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Ausbau des Flughafens : Schallschutz schon vor dem Bau der neuen Landebahn

Fraport will „konstruktiv und kreativ” an den Vereinbarungen mitarbeiten Bild: ASSOCIATED PRESS

Nachtflüge sollen nur in „wenigen Ausnahmen“ zugelassen werden und die Belastungen des Umlands sollen begrenzt werden. Das sind die Ideen des Regionalen Dialogforums für einen „Anti-Lärm-Pakt“.

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          Die Belastungen des Umlands durch den Flughafen sollen über das Jahr 2020 hinaus begrenzt werden, Entlastungen aber schon vor Inbetriebnahme einer neuen Landebahn spürbar sein und Nachtflüge allenfalls in „wenigen Ausnahmen“ zugelassen werden: So lauten die wichtigsten Ziele des nun vorgestellten Konzepts für einen „Anti-Lärm-Pakt“. Der Vorsitzende des Regionalen Dialogforums, Johann-Dietrich Wörner, will bis zur nächsten Sitzung des Gremiums am 14. September den Entwurf einer verbindlichen Regelung ausarbeiten und darüber abstimmen lassen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Pakt könnte, je nachdem, wie groß die Zustimmung ausfällt, dann in den für Ende des Jahres avisierten Planfeststellungsbeschluss des hessischen Wirtschaftsministeriums über den vom Flughafenbetreiber Fraport AG beantragten Ausbau einfließen. Dessen stellvertretender Vorstandschef Stefan Schulte, selbst Mitglied des Forums, sagte abermals zu, Fraport werde „konstruktiv und kreativ“ an den Vereinbarungen mitarbeiten.

          Erste Verbesserungen womöglich von 2011 an

          Das Dialogforum, in dem alle Anrainerkommunen und die Luftverkehrswirtschaft vertreten sind, kann freilich nichts entscheiden. Verträge müssten daher von den Rathauschefs unterzeichnet werden, die wiederum zunächst die Zustimmung der Gemeindevertreter einzuholen hätten. Seit mehr als einem Jahr sucht eine Arbeitsgruppe des Dialogforums nach Möglichkeiten für einen solchen Kompromiss, der langwierige Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang zumindest teilweise entbehrlich machen könnte. Ende Juni hatte Wörner einstimmig vom Forum den Auftrag erhalten, ein Konzept für einen „Anti-Lärm-Pakt“ zu erarbeiten.

          Der frühere Präsident der TU Darmstadt hob bei der Präsentation in Darmstadt hervor, ein Klageverzicht werde von den Städten und Kreisen als Gegenleistung etwa für veränderte Start- und Landeverfahren in dem Pakt nicht verlangt. Dieses Ansinnen hatte zum Teil zu heftigen Reaktionen in den kommunalen Parlamenten und bei den Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau geführt. Wörner gab zu, die Bedeutung der Option, den Planfeststellungsbeschluss gerichtlich überprüfen zu lassen, unterschätzt zu haben. Es sei ihm nie darum gegangen, rechtsstaatliche Mittel auszuhebeln.

          Auch um Vertrauen zu bilden, sollen die Voraussetzungen für lärmreduzierte An- und Abflugverfahren – etwa durch einen sogenannten Steilstart – möglichst schnell geschaffen werden. Bis 2011, wenn nach den derzeitigen Planungen die neue Landebahn in Betrieb genommen wird, sind laut Wörner erste Verbesserungen zu erwarten.

          „Lärm-Index“ für die Region

          Nach den Vorstellungen einer Expertengruppe, die das Dialogforum berufen hat, soll ein „Lärm-Index“ für die Region eingeführt werden. An ihm ließe sich ablesen, wo welche Entlastung erzielt wird. Als Parameter wird neben dem bisher erhobenen Lärmpegel auch die Zahl der in den jeweiligen Regionen betroffenen Menschen einbezogen, um die Belastungen besser vergleichen zu können. Besonders stark betroffene Siedlungsgebiete wie in Raunheim oder Kelsterbach würden überproportional gewichtet, nächtliche Flüge mit einem besonders hohen Faktor berücksichtigt, heißt es in dem Konzept.

          Aller Voraussicht nach wird es am schwierigsten sein, eine Absprache zum Betrieb des Flughafens zwischen 23 und 5 Uhr zu treffen. Ein Flugverbot für diese sogenannte Mediationsnacht soll nach den Vorstellungen Wörners bestehen bleiben. Allerdings bezweifelt er, dass dies in der beantragten Absolutheit „gerichtsfest“ sei. Falls das Ministerium Starts und Landungen in dieser Zeit erlaube, müsse dies restriktiv gehandhabt werden. Die „wenigen Ausnahmen“ sollten zudem daran geknüpft werden, dass der Lärm gemindert worden sei.

          Die Menschen in der Region müssten sich nach einem Ausbau des Flughafens auf eine deutlich höhere Lärmbelastung einstellen, sagte Wörner. Er verwies auf die Prognose, die bis 2020 einen Anstieg der Flugbewegungen von derzeit rund 550.000 im Jahr auf 700.000 erwartet. Ziel des Pakts sei es deshalb zum einen, die damit verbundene Belastung als Obergrenze auch für die Zukunft festzuschreiben. Darüber hinaus müssten alle Beteiligten den Ehrgeiz haben, die Werte, wie sie derzeit vorhergesagt werden, möglichst weit zu unterschreiten.

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