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Saalbau Frankfurt : Bridge, Meerschweinchen-Shows und Tanztee

Alles außer Breakdance: Die Kapelle spielt, die Sohlen fliegen. Im Vordergrund wirbeln die Knolls, rechts außen das Ehepaar Walker. Bild: Wolfgang Eilmes

In den 25 Bürgerhäusern der Saalbau treffen sich Vereinsmeier, Junggebliebene und ganz normale Frankfurter.

          4 Min.

          Bridge stiftet Freundschaften und Feindschaften. Im Saalbau Bockenheim erzählt man sich einen Witz von einem Ehepaar, das zu viel zusammen gespielt hat. Es ist einer der Gattung „Kommt ein Mann zum Arzt“. Die blauen Flecken am Schienbein lassen den Doktor einen Sturz vermuten. „Nein. Ich spiele Bridge mit meiner Frau“, klagt der Patient.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erika Bressau und Rodica Kula harmonieren wort- und wahrscheinlich auch trittlos. Sie sitzen sich schweigsam an einem Tisch am Fenster gegenüber, abgesehen von einsilbigen Kommandos wie „Cœur“ und „Treff“. Bei einem Bridge-Turnier herrscht strenges Redeverbot. Wenn einer quatscht, ruft ihn der Turnierleiter zur Ordnung. Kein Laut soll die Konzentration stören. Nur nach der Runde füllt eine knappe Minute lang Gemurmel den Raum, bis die Karten wieder ausgeteilt sind.

          Das Paarturnier ist ihr heilig

          „Siehst du, so was habe ich gerochen“, sagt Rodica Kula nach einem Spiel. „Mehr als zehn Punkte kann ich auch nicht sagen“, antwortet Erika Bressau pikiert. Seit 15 Jahren spielt sie regelmäßig, seither prägt Bridge – „das ideale Spiel für Alleinstehende und Witwen“ – ihr Leben. Bridge-Reisen, Bridge-Turniere, Bridge-Kaffeekränzchen. Sie hat sich über ihre Leidenschaft zum Kartenspiel einen Freundeskreis aufgebaut, man fährt gemeinsam in den Urlaub. „Jeder reißt sich um sie, weil sie so gut spielt“, beschreibt Frau Kula ihre Spielpartnerin.

          Das Paarturnier des Turnier-BridgeClubs 1958 am Freitagnachmittag im Saalbau Bockenheim ist Frau Bressau heilig. In anderen Städten gingen Clubs daran zugrunde, dass ihnen die Räume fehlten, sagt sie. Das Angebot der Saalbau sei daher gar nicht hoch genug einzuschätzen. Bridge, die Königin unter den Kartenspielen, wird in Bockenheim seinem Ruf gerecht. Gepflegte ältere Damen mit geraden Rücken und wachem Geist nehmen an den Tischen Platz. „Es ist nicht nur ein Spiel für alte Damen, die Gin trinken. Aber es gibt eine gewisse Etikette“, sagt Turnier-Organisatorin Katharina Jumpertz.

          Training für das Gehirn

          Auf andere Kartenspiele blickt die Runde lächelt herab. „Rommé? Pfff. Das spiele ich mit meinen Enkeln“, sagt eine Frau im orangefarbenen Pullover. Nur wenige Männer mischen sich unter die Damengesellschaft. Stewart Reddell in seinem Tweed-Jacket mit Einstecktuch ist ein lebendes Klischee. „In England habe ich vor 40 Jahren mit Whist begonnen. Bridge ist ähnlich und ein interessantes, sehr geselliges Hobby“, sagt er mit ungekünsteltem Oxford-Akzent.

          Während es draußen langsam zu dämmern beginnt, kommt Trudi Klaus aus Sachsenhausen ins Erzählen. Sie hat erst nach der Pensionierung angefangen, Bridge zu lernen, um ihr Gehirn zu trainieren. Es dauere Jahre, bis man es in dem Spiel zur Perfektion gebracht habe. „Es lenkt wunderbar ab. Wenn sie Wehwehchen haben oder ein Tief – beim Bridge vergisst man das“, sagt sie und mischt die Karten.

          Fastnacht, Fastnacht, Fastnacht

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