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Sanierung des Frankfurter Doms : Auf Augenhöhe mit einem König

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Steinmetz Andreas Kreddig arbeitet am Südportal des Doms. Mit Hilfe eines Gerätes vermisst er ein Zierteil. Die Ergebnisse überträgt er dann auf den Stein, der unten links zu sehen ist, um ihn entsprechend dem Original zu gestalten. Bild: Dieter Rüchel

Seit gut neun Jahren wird der Domturm inzwischen saniert. Nun gehen die Arbeiten aber ihrem Ende entgegen. Am aufwendigsten ist die Sanierung am Südportal.

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          Wenn wieder einmal kleine Steine auf den Arbeitsplatz von Andreas Kreddig hinunterregnen, weiß er: Auch seine Kollegen weiter oben am Domturm sind fleißig. Und: Sie rücken immer näher. Unaufhaltsam arbeiten sie sich aus mehr als 30 Metern nach unten vor – bessern Schadstellen aus, bringen Schutzbleche an. In sechs Metern Höhe arbeitet der Steinmetz Kreddig am Südportal des Doms, dem in Richtung Main gelegenen Tor. Auch dort gibt es noch viel zu tun.

          Doch die Arbeiten am Turm, mit denen vor gut neun Jahren begonnen wurde, gehen dem Ende entgegen. Im Jahr 2000 war mit der Sanierung der Spitze begonnen worden, dann folgte von 2003 bis 2006 die des Mittelteils, und seit Oktober 2007 wird der Turmschaft renoviert. Wie Dombaumeister Robert Sommer sagt, soll Anfang September damit begonnen werden, das Gerüst abzubauen. Zum „Tag des offenen Denkmals“ am 13. September sollen Interessenten noch einmal Gelegenheit haben, einen Teil des Gerüsts zu besteigen, um zu sehen, was Andreas Kreddig und seine Kollegen geleistet haben.

          Bei der Restaurierung haben die Steinmetzen eine Zeitreise gemacht

          Nötig geworden sind die umfangreichen Arbeiten, nachdem Ende der neunziger Jahre Teile vom Turm abgebröckelt und heruntergefallen waren. Diese stammten aus einer Restaurierung während der siebziger Jahre, bei der nicht Naturstein, sondern ein Steinersatzmörtel verwendet worden war. Alle schadhaften Teile wurden nun durch Stücke aus echtem Sandstein ersetzt. Schadhafte Steine, die nicht ersetzt werden können, werden behutsam restauriert.

          Bei der Restaurierung des Turms haben die Steinmetzen – die je nach Bauabschnitt von unterschiedlichen Firmen stammen, die die Ausschreibung für sich entschieden haben – eine Zeitreise gemacht. Während sie weiter oben jene Abschnitte saniert haben, die nach dem Dombrand von 1867 rund zehn Jahre lang wiederaufgebaut beziehungsweise ergänzt wurden, sind sie derzeit an dem aus dem Mittelalter stammenden Abschnitt tätig. Unter Madern Gerthener war im Jahr 1415 mit dem Bau des Turms begonnen worden, auch das Südportal, an dem Andreas Kreddig arbeitet, stammt von ihm.

          „Die Arbeit an dem Portal ist bildhauerisch am aufwendigsten“

          Zu den Aufgaben des Steinmetzes gehört es, „Krabben“ genannte Zierteile auf dem Bogen des Portals zu ersetzen. Dazu nimmt er Maß an einem noch vorhandenen Zierteil: An diesem markiert er Punkte und überträgt sie mit Hilfe eines Gerätes auf den neuen, noch zu bearbeitenden Stein. Diese Punkte helfen ihm dann, den Stein mit dem Presslufthammer und verschiedenen Meißeln so zu formen, dass er dem Original entspricht. „Die Arbeit an dem Portal ist bildhauerisch am aufwendigsten“, sagt Walter Hartleitner, der im Auftrag der Stadt die Fachbauleitung hat.

          Manche Bauteile haben die Jahrhunderte seit ihrer Anfertigung gut überdauert – zum Beispiel Verzierungen hinter den riesigen alttestamentlichen Gestalten, die wiederum erst im 19. Jahrhundert geschaffen wurden und seither an ihrem Platz in etwa 26 Metern Höhe stehen. Manche, wie Moses oder Abraham, lassen sich leicht identifizieren. Bei anderen ist das schwerer, etwa bei der Königsfigur mit dem Kelch in der einen und dem Brot in der anderen Hand. Vielleicht handelt es sich bei ihm um Melchisedek. „Es gibt noch keine aussagekräftige Arbeit über diese Figuren“, sagt Robert Sommer.

          Die Sanierung des Domturms kostet die Stadt rund 8,5 Millionen Euro

          Dort, wo sie stehen, sind die Arbeiten nahezu abgeschlossen. An den Stellen, an denen in den siebziger Jahren Steinersatzmörtel eingesetzt wurde oder der Stein zu brüchig geworden ist, befindet sich nun neuer Sandstein. Aber noch müssen Fugen ausgefüllt, Schutzbleche und Vorrichtungen für Tauben- und Blitzschutz angebracht sowie die Turm mit einem Lasuranstrich versehen werden. Insgesamt mussten die Arbeiter allein im dritten Bauabschnitt 700 Zierteile ersetzen.

          Eine weitere Baustelle gibt es im Inneren des Turms, in etwa 30 Metern Höhe: Arbeiter bringen auf dem Glockenstuhl der fast zwölf Tonnen schweren „Gloriosa“ eine Korrosionsschutzfarbe auf. Rund 60 Jahre ist es her, dass dies das letzte Mal getan wurde. Die Glocke ist mit Plastik eingehüllt, ihr Klöppel mit Tüchern. „Der Glockenstuhl selbst ist in einem hervorragenden Zustand“, sagt Sommer.

          Für die Sanierung des Domturms muss die Stadt rund 8,5 Millionen Euro ausgeben. Das Gotteshaus gehört nicht der katholischen Kirche, sondern der Kommune, und deshalb ist sie für den Bauunterhalt zuständig – Dombaumeister Sommer ist Mitarbeiter im städtischen Hochbauamt. Ist der Turm erst saniert, steht die Renovierung des Daches an. An einigen Stellen ist es statt mit Schiefer nur mit Provisorien gedeckt. Es sieht so aus, als würde Robert Sommer die Arbeit am Dom nicht so schnell ausgehen.

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