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Neugestaltung der Paulskirche : „Demokratie à la Frankfurt“

Aus der Dunkelheit ins Licht: Die Paulskirche soll saniert und um ein „Haus der Demokratie“ ergänzt werden. Bild: Lucas Bäuml

Welche „Aura“ soll künftig durch die Paulskirche wehen? Und wer betreibt das nebenan geplante Haus der Demokratie? Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann nimmt Stellung.

          5 Min.

          Vor einem Jahr haben die Stadtverordneten beschlossen, dass die Paulskirche im Bild der Nachkriegszeit saniert wird. Von einer „historisierenden Sanierung“ sei abzusehen, heißt es in dem Beschluss. Historische Rekonstruktionen könnten zwar identitätsstiftend wirken. Gleichwohl erscheine es bei der Sanierung der Paulskirche aus geschichtlichen, baulichen und ideellen Gründen angezeigt, ihre äußere und innere Gestalt zu respektieren, denn die Kirche stehe nicht nur für die Deutsche Nationalversammlung von 1848, sondern sei auch ein Symbol für den demokratischen Neubeginn nach dem Nationalsozialismus. Nun forderte Kulturstaatsministerin Monika Grütters in einem Gastbeitrag für die F.A.Z., dass die „Aura des authentischen Ortes“ wiederhergestellt wird, und bietet im gleichen Atemzug an, eine Bundesstiftung in Frankfurt zu installieren, die sich um Erinnerungsorte der Demokratiegeschichte kümmert.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Grütters' Angebot lässt sich so verstehen, dass diese Stiftung auch das neben der Paulskirche geplante „Haus der Demokratie“ betreiben soll. Sie beansprucht zudem, dass das gesamte Projekt unter Federführung des Bundes vorangetrieben wird. Der Bund beteiligt sich zwar an den Sanierungskosten, allerdings gehört die Kirche der Stadt.

          Für die Sanierung wurde eine Stabsstelle im Baudezernat von Jan Schneider (CDU) angesiedelt. Wie der Oberbürgermeister will auch Schneider am beschlossenen Weg festhalten, das demokratisch legitimierte Verfahren sei für ihn verbindlich. „Bei aller Freude über das Engagement von Bund und Land habe ich die Sorge, dass uns das Heft des Handelns aus der Hand genommen wird“, sagt er. Um Verzögerungen zu vermeiden, will Schneider die Sanierung der Kirche von der Debatte um Form und Inhalt des „Hauses der Demokratie“ trennen. Würden die Arbeiten heute ausgeschrieben, könne die Sanierung der Kirche wegen der Vergabefristen frühestens Anfang 2024 beginnen, also ein Jahr nach der Feier zum 175. Jahrestag der Paulskirchenversammlung. Auch Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) lobt höflich die Berliner Initiative, hält aber am Plan der Stadt fest: Er begrüße es, dass sich der Bund aktiv in die Ausgestaltung der Überlegungen zur Zukunft der Paulskirche einbringe. „Neben dem von der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung bereits beschlossenen Rahmen zur Renovierung der Paulskirche in der Erscheinungsform des Wiederaufbaus von 1948 ist die beabsichtigte Schaffung eines Hauses der Demokratie gerade in der heutigen Zeit des Auseinanderdriftens unserer Gesellschaft ein wichtiger Schritt.“ So könne aus der Wiege der deutschen Demokratie gleichzeitig auch ein Jungbrunnen für die Demokratie in Deutschland werden.

          Kulturstaatsministerin Grütters hat in einem Beitrag in der F.A.Z. vorgeschlagen, eine Bundesstiftung zu gründen und in Frankfurt anzusiedeln, die sich um Orte der Demokratiegeschichte kümmern soll. Herr Oberbürgermeister, ist das ein Angebot, das neben der Paulskirche geplante „Haus der Demokratie“ zu betreiben?

          Es ist ein ganz klares Signal dafür, dass sich der Bund in dieser Frage nicht nur finanziell, sondern auch inhaltlich einbringen will. Das ist doppelt spannend, weil wir nicht nur Mittel für die Sanierung der Paulskirche und das Haus der Demokratie brauchen, sondern auch Frankfurt als Zentrum für die Entstehung der deutschen Demokratie betrachten.

          Soll die Bundesstiftung das Haus der Demokratie betreiben? Die Römer-Koalition hat ja gefordert, dafür eine Stiftung zu gründen. Kann man als Stadt das Angebot von Frau Grütters nicht dankend annehmen?

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