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Schienenverkehr : Zwei U-Bahn-Linien zum Riedberg

Bild: F.A.Z.

Frankfurt soll zwei neue U-Bahn-Linien erhalten. Das Konzept des Verkehrsdezernenten Lutz Sikorski sieht vor, daß bis zum Jahr 2009 der Stadtteil Riedberg und der dortige Campus an das Schienennetz angeschlossen sein werden.

          Für den Riedberg und den Campus am Niederurseler Hang liegt jetzt ein U-Bahn-Konzept vor. Der neue Stadtteil im Norden Frankfurts und die naturwissenschaftlichen Institute der Universität dort sollen über zwei U-Bahn-Linien einerseits mit der Frankfurter Innenstadt und andererseits mit dem Nordwestzentrum und - bei einem Umsteigen in die S-Bahn - mit dem Hauptbahnhof verbunden werden.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit dieser Nord-Süd- und Ost-West-Linie zeichnet sich eine relativ kostengünstige Lösung für die Anbindung des Riedbergs an den öffentlichen Nahverkehr ab, die außerdem schnell verwirklicht werden kann. Frankfurts Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen), der das Konzept vorstellte, rechnet mit Investitionen von 60 Millionen Euro und einer Inbetriebnahme der beiden neuen U-Bahn-Linien Ende 2009.

          Zum Riedberg im 15-Minuten-Takt

          Ursprünglich sollte der Riedberg über die sogenannte D-Strecke mit dem Hauptbahnhof verbunden werden. Dafür war ein U-Bahn-Tunnel zwischen Bockenheim und Ginnheim geplant gewesen, ein Projekt, das in Ginnheim und Bockenheim auf große Ablehnung stieß - nicht zuletzt deshalb, weil viele lieber die Straßenbahnlinie 16 behalten wollten. Nach der Kommunalwahl hatte die neue Koalition von CDU und Grünen das schon weit vorangeschrittene Vorhaben D-Linie aufgegeben und eine andere, aber ebenso attraktive Anbindung des Riedbergs versprochen.

          Die eine neue U-Bahn-Linie mit dem Arbeitstitel U 31 soll vom Südbahnhof im 15-Minuten-Takt über die A-Linie entlang der Eschersheimer Landstraße nach Niederursel und von dort auf einer neuen, überirdischen Trasse zur Endstation Riedberg führen. Dort kann der Zug auf einer zu bauenden Wendeanlage die Fahrt in die Gegenrichtung aufnehmen. Weil der unterirdische Teil der A-Strecke zwischen Südbahnhof und Dornbusch keine zusätzlichen Züge bewältigen kann, muß allerdings der Zugverkehr auf der Linie U 3 halbiert werden - freilich nur auf der Strecke von Niederursel nach Oberursel, wo in den Hauptverkehrszeiten die U-Bahn nur noch alle 15 Minuten fährt.

          Die zweite neue Linie mit dem Arbeitstitel U 41 verbindet Nieder-Eschbach mit dem Nordwestzentrum und dem Niddapark. Sie führt über die schon vorhandene U-2-Strecke nach Bonames und Kalbach, von dort über die neue Riedbergstrecke nach Niederursel und weiter zum Nordwestzentrum und zum Niddapark. Dort sollen die Fahrgäste über die künftige S-Bahn-Station Ginnheim Anschluß an die S 6 zum Hauptbahnhof haben. Auch die U 41 soll im 15-Minuten-Takt fahren. Damit wäre der Riedberg mitsamt dem Campus im Siebeneinhalb-Minuten Takt an das U-Bahn-Netz angeschlossen.

          Neuen Stationen: „Am Forum“ und „Riedberg“

          Um das neue Konzept zu verwirklichen, ist zum einen nahe der Haltestelle Heddernheimer Landstraße der Bau eines Gleisdreiecks notwendig. Zum anderen muß eine oberirdische U-Bahn-Strecke über den Riedberg mit den neuen Stationen „Am Forum“ (Campus) und „Riedberg“ (Wohngebiet) gebaut werden. Diese sogenannte D-IV-Strecke war schon im alten D-Linien-Konzept eingeplant. Das Planfeststellungsverfahren ist eingeleitet, Sikorski zufolge wird es für die Linie im März grünes Licht geben. Notwendig werden außerdem sechs neue Brücken.

          Die beiden Erfinder des neuen Konzepts, Thomas Dorscheid von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und Bernd Wilde von der städtischen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, sind überzeugt davon, daß ihr Plan so beschaffen ist, daß es nicht zu Kapazitätsengpässen kommen wird. Er ist vom renommierten Münchner Verkehrsbüro Intraplan durchgerechnet und vom Institut für Eisenbahn- und Verkehrswesen der Universität Stuttgart geprüft worden. Auch das hessische Amt für Straßen- und Verkehrswesen sowie das hessische Verkehrsministerium sind in die Planungen einbezogen gewesen. In Wiesbaden, wo man ursprünglich skeptisch war, befürwortet man das Konzept.

          18 Millionen Euro Kosten für die Stadt

          Das Vorhaben erfüllt nach den Berechnungen von Intraplan die Kriterien für eine Förderung durch den Bund. Bei einer Nutzen-Kosten-Untersuchung erreichte das Projekt einen sogenannten NKU-Wert von 1,3, liegt also klar über der Schwelle von 1,0, oberhalb derer ein Zuschuß aus Mitteln des Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetzes erlaubt ist. Üblicherweise übernehmen bei solchen Bauvorhaben der Bund und das Land Hessen 70 Prozent der Kosten. Für die Stadt Frankfurt und ihre VGF verblieben damit bei einer Gesamtinvestition von 60 Millionen Euro Kosten von 18 Millionen.

          Das ursprüngliche Konzept mit einem U-Bahn-Tunnel zwischen Bockenheim und Ginnheim hätte mehr als 200 Millionen Euro gekostet. „Wir haben dem Steuerzahler viel Geld gespart“, so Stadtrat Sikorski. Auch bei der CDU ist man hoch erfreut. „Das ist ein Erfolg der schwarz-grünen Koalition“, sagte Helmut Heuser, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Römer. Man habe unter dem Strich ein „besseres Ende“ erreicht.

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