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Schließfach-Raub in Frankfurt : „Das ist ja wie in ,Haus des Geldes‘“

Das Fluchtauto: Mit diesem BMW versuchten die Täter zu entkommen, die Polizei stellte sie am Frankfurter Hauptbahnhof mit einem Schuss in den Reifen. Bild: Wolfgang Eilmes

Im Frankfurter Bahnhofsviertel hat es wieder ein Großaufgebot der Polizei gegeben. Eine Bande wollte Schließfächer einer Bank aufbrechen. Nun sind drei Verdächtige festgenommen – mindestens einer ist noch auf der Flucht.

          Abermals ist es am Freitag zu einem Großeinsatz am Frankfurter Hauptbahnhof gekommen. Mehrere Männer hatten gegen 15 Uhr versucht, in einer Sparkassen-Filiale an der Düsseldorfer Straße ein Schließfach aufzubrechen und lösten dabei Alarm aus. Als die Polizei wenig später eintraf, waren die Täter gerade dabei, ein Auto zu besteigen und in Richtung Hauptbahnhof zu flüchten. Die Beamten schossen auf das Fluchtfahrzeug, das mit hoher Geschwindigkeit den Tatort verließ. Dabei rammte der schwarze BMW mit Berliner Kennzeichen mehrere andere Wagen und kam schließlich an der Ampelanlage zwischen Bahnhofsvorplatz und Kaisersack zum Stehen. Drei Täter wurden festgenommen; mindestens einer weiteren Person gelang die Flucht.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu den Verdächtigen, die bis zum späten Abend vernommen wurden, macht die Polizei zunächst keine weiteren Angaben. Die Beamten konnten die Tat relativ schnell detailliert rekonstruieren: Seit etwa zwei Jahren ist direkt an der Ecke, an der sich die Sparkassen-Filiale befindet, eine Überwachungskamera installiert, um den dort stattfindenden Drogenhandel zu dokumentieren.

          Innerhalb von Minuten wurde nach den Schüssen das Areal rund um den Hauptbahnhof großräumig abgesperrt. Da die Hintergründe des Geschehens in der Bank zunächst unklar waren und die Polizei nur ausschließen konnte, dass es sich um einen klassischen Banküberfall handelte, wurden alle nur denkbaren Szenarien in Betracht gezogen, wie es aus Sicherheitskreisen hieß. Der Bahn-Verkehr wurde vorübergehend eingestellt, der Hauptbahnhof gesperrt. Auch die Busse fuhren das Viertel nicht mehr an. Passanten wurden gebeten, den Bereich zu meiden. Entsprechende Warnungen gingen auch über die sozialen Netze und Katastrophen-Warn-Apps heraus. Mehrere stark bewaffnete Polizisten waren im Einsatz, darunter ein Spezialeinsatz- und ein Überfallkommando.

          Tatort: Diese Sparkasse an der Düsseldorfer Straße hatten die Täter ausgewählt.

          Unter den Passanten selbst, die die Szene auf der Straße verfolgt hatten, kursierten unmittelbar nach der Tat verschiedene Mutmaßungen darüber, was genau sich an der Sparkassen-Filiale abgespielt hat. Einige meinten, es handele sich um eine Razzia, die möglicherweise eskaliert sei. Andere tippten auf eine Schlägerei. Sogar von einer Geiselnahme war zunächst die Rede; und davon, dass die Täter sich noch im Gebäude aufhielten. Dieses Gerücht löste sich erst auf, als die Polizei über Twitter nähere Details mitteilte und klar war, dass drei Verdächtige schon festgenommen waren und keine Gefahr mehr bestand.

          Patronenhülse vor der Frankfurter Sparkasse in der Düsseldorfer Straße 9

          Weniger professionell als vergleichbare Fälle

          Ein junger Mann hat die Schüsse auf das Fluchtfahrzeug aus einem Kiosk heraus beobachtet. Er sprach von vier Männern, die in dem schwarzen BMW gesessen hätten. „Ein guter Fahrer, er hat sehr schnell beschleunigt.“ Doch offenbar war auch die Polizei geistesgegenwärtig. Mindestens ein Beamter hat auf die Reifen des Fluchtfahrzeugs geschossen. Zwei Patronen lagen noch am späten Nachmittag hinter der Absperrung auf dem Asphalt. Dass die Polizei so schnell am Tatort war, lag daran, dass mehrere Streifen ohnehin gerade im Bahnhofsviertel unterwegs waren, um dort gegen den Drogenhandel vorzugehen. Die Beamten brauchte keine Minute, um zur Düsseldorfer Straße zu gelangen, nachdem der Alarm an der Bank ausgelöst worden war.

          „Das ist ja wie ,Haus des Geldes‘“, sagte ein weiterer Mann, der sich den Tatort aus der Nähe angesehen hat in Anspielung auf eine Netflix-Serie. Er und ein Bekannter rätselten noch, was passiert sei, als sich die Situation allmählich entspannte und auch der S- und U-Bahn-Verkehr wieder freigegeben wurde. Der Bekannte hatte sein Auto an der Niddastraße geparkt – und zwar kurz bevor die Polizei die Straßen absperrte. Er wollte ursprünglich in jener Sparkasse Geld abheben, in der sich die Tat ereignete. Doch eine Polizistin hatte ihn weggeschickt. Danach steckte er im Viertel fest. Bis zum späten Nachmittag wartete er darauf, wieder an sein Fahrzeug zu kommen. Er hoffte, sein Cousin könne ihn vielleicht abholen. Dieser aber sagte am Telefon, er komme zurzeit selbst nicht ins Viertel rein, weil er mit dem Auto unterwegs sei.

          Fälle von Diebstählen aus Bank-Schließfächern hatten zuletzt die Sicherheitsbehörden in ganz Deutschland beschäftigt. Allerdings waren die Banden in diesen Fällen äußerst professionell vorgegangen, indem sie ausgespähte Kundendaten für ihre Zwecke nutzten und hochgradig arbeitsteilig vorgingen. Im Frankfurter Fall sieht die Tat nach derzeitigen Erkenntnissen dilettantischer aus. Die Täter sollen mit Brachialgewalt vorgegangen sein und wollten laut einem Polizeisprecher die Schließfächer aufhebeln.

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