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Frankfurter S-Bahn : Rückgrat des Nahverkehrs in Rhein-Main

40 Jahre S-Bahn: Ohne das Verkehrsmittel wäre Frankfurt keine Region geworden. Bild: Ly, Martin

Die S-Bahn in Frankfurt wird 40. Die anfängliche Kritik, dass das Netz zu überdimensioniert sei, ist längst verstummt. Dafür sind nun ganz andere Probleme aktueller denn je.

          Als vor 40 Jahren, am 28. Mai 1978, die erste S-Bahn von der Galluswarte über den Hauptbahnhof zur Hauptwache rollte, hat sich wohl niemand vorstellen können, dass dieses neue Verkehrssystem einmal eine halbe Million Fahrgäste am Tag befördern würde. Längst ist die Kritik verstummt, die Investitionen in die S-Bahn lägen zu hoch, das Netz sei überdimensioniert, und überhaupt solle man mit dem Geld lieber die Frankfurter U-Bahn ausbauen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am vergangenen Montag, bei der Feier zum 40. Geburtstag der S-Bahn am Gleis 21 des Frankfurter Hauptbahnhofs, waren sich alle einig, dass die Entscheidung für den Bau eines S-Bahn-Netzes richtig gewesen sei und ohne die S-Bahn das Rhein-Main-Gebiet keine Region geworden wäre – geschweige denn, dass es heute als Einheit bestehen könne. S-Bahn-Chef Christian Roth bezeichnete seine Züge denn auch als das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in der Region.

          S-Bahn-Tunnel wird zum Nadelöhr

          Wie kompliziert bis absurd die Verhältnisse in den Zeiten vor der S-Bahn waren, hat Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) als Schüler noch selbst erlebt. Wenn er von seiner Heimatstadt Offenbach nach Frankfurt in die Schule wollte, musste er eine Fahrkarte für Offenbach und eine für Frankfurt kaufen und mehrfach umsteigen. Heute kauft er eine RMV-Fahrkarte und nimmt die S1. Die Region täte gut daran, die S-Bahn weiter auszubauen, und zwar möglichst im Tempo der ersten Jahre, sagte der Minister: „Wir müssen den Druck hoch halten.“

          Als vor 40 Jahren mit der Schaffung des S-Bahn-Netzes begonnen wurde, bestimmte ein Leitgedanke die Planung: Die S-Bahnen sollten in das Zentrum von Frankfurt fahren. Dafür wurde der S-Bahn-Tunnel unter der City gebaut, der zur Zeit ein elektronisches Stellwerk bekommt und deshalb von diesem Donnerstag an bis Sonntag und dann noch einmal in den Sommerferien gesperrt werden wird. Doch die Fokussierung auf die Frankfurter Innenstadt ist, wie Jörg Sandvoß, der Vorstandsvorsitzende DB Regio, es ausdrückte, „vom Segen zum Fluch geworden“.

          Die Feiernden äußerten viele Wünsche für die Zukunft der S-Bahn.

          Denn der Frankfurter S-Bahn-Tunnel entwickelte sich zum Nadelöhr: Acht der neun S-Bahn-Linien führen durch diese Röhre unter der Stadt, deren Kapazitäten mittlerweile ausgereizt sind. Das gilt im übrigen auch für andere S-Bahn-Abschnitte. Man sei in den Hauptverkehrszeiten „am Anschlag“, sagte Knut Ringat, der Chef des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), in dessen Auftrag die Bahn die S-Bahn betreibt. In anderen Worten: Die Pendler sitzen oder stehen oft in gestopft vollen Zügen.

          Die Schienen-Infrastruktur solle ausgebaut werden

          Deshalb hat Ringat auf der Geburtstagsfeier auch einige Wünsche geäußert. Einer der wichtigsten lautete: Die Schienen-Infrastruktur solle ausgebaut und die S-Bahn mehr eigene Gleise erhalten, auf dass sie nicht mehr den Fernzügen die Vorfahrt geben und deshalb immer wieder an bestimmten Stellen warten müsse. Weiterhin wünschte sich Ringat eine moderne, möglichst bald digitale Stellwerktechnik und mehr Signale. Auf seiner Wunschliste stand ferner der schnelle Bau der Regionaltangente West, die zwar keine S-Bahn ist, aber das S-Bahn-Netz dadurch entlastet, dass der Verkehr an der Frankfurter Innenstadt vorbeigeführt wird und den Knoten nicht mehr verstopft. Für Ringat ist es denn auch konsequent, nach der Regionaltangente West eine Tangente Süd und Ost in Angriff zu nehmen.

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          Ringats allergrößter Wunsch heißt: mehr Pünktlichkeit. Früher habe man in Deutschland gesagt: „pünktlich wie die Eisenbahn“. Das gelte leider nicht mehr, vor allem nicht für die S-Bahn. Tatsächlich lag die Pünktlichkeitsrate im vergangenen Jahr bei 92 Prozent, wobei ein Zug schon als pünktlich gilt, wenn er nicht mehr als fünf Minuten zu spät sein Ziel erreicht.

          Wünsche durfte am Geburtstag der S-Bahn auch der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) äußern. Er sähe es gern, wenn das im Bau befindliche Terminal 3 des Flughafens wie 1980 das Terminal 1 einen S-Bahn-Anschluss bekäme. Damals habe der Flughafen diese S-Bahn-Anbindung aus eigener Kasse bezahlt, sagte der Stadtrat. Dasselbe wünsche er sich jetzt von Fraport für einen S-Bahnhof im neuen Terminal.

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