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Krebstherapie per Ernährung : „Ich heile mich nun mit Kurkuma“

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Dialog: Regisseurin Sarah Mabrouk (rechts) stellte sich am Dienstag sowohl positiven als auch kritischen Fragen der Zuschauer. Links Moderatorin Antje Lang Bild: Marina Blecher

Im Film „The Food Cure – Hoffnung oder Hype“ werden sechs Krebskranke begleitet, die sich für eine unkonventionelle Therapie entschieden haben. Am Dienstag zeigten sich die Zuschauer bei einem Filmgespräch sichtlich fasziniert.

          Dienstag Abend im Frankfurter Naxos-Kino: Der Zugang zum Film-Saal wird pünktlich zu 19.30 Uhr geöffnet. Die Schlange ist lang, denn jeder will einen guten Platz bekommen. Sie alle wollen den Dokumentarfilm „The Food Cure – Hoffnung oder Hype“ sehen. Hinterher stellt sich Regisseurin Sarah Mabrouk den Fragen des Publikums. Einige Zuschauer kommen alleine. Das Publikum ist bunt gemischt – eine junge Frau mit Dreadlocks, eine ältere Frau mit sichtbarem Haarausfall und viele Menschen mit alternativem Kleidungsstil befinden sich darunter.

          Der Film handelt von der sogenannten Max-Gerson-Therapie. Jede Stunde ein Saft, mehrere Kaffee-Einläufe, kiloweise Obst und Gemüse – das gehört zu der Ernährung im Rahmen dieser umstrittenen Form von Behandlung.

          Zucker, Salz, Fisch, Fleisch und Milch tabu

          Krebspatienten erhoffen sich eine Heilung davon. Mabrouk hat für ihren Film sechs Patienten begleitet. Sie erzählen ehrlich davon wie viel Disziplin die Therapie erfordert. Zucker, Salz, Fisch, Fleisch und Milchprodukte sind für die Patienten tabu. Doch die Motivation ist groß, denn sie hoffen auf eine Heilung ihrer Krankheit.

          Mabrouk hat die Patienten sechs Jahre lang begleitet. Am Ende des Films wird deutlich, wer den Kampf gegen den Krebs gewonnen hat. Vier der sechs Patienten geht es gut, zwei sind dagegen gestorben.

          „Die absurdeste Therapie von allen“

          Bei dem anschließenden Filmgespräch führt Antje Lang durch das Gespräch. Gleich zu Beginn erzählt die Regisseurin, wieso sie sich diese Therapie als Thema ihres Films aussuchte. „Ich habe mich für die Gerson-Therapie entschieden, weil es für mich die absurdeste, lächerlichste von allen war“, erzählt sie. Fakten und Statistiken gab es dazu nicht, wie sie sagt. Sie suchte sich demnach Protagonisten aus und hoffte insgeheim, dass diese sich später doch für eine konventionelle Therapie entscheiden. Sie ist sehr schlagkräftig und findet schnell die richtigen Antworten – auch auf die kritischen Fragen. Man merkt, dass sie eine starke Meinung hat und der Gerson-Therapie kritisch gegenüber steht.

          Das Mikro wird herum gegeben und Gäste erzählen von ihren Gedanken. Die Stimmung ist gut, alle freuen sich darauf, mehr zu den Hintergründen des Films zu erfahren. Eine junge Filmemacherin möchte wissen, wie Sarah Mabrouk ihre Protagonisten gefunden hat. Die Zuschauer fragen, ob die Protagonisten durch ihre neue Ernährung Mangelerscheinungen bekommen und wie sich die Personen vorher ernährt haben.

          Ein leises Schluchzen

          Das Publikum wirkt fasziniert von der Dokumentation. Der Film habe sie zum Nachdenken anregt, bekennen mehrere Besucher. Schon während der Vorstellung ist deutlich geworden, dass das Thema vielen nahe geht. Manche machten sich Notizen, hier und da war ein leises Schluchzen vernehmbar, aber auch die Lacher kamen nicht zu kurz.

          Es wird deutlich, dass viele der Zuschauer offen für alternative Therapien sind und sich gerne mit dem Thema Ernährung beschäftigen. Sie haben viele Ideen und wünschen sich mehr Unterstützung von der Wissenschaft. Doch im Filmgespräch wird auch Kritik geäußert. „Was mir zu kurz gekommen ist, ist die Kraft der Selbstheilung“, sagt ein älterer Herr.

          Eine Frau mittleren Alters berührt so manchen mit ihrer Äußerung: „Ich bin selbst chronisch krank und man hat mir gesagt, dass ich nicht mehr lange zu leben habe. Diese Angst wird einem von den Ärzten beigebracht. Sie sagen, du hast keine Chance. Ich möchte mich bedanken, der Film hat mich sehr inspiriert. Ich heile mich nun mit Kurkuma.“

          Es scheint, als habe die Frau dazu ermutigt, sich dem Publikum zu öffnen. Ein anderer Mann erzählt von seiner Geschichte. „Ich habe selbst eine Form von Krebs und habe in Deutschland noch nichts von der Gerson-Therapie gehört.“ Er zeigt sich dankbar für die Literatur Tipps, die Mabrouk ihm gibt.

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