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Ryanair-Kommentar : Geschäftsmodell Provokation

  • -Aktualisiert am

Landet öfter zu spät in Frankfurt: Ryanair Bild: Reuters

Ryanair nimmt es mit einigen Regeln nicht so ernst, wenn sie seine Geschäfte stören. Bleibt die Fluglinie auf Krawall gebürstet, kann es am Frankfurter Flughafen ungemütlich werden.

          Skeptiker sehen sich bestätigt. Mit Ryanair hole sich der Frankfurter Flughafen einen Störenfried ins Haus, hieß es vor einem Jahr. Tatsächlich scheinen sich die Unkenrufe zu bewahrheiten: Der irische Billigflieger nimmt es mit einigen Regeln offenbar nicht so ernst, wenn sie seine Geschäfte stören.

          Inzwischen muss der hessische Verkehrsminister Al-Wazir das Verhalten des Branchenprimus als Provokation empfinden. Es im Guten zu versuchen, in Gesprächen auf die Bedeutung des Nachtflugverbots in Frankfurt hinzuweisen, hat offenbar wenig gefruchtet. Nun, da im lukrativen Sommer-Reiseverkehr der Laden zu brummen beginnt, ist die Zahl der Verspätungen wieder sprunghaft in die Höhe geschnellt. Es steht sogar zu befürchten, dass Ryanair es darauf ankommen lassen und abwarten will, ob und welche Strafen ausgesprochen werden.

          „Wir haben doch nichts falsch gemacht“

          Womöglich ist Unternehmenschef Michael O’Leary, der sich gerne als Rebell stilisiert, nicht bewusst, wie blank im Umfeld des Frankfurter Flughafens immer noch die Nerven liegen, wenn die so mühsam erkämpfte sechsstündige Betriebsruhe verletzt wird. Klug ist die zur Schau getragene Haltung nach dem Motto „Wir haben doch nichts falsch gemacht“ jedenfalls nicht.

          Auf Dauer darf die Strategie, erst einmal auszutesten, wie weit man gehen kann, nicht erfolgreich sein. Dazu ist der Frieden, den die Region allmählich mit dem Ausbau des Flughafens macht, zu fragil.

          Auch der Flughafenbetreiber muss sich überlegen, wie er auf das Verhalten seines neuen Kunden, dem man viele Türen geöffnet hat, reagiert. Selbst wenn rein rechtlich gesehen die Fraport AG keine Handhabe hat (die Luftaufsicht liegt beim Land, die Landerechte vergibt der Bund), so muss ihr doch daran gelegen sein, dass die Iren die Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses einhalten.

          Denn mit dem Entschluss, sich dem Segment der Low-Cost-Carrier zu öffnen und damit wieder zuletzt fehlendes Wachstum zu generieren, ist Fraport ins Risiko gegangen. Das dritte Terminal, für das immer noch keine Baugenehmigung vorliegt, soll in seiner ersten Phase auf dieses Geschäft zugeschnitten werden. Ryanair wird dann der Platzhirsch sein. Bleibt er auf Krawall gebürstet, kann es ungemütlich werden.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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