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Schüler diskutieren Politik : Den Mut haben, sich einzumischen

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Themenwoche an der Liebigschule Frankfurt: Wenn Schule zum Raum für politische Diskussion wird. Bild: dpa

In der Themenwoche suchen Frankfurter Schüler den Dialog mit Fachleuten aus Politik und Gesellschaft: Im Fokus steht das Thema „Menschenrechte“. Die Schüler haben eine klare Haltung.

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          „Wir wollen den Schülern einen Raum mit Ansprechpartnern bieten“, sagt Beza Tefera. Sie ist eine der Jugendlichen, die sich um die Organisation der Menschenrechtswoche an der Liebigschule kümmern. Einen Raum für Diskurs bot die abschließende Podiumsdiskussion mit dem Publizisten Michel Friedman, Khola Maryam Hübsch von der Ahmadiyya-Gemeinde und Sarah Lotz von „Schlau Hessen“.

          In Paris verkündeten die Vereinten Nationen 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Sie ist unbestritten ein Meilenstein der Geschichte, und doch lässt der Begriff der Würde Raum für vielfältige Interpretation. „Ist Würde nur ein Konjunktiv?“ lautete deshalb das diesjährige Motto der Themenwoche. Das Gymnasium organisiert die jährlichen Themenwochen, um die politische Meinungsbildung der Schüler zu fördern.

          In Workshops und Vorträgen sollen die Schüler in Kontakt mit Fachleuten aus Politik und Gesellschaft kommen, um in den öffentlichen Diskurs eingebunden zu werden. Drei Schüler leiten die Diskussion in der Aula der Schule in Praunheim und thematisieren dabei aktuelle politische Entwicklungen wie etwa die Wahl zum CDU-Vorsitz und setzen sie in Kontext mit der Fragestellung der Podiumsdiskussion: Wie viel Vielfalt wollen wir in unserer Gesellschaft?

          „Ihr müsst selbst denken“

          Friedman fordert vehement, den Mut zu haben, sich einzumischen. Je früher man anfange, sich in den politischen und gesellschaftlichen Diskurs einzumischen, umso einfacher sei es. Das beginne in der Schule bei Themen wie Mobbing oder Diskriminierung. Er appelliert an die Schüler, den Menschen nicht nach seinem Äußeren, seiner Religion oder seiner Herkunft zu beurteilen, sondern stets jedem Menschen mit Respekt und Offenheit zu begegnen.

          „Ihr müsst selbst denken, um zu merken, dass Diskriminierung in jeglicher Form Unsinn ist“, sagt Lotz, die sich für Aufklärung über Homosexualität an Schulen einsetzt. Es sei ein Zeichen von Stärke, wenn man sich traue, für die eigene Sache einzustehen und sich dabei der Mehrheitsmeinung entgegenzusetzen, sagt Hübsch. In der Themenwoche bekommen die Schüler Einblicke in die Arbeit von Kinderrechtlern, Politikern und Nichtregierungsorganisationen. Eine Gruppe der Carl-Schurz-Schule ist aus Sachsenhausen gekommen, da es kein vergleichbares Angebot an ihrem Gymnasium gebe.

          Dafür will sich Beza, die im Stadtschülerrat sitzt, in Zukunft einsetzen. Die 18 Jahre alte Schülerin sagt, sie habe viel über Diskriminierung, Rassismus und deutsche Waffenexporte nach Mexiko gelernt. „Es gilt, kulturelle Vielfalt als Chance und Bereicherung für das menschliche Zusammenleben wahrzunehmen“, sagt Cetin Karakus, Lehrer und Leiter der Menschenrechtswoche. Noch nie habe die Schule so viele Workshops zu unterschiedlichen Themen angeboten wie in diesem Jahr. Die positive Resonanz der Schüler auf die Themenwoche habe gezeigt, dass es den Jugendlichen nicht wichtig sei, „woher jemand kommt, sondern wohin man gemeinsam geht“.

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