein Fehler.

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          Wer das Schicksal der Erasmus-Schule verfolgt, muss sich fragen, ob darüber ein Fluch liegt. Eine überzeugende Idee, aus einer Lehrerkooperative entstanden, entwickelt sich zum zweiten Mal in kurzer Zeit zu einem finanziellen Desaster. Beim ersten Mal haben die Eltern der Erasmus-Schüler Geld und Nerven verloren. Nun sind es vielleicht nur Nerven. Aber es geht hier ja nicht um das Lernen in Unruhe, sondern um eine besonders kreative, internationale Atmosphäre. Und es stellt sich abermals die Frage, was der Schulträger Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Hessen mit dieser Schule überhaupt will.

          Der ASB hatte zwar seinerzeit die Schule aus der Insolvenz aufgefangen, die angemeldet werden musste, nachdem eine Mitarbeiterin aus der Buchhaltung der Spielsucht verfallen war. Aber bei der ehrenvollen Rettung blieb es nicht. Aus der Grundschule musste unbedingt noch ein Gymnasium werden – und schon wieder nimmt eine unheilvolle Entwicklung ihren Lauf. Erst seit 2017 ist man in einem Gebäude untergebracht, das 27 Millionen Euro gekostet hat. Jetzt stehen weitere Umbauten rund um Brandschutz und Lüftung an, die sich der ASB nicht mehr leisten kann. Angeblich sind diese beim Kauf nicht absehbar gewesen.

          Welcher Schulweg von 2023 an?

          Doch selbst wenn man glaubt, dass der ASB Hessen deshalb nicht um die Existenz bangen muss und man nach bestem Wissen gehandelt hat, so ist doch klar, dass der Kauf ein Fehler war. Wieder wissen Schüler nicht, welchen Schulweg sie spätestens von 2023 an im Auge haben müssen. Das ist keine triviale Frage, zumal auch die Suche nach einem neuen Gebäude in Frankfurt keine einfache Angelegenheit ist. Bürogebäude sind nämlich grundsätzlich nicht als Schulgebäude konzipiert.

          Und schließlich ist daran zu erinnern, warum es den ASB nach seinem Selbstverständnis überhaupt gibt: Seit den Anfängen in der Arbeiterbewegung 1888 hat sich der Verband zu einem Dienstleister für gesellschaftlich relevante Aufgaben weiterentwickelt. Dazu gehört die Hilfsorganisation, etwa Erste-Hilfe-Ausbildung, Rettungsdienst und vergleichbare Tätigkeiten, dazu zählen aber auch Altenhilfe und Pflege sowie angrenzende Gebiete. Eigentlich gibt es dort genug zu tun.

          Nur wenn man den Zweck sehr weit fasst, kann man mit Phantasie auch den Betrieb von Schulen hinzuziehen, immerhin eine gesellschaftlich relevante Aufgabe. Aber man sollte es dann eben auch können. Und der ASB Hessen kann es nicht.

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