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Sanierung Niederräder Brücke : Nur noch per Umweg über den Main

Schlecht angebunden: Das lässige, im Sommer so beliebte „Orange Beach“ ist für Radfahrer nun schwieriger zu erreichen. Bild: Marcus Kaufhold

Der Steg der Niederräder Brücke in Frankfurt wird bis Mai 2021 saniert, der Weg über den Main bleibt dicht. Darunter leidet auch ein beliebter Kioskbetrieb.

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          Da ist kein Hinüberkommen. Der Zugang zur Niederräder Brücke ist gesperrt. Das macht die Passage über den Main im Westen der Stadt kompliziert. Spaziergängern, vor allem Radfahrern, aber auch Autofahrern bieten sich westlich der Friedensbrücke ohnehin nur wenige Möglichkeiten, den Fluss zu überqueren. Nun soll die zentrale Niederräder Mainbrücke voraussichtlich erst im Mai 2021 wieder für Fußgänger und Radfahrer zugänglich sein. So lange werden aufwendige Sanierungsarbeiten, die am 17. August beginnen sollen, dauern, teilt das Amt für Straßenbau und Erschließung mit.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Brücke führt an der Grenze zwischen Gutleutviertel und Griesheim über den Fluss, verbindet die nordmainischen Stadtteile mit Niederrad, der Bürostadt und Goldstein. Schon im April 2019 musste der Fuß- und Radsteg, der an die Bahnbrücke angesetzt ist, gesperrt werden. Bei einer Überprüfung waren Schäden entdeckt worden. Die Stahlkonstruktion des Stegs sei stark verrostet, lautete der Befund. Besonders gefährlich: Einige der Bodenplatten aus Beton zeigten Risse, in anderen seien Hohlräume festgestellt worden. Bei Belastung könnten die Platten brechen und Menschen von der Brücke stürzen. Der Steg neben den Gleisen ist seither geschlossen.

          Radfahrer müssen sich also je nach Fahrtziel genau überlegen, an welcher Stelle sie ersatzweise den Main queren können: Stromaufwärts kann die Main-Neckar-Brücke, ebenso eine Eisenbahnbrücke mit Fußsteg, genutzt werden. Stromabwärts bieten sich die Europabrücke an, über die die Autobahn 5 verläuft, oder die Griesheimer Schleuse, bei der ein Gittersteg über das wildschäumende Wasser führt. Westlich ist noch die Schwanheimer Brücke verfügbar, der Weg dorthin entlang des Industrieparks Griesheim ist aber wenig beliebt.

          „Wesentlicher Teil des Besucherstroms gekappt“

          Das ist alles nicht optimal, auch weil kilometerlange Umwege anfallen. Betroffen sind Ausflügler wie Berufstätige, die mit dem Fahrrad zur Arbeitsstelle pendeln. Aber auch Freizeitziele, wie das Niederräder Licht- und Luftbad, sind von Norden aus schwieriger zu erreichen, seit der Steg gesperrt ist. Und auch der am nördlichen Brückenkopf ansässige Kioskbetrieb „Orange Beach“ leidet unter der Situation: „Mit der Sperrung wurde ein wesentlichen Teil des Besucherstroms gekappt“, klagt Gastronom Olaf Grimm. Um rund ein Drittel sei die Zahl der Besucher zurückgegangen, weil sie Umwege auf sich nehmen müssen. Zuvor sei der „Orange Beach“ für Beschäftige aus Niederrad und der Bürostadt sowie für Gäste der dort ansässigen Hotels eine gut erreichbare Adresse gewesen, um die Fluss-Atmosphäre und einen Drink zu genießen.

          Seit 14 Jahren gibt es den originellen Treffpunkt. Wer am Ufer unterwegs ist, kann sich zu Speisen und Getränken an Biertischen, in Liegestühlen oder Strandkörben niederlassen. Täglich ab 13 Uhr ist geöffnet, auch jetzt wieder in der Corona-Zeit. Grimm hat dazu den Kiosk umgebaut, sein Angebot verkauft er aus einem Fenster heraus. Auftritte von Musikern, wie es sie früher regelmäßig gab, seien derzeit nicht möglich. Die Zahl der Sitzplätze wurde reduziert. Brückensperre und Corona, das sei eine lange Durststrecke für den „Orange Beach“, sagt Grimm. Derzeit könne er nur schauen, dass die Kosten gedeckt würden. Grimm kann nicht verstehen, dass die Brücke nicht schneller saniert werde.

          Michaela Kraft, die Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung, wendet ein, dass die Planung und Ausschreibung Zeit benötigt hätten. Die Instandsetzung des 2,60 Meter breiten und 235 Meter langen Fuß- und Radwegstegs sei eine aufwendige Sache. Vor dem Ausbau der alten Platten müsse unter dem Steg eine Arbeitsplattform eingebaut werden. Bei einigen Arbeiten über dem Fluss müssten auch Schifffahrtsrinnen gesperrt werden.

          Rund 1,9 Millionen Euro koste die Sanierung. Die Konstruktion werde verstärkt und der Belag durch Gitterroste mit rutschhemmender Beschichtung ersetzt. Kraft versichert, dass es während der Bauphase nicht wieder zu einer Situation wie im vergangenen Jahres kommen wird: Als damals die Schäden an der Brücke entdeckt wurden, lief gerade die Sanierung der benachbarten Rhein-Neckar-Brücke – für mehrere Monate waren gleich zwei Flussquerungen gesperrt.

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