https://www.faz.net/-gzg-qv8y

Schule : Ausreichend Schlaf und gute Bücher zum Schulanfang

  • Aktualisiert am

Schon viele Kinder haben Übergewicht oder Haltungsschäden. Für Eltern von Schulanfängern hat das Stadtgesundheitsamt deshalb eine Reihe von Tips zusammengestellt, die über die Empfehlungen für den Inhalt der Schultüte hinausgehen.

          2 Min.

          Schon viele Kinder haben Übergewicht oder Haltungsschäden. Für Eltern von Schulanfängern hat das Stadtgesundheitsamt deshalb eine Reihe von Tips zusammengestellt, die über die Empfehlungen für den Inhalt der Schultüte hinausgehen. Diese sollte nach Meinung von Holger Meireis, dem Leiter des Jugendärztlichen Diensts beim städtischen Gesundheitsamt, statt Süßigkeiten besser Spiele, Buntstifte oder zum Beispiel eine Karte für einen Zoobesuch enthalten. Das wichtigste Utensil für den Schulbeginn nächsten Dienstag aber, sagt Meireis, sei ohnehin der Ranzen. Und der dürfe nicht zuviel wiegen, für Schulanfänger in der Regel nicht mehr als 2,5 bis drei Kilogramm.

          Eltern, so Meireis, sollten das Gewicht des Ranzens regelmäßig kontrollieren und, falls es zehn Prozent des Körpergewichts des Kindes wesentlich überschreite, gemeinsam mit Sohn oder Tochter den Inhalt durchforsten und eventuell mit den Lehrern sprechen. Ein besonderes Anliegen ist Meireis, daß die Wirbelsäule der Ranzen-Träger gleichmäßig belastet wird und die Hände frei bleiben. Er gibt deshalb dem Ranzen gegenüber modischen Rucksäcken, die oft instabil seien, den Vorzug.

          Weil nach den Erfahrungen des Gesundheitsamts viele Kinder ohne Frühstück in die Schule kommen und spätestens in der Pause unkontrolliert zu Süßigkeiten greifen, appelliert Meireis an die Eltern, ihren Kindern regelmäßig ein Frühstück zu bereiten, zum Beispiel mit Fruchtsaft, Milch, Müsli und Cornflakes. "Wecken Sie das Kind so rechtzeitig, daß es sein Frühstück in Ruhe genießen kann", sagt er. Für die Pause sollten ein belegtes Brot und ein Stück Obst mitgegeben werden. Darüber hinaus sollten Eltern ihrem Kind die Freude machen, möglichst eine Mahlzeit am Tag als gemeinsames Familienessen am schön gedeckten Tisch zu erleben.

          "Schule ist Arbeit für das Kind", meint Meireis weiter. Grundschulkinder benötigten rund zehn Stunden Schlaf, um sich zu erholen und für den nächsten Tag wieder fit zu sein. Eltern müßten dafür sorgen, daß ihr Sohn oder ihre Tochter ungefähr um 20 Uhr ins Bett gingen. Lediglich am Freitag- und Samstagabend dürfe das etwas lockerer gehandhabt werden, so Meireis.

          Er plädiert ferner dafür, daß nach dem Mittagessen und einer Erholungspause zügig mit den Hausaufgaben begonnen wird. Eltern sollten darauf achten, daß nicht der gesamte Nachmittag für Hausaufgaben draufgehe. Denn ein Kind brauche unbedingt genügend Freizeit zum Spielen und Entspannen. Dauerten die Hausaufgaben regelmäßig länger als von der Schule vorgegeben, sei ein Gespräch mit den Lehrern unvermeidbar. Möglicherweise sei das Kind überfordert und benötige Hilfe. Beim Kauf des Schreibtischs sei möglichst ein höhenverstellbarer Tisch mit schrägstellbarer Tischplatte zu wählen, sagt Meireis, was die richtige Körperhaltung fördere. Neben dem so wichtigen "freien Spielen" sollten Eltern ihren Kindern auch eine "geordnete Freizeitaktivität" ermöglichen. Als Beispiele führt Meireis Sport im Verein, Ballett oder Musikunterricht an.

          Dem Leiter des Jugendärztlichen Dienstes ist es außerdem ein Anliegen, etwas zum Thema Computer und Fernsehgerät zu sagen. Ein Schulkind müsse gefördert werden, zum Beispiel durch soziale Kontakte, persönliche Erlebnisse und Erfahrungen oder gute Bücher. Vor allem aber sei die zeitliche Zuwendung durch die Eltern wichtig. Einsame Stunden am PC könnten eben keine gemeinsamen Unternehmungen ersetzen. Darüber hinaus sollten Eltern nach Worten von Meireis bedenken, daß ihr Kind "weder Model noch Werbeträger für edle und teure Fashionprodukte oder deren Plagiate" sei. Für Kinderkleidung gebe es ein paar ebenso einfache wie allgemeingültige Regeln: Sie sollte der Witterung angepaßt, atmungsaktiv, bequem und möglichst unempfindlich sein, luftig im Sommer, nässefest bei feuchtem Wetter und warm im Winter. Und "investieren Sie in anständige Kinderschuhe".

          Ein normal entwickeltes und gesundes Kind sollte seinen üblicherweise zwei Kilometer langen Weg zur Schule zu Fuß zurücklegen. Dazu sei es körperlich in der Lage. Wenn die Verkehrsverhältnisse freilich schwierig seien, sollten Eltern den Schulweg mit ihren Kindern üben, damit sie ihn dann selbständig und sicher bewältigen könnten, so Meireis. (rig.)

          Weitere Themen

          Topmeldungen