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Kommentar : Scheinproblem Zirkustiere

Angefaucht: Dompteur fordert seinen Löwen zum Kampf heraus – ein gefährliches und umstrittenes Spiel. Bild: Florian Manz

Anders als vor radikalen Tierschützern behauptet, gibt es kaum mehr Wildtiere im Zirkus. Affen, Bären und Giraffen sind faktisch nicht mehr zu sehen. Die wenigen Elefanten, die noch in Shows auftreten, verdienen ihr Gnadenbrot.

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          Dreimal hat der Bundesrat schon ein Verbot von Wildtieren im Zirkus durchzusetzen versucht, wobei Hessen zu den Initiatoren zählte. Dreimal hat die Bundesregierung eine entsprechende Rechtsverordnung abgelehnt. Nun befasst sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit dem Thema – und wurde sofort von radikalen Tierschützern attackiert, allein weil sie Zirkusdirektoren zum Gespräch geladen hatte.

          Dabei gibt es kaum mehr Wildtiere im Zirkus. Affen, Bären und Giraffen sind faktisch nicht mehr zu sehen. Die wenigen Elefanten, die noch in Shows auftreten, verdienen ihr Gnadenbrot. Bald ist das Kapitel abgeschlossen. Denn neue Tiere dürfen nicht mehr eingeführt werden.

          Nachzüchtungen

          Bleiben Tiger und Löwen. Die Raubkatzen, die man in Zoos und Zirkussen sieht, sind Nachzüchtungen, die in einer engen Beziehung mit Menschen aufgewachsen sind und nicht ausgewildert werden können. Der Vorwurf, Dompteure wie jetzt in Frankfurt Alexander Lacey beim Gastspiel des Zirkus Knie würden ihre Raubtiere quälen, ist absurd. Sie pflegen ein freundschaftliches Verhältnis zu ihren Großkatzen und arbeiten bei der Dressur mit Belohnung und nicht mit Zwang und Gewalt.

          Warum sollte man ihnen ihren exotischen Beruf verbieten, wenn sie ihre Tiere den Vorschriften entsprechend gut pflegen, füttern und unterbringen? Kontrollen sorgen in jeder Stadt, in die ein Zirkus kommt, dafür, dass die Richtlinien für die Haltung genau eingehalten werden. Haben die vielen Zuschauer nicht das Recht, Tiger und Löwen in ihrer Kraft und Schönheit nah zu erleben?

          Vor den Karren gespannt

          Die Tierschützer, die Kampagnen für ein Wildtierverbot führen, schlagen den Zirkus und meinen die gesamte Tierhaltung: die Rinder-, Schweine- und Schafzucht, die Milchwirtschaft und natürlich auch die Zoos und Wildparks. Tatsächlich handelt es sich bei den Aktivisten, die etwa jüngst in Frankfurt vor dem Zirkus Charles Knie demonstrierten, um Tierrechtler, deren Ziel eine vegane Gesellschaft ohne Tierhaltung und Fleischkonsum ist.

          Dass sich mittlerweile auch geerdete Christdemokraten und Sozialdemokraten vor den Karren solcher fundamentalistischer Gruppierungen spannen lassen, erstaunt sehr. Wenn die Politik etwas für den Tierschutz machen möchte, sollte sie genauer in die Mastanlagen für Schweine oder die Hühnerfarmen schauen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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