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Schienenverkehr : Belohnung trotz Unpünktlichkeit

Zum ersten Mal erhält die Deutsche Bahn AG vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) eine Bonus-Zahlung - trotz immer noch ungenügender Leistungen bei der Pünktlichkeit und der Fahrgastinformation.

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          Zum ersten Mal erhält die Deutsche Bahn AG vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) eine Bonus-Zahlung - trotz immer noch ungenügender Leistungen bei der Pünktlichkeit und der Fahrgastinformation. Denn die Bahn hat vor allem bei der Bewertung durch die Fahrgäste im S-Bahn-Verkehr und im Regionalverkehr so gute Noten bekommen, daß sie die gesetzten Qualitätskriterien für 2005 erfüllte.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dafür muß der RMV ihr eine Belohnung von 90.000 Euro zahlen. In den beiden Jahren zuvor hatte die Bahn AG dagegen noch erhebliche Strafen hinzunehmen: 2003 betrug ihre Malus-Zahlung wegen mangelhafter Leistungen 2,3 Millionen Euro, 2004 immerhin 750.000 Euro.

          Insgesamt schüttet der RMV für 2005 rund 600.000 Euro für Bonus-Zahlungen an seine Vertragspartner aus, wobei die private Vectus GmbH, die das Westerwald-Taunus-Netz betreibt, mit 215.000 Euro Bonus besonders gut abschnitt. Auch die Hessische Landesbahn erhält einen Bonus von 100.000 Euro. Mit dem vor einigen Jahren eingeführten Bonus-Malus-System will der RMV die Qualität im Personennahverkehr steigern.

          Pünktlichkeit, Sauberkeit und Sicherheit

          In seinen Verträgen mit den Verkehrsgesellschaften schreibt der RMV bestimmte Service-Kriterien wie Pünktlichkeit, Sauberkeit oder Sicherheit vor. Erfüllt der Partner diese nicht, muß er Strafe zahlen; schafft er die Vorgaben, erhält er eine Belohnung. Zum einen sind die Fahrgäste aufgefordert, die entsprechenden Leistungen zu bewerten. Zum anderen Teil werden objektive Kriterien wie Pünktlichkeit berücksichtigt. Selbstverständlich habe es einige Ausreißer gegeben, sagte RMV-Geschäftsführer Volker Sparmann: „Aber insgesamt war 2005 für die Qualität ein gutes Jahr.“

          Sorgenkind bleibt nach Angaben des RMV-Bestellmanagers Hartmut Achenbach die Deutsche Bahn AG. Obwohl sie sich bei der Pünktlichkeit verbessert habe, liege sie dabei weiterhin unter dem Toleranzwert. Schlechte Noten hätten die Fahrgäste der Bahn außerdem hinsichtlich der Fahrgastinformation erteilt. Wie ungenügend die Situation ist, zeigt sich bei der Beschallung der Stationen.

          Den meisten Haltestellen fehlt der Anschluß an das von Frankfurt oder Darmstadt aus gesteuerte Lautsprechersystem. Fällt ein Zug aus oder verspätet er sich, können die wartenden Fahrgäste auf den Bahnsteigen deshalb nicht informiert werden. Mangelhaft ist auch die Ausstattung mit sogenannten Fahrgastinformationsanlagen, also elektronischen Tafeln, die anzeigen, wann ein Zug kommt und wie hoch gegebenenfalls die Verspätung ist.

          Dispositionszug

          Um hier Abhilfe zu schaffen, engagiert sich der RMV mittlerweile mit eigenem Geld, obwohl die Ausstattung der Stationen eigentlich alleinige Sache der Bahn ist. Von den 2,3 Millionen Malus-Zahlungen, die der Verbund 2003 von der Bahn erhielt, steckte er 1,3 Millionen in die Verbesserung der Fahrgast-Information. Welch mühseliges Unterfangen dies ist, schilderte Achenbach am Beispiel des zentralen Ansageplatzes am Frankfurter Hauptbahnhof, von wo aus die Fahrgäste an den ohnehin wenigen angeschlossenen RMV-Stationen informiert werden. Aus Personalmangel habe die Bahn diesen Platz nicht rund um die Uhr besetzt.

          Auch mit der Pünktlichkeit ist Achenbach längst nicht zufrieden. Verbesserungen erhofft er sich durch den Einsatz neuer, schnellerer S-Bahnen sowie durch einen Dispositionszug am Frankfurter Hauptbahnhof, der bei großen Verspätungen eingesetzt werden soll; des weiteren durch eine geringfügige Verlängerung der Fahrzeiten und die Ertüchtigung des S-Bahn-Tunnels vom Hauptbahnhof zur Konstablerwache, durch den künftig stündlich 24 statt bisher 22 Züge in jede Richtung fahren sollen.

          Überall weniger Busse und Bahnen

          Alle Gemeinden und Kreise im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) müssen sich auf Einschränkungen beim Bus- und Bahnverkehr einrichten. Falls der Bund tatsächlich die sogenannten Regionalisierungsmittel kürze, werde man die dadurch notwendigen Ausdünnungen oder auch die Streichung von Strecken nach dem Partnerschaftsprinzip gleichmäßig auf alle RMV-Eigentümer verteilen, hat Geschäftsführer Volker Sparmann angekündigt.

          Das Land dürfe die Städte und Gemeinden allerdings finanziell nicht allein lassen, fügte Sparmann hinzu. 1999 habe Hessen für den Nahverkehr noch 55 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, im vergangenen Jahr aber nur noch 33 Millionen. Die finanzielle Entlastung des Landes sei allein durch Leistungssteigerungen und Rationalisierungen beim RMV möglich geworden. Das Solidaritätsprinzip verlange, daß auch Hessen einen Teil der Last schultere.

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