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Tödliche Schießerei in Frankfurt : Revierkämpfe in der Rockerszene

Nach der tödlichen Schießerei am Frankfurter Ben-Gurion-Ring erinnern am Tatort Trauerkerzen an das Opfer Bild: Franziska Gilli

Ein Blutbad wie bei einem Amoklauf, Drogenhandel, zwielichtige Kontakte in die rechtsextreme Szene: Nach einer tödlichen Schießerei in Frankfurt ziehen die Ermittlungen immer weitere Kreise.

          2 Min.

          Die Ermittlungen zu der tödlichen Schießerei am Frankfurter Ben-Gurion-Ring ziehen immer weitere Kreise. Nachdem das Motiv zunächst unklar war, gilt es als immer wahrscheinlicher, dass es bei der Bluttat um Drogengeschäfte ging. Der mutmaßliche Täter, ein 27 Jahre alter Deutscher afghanischer Herkunft, hatte sich noch am Mittwochabend im Beisein eines Anwalts der Polizei gestellt. Am Donnerstag wurde er dem Haftrichter vorgeführt; zu der Tat machte er keine näheren Angaben. Allerdings verdichteten sich gestern Hinweise, dass es sich um einen Racheakt unter Drogenhändlern handeln könnte. Bei der Bluttat am Mittwoch waren ein 29 Jahre alter Mann getötet und zwei weitere Männer schwer verletzt worden.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach Berichten von Augenzeugen hatten sich Täter und Opfer, kurz bevor die Schüsse gefallen sind, um Geld gestritten. Es soll um hohe Summen gegangen sein. Beide Männer waren nach bisherigen Erkenntnissen im Drogenhandel tätig und nutzten dafür auch den Park an der Siedlung Am Bügel, wo beide mit ihren Familien lebten. Zudem wurde am Donnerstag bekannt, dass das Opfer, ein Deutschäthiopier, offenbar Kontakt zur Rockerszene gehabt hat. Er gehörte dem Vernehmen nach dem „Motorcycle Club Gremium Fulda“ an, der gestern auf seiner Internetseite zum Gedenken ein Foto von ihm veröffentlichte.

          Ausländische Wurzeln, aber in rechtsextremen Szenen

          Die Ermittlungsbehörden bestätigten gestern Augenzeugenberichte, wonach der Schütze mit „ungeheurer Brutalität“ vorgegangen sei, die an einen Amoklauf erinnere. Nachdem es am Rand des Parks schon zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen sei, habe sich der Streit quer durch den Park gezogen. Der Täter habe den Deutschäthiopier und seine beiden Begleiter bis zu einem Weiher verfolgt, der in unmittelbarer Nähe eines Spielplatzes liegt, auf dem sich zur Tatzeit viele Familien mit Kindern aufgehalten haben.

          Frankfurter Problemviertel: der Ben-Gurion-Ring
          Frankfurter Problemviertel: der Ben-Gurion-Ring : Bild: Lisowski, Philip

          Ein Augenzeuge berichtete am Donnerstag, der Täter habe dann die Pistole gezogen und mehrmals auf den Deutschäthiopier geschossen. Dann sei er in Richtung Weiher gegangen, wo die Begleiter des Opfers standen. Sie wurden durch Schüsse in den Bauch beziehungsweise ins Gesäß verletzt. Anschließend, so der Zeuge, sei der Schütze wieder zu seinem ersten Opfer zurückgekehrt, das zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon tot war. Er habe dann noch mehrmals auf den Mann geschossen. Schließlich habe er ihn umgedreht und mehrfach mit „wahnsinniger Kraft“ auf seinen Kopf eingetreten. Offenbar hat der Schütze mehrere Magazine verwendet. Laut Obduktionsbericht wurden 34 Schussverletzungen gezählt.

          SS-Spruch auf Unterarm tätowiert

          Dass es schon in der Vergangenheit zu Konflikten zwischen dem Täter und seinem Opfer gekommen ist, schließen die Ermittler nicht aus. Beide Männer beanspruchten die Siedlung offenbar als „ihr Revier“. Trotz ihrer ausländischen Wurzeln hatten sie offenbar Verbindungen in die rechtsextreme Szene. Das Opfer soll auf seinem Unterarm den SS-Spruch „Meine Ehre heißt Treue“ tätowiert gehabt haben. Er war der Polizei dem Vernehmen nach mit mehr als 80 Straftaten bekannt, der mutmaßliche Täter mit gut 50. Zu den Delikten, die den Männern zur Last gelegt werden, gehören schwere Körperverletzung, Raub, Waffendelikte, Bedrohung, Drogenhandel, bandenmäßiger Diebstahl und Brandstiftung.

          Wie am Donnerstag weiter zu hören war, ist auch der Zwillingsbruder des Schützen kein Unbekannter. Bei ihm handelt es sich um einen der „Heddernheimer U-Bahn-Schläger“, die 2008 durch den brutalen Angriff auf einen U-Bahn-Fahrer bundesweit bekannt geworden waren. Der Mann, der danach noch weitere Straftaten verübt hat, soll nach Angaben aus Ermittlerkreisen derzeit flüchtig sein. Ob er in die Schießerei, wenn auch nur mittelbar, verwickelt ist, wird ebenfalls geprüft.

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