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„Rotationseuropäer“ : Immer mehr Wohnungseinbrüche durch Kinderbanden

Kleine Einbrecher passen auch durch kleine Öffnungen Bild: Daniel Pilar

Wenn im Frühjahr nächsten Jahres die Frankfurter Polizeistatistik für 2009 vorgelegt wird, dürfte die Zahl der Wohnungseinbrüche erstmals seit fünf Jahren wieder gestiegen sein. Die Täter sind professionelle Kinderbanden und „Rotationseuropäer“.

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          Wenn im Frühjahr nächsten Jahres die Frankfurter Polizeistatistik für 2009 vorgelegt wird, dürfte die Zahl der Wohnungseinbrüche zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder gestiegen sein. Zwar nicht auf das Niveau von 2004, als mit fast 3000 Einbruchsfällen in Frankfurt ein Höhepunkt erreicht wurde – aber es werden doch mehr als jene 1340 Fälle sein, die die Ermittler 2008 zählten.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Grund für diese Entwicklung ist eine anhaltende Serie, mit der die Frankfurter Polizei fast das ganze Jahr über beschäftigt war – vor allem aber in den Sommerferien. Dabei wurden besonders viele Wohnungen von Kinderbanden aufgebrochen, deren Mitglieder nach Erkenntnissen der Polizei aus dem Kreis der „Rotationseuropäer“ stammen, also aus Sinti- und Roma-Familien, die aus Straßburg in die Rhein-Main-Region gebracht werden. Bei den Taten werden innerhalb von wenigen Minuten Wohnungstüren aufgebrochen und Schlafzimmer und Küchen nach Geld und Schmuck durchsucht. Dann flüchten die Täter, noch bevor die Einbrüche überhaupt entdeckt werden.

          Banden nur schwer zu fassen

          Festnahmen hat es bisher nur wenige gegeben. Diese Banden seien wegen ihrer Mobilität nur schwer zu fassen, sagt Kriminalhauptkommissar Eberhard Weber, der im Frankfurter Polizeipräsidium die Ermittlungsgruppe Wohnungseinbrüche leitet. Am 18. Oktober hätten die Fahnder zwar zwei Jungen festgenommen, die in Sachsenhausen auf Beutetour waren. Solche Erfolge seien bei den professionell organisierten Gruppen aber eher die Ausnahme: „Die Täter kommen aus dem Nichts und sind auch schnell wieder fort.“

          Vor allem aber hat die Festnahme der beiden Jungen im Oktober gezeigt, dass sich die Tätergruppen aus Straßburg längst nicht mehr nur auf die Sommerferien als Hautpteinbruchszeit beschränken. Sie sind vielmehr auch verstärkt in der sogenannten dunklen Jahreszeit aktiv – und teilen sich das Feld dabei mit Banden aus Chile, die in der Vergangenheit immer für das Gros der Wohnungseinbrüche im Winter verantwortlich waren.

          Banden osteuropäischer Herkunft

          Das Phänomen der Kinderbanden, deren Mitglieder meist aus Familien kommen, die ursprünglich aus Osteuropa stammen, beobachtet auch das hessischen Landeskriminalamt (LKA) mit Interesse. Die Behörde spricht von „koordiniert eingesetzten“ Kindern, die in kleineren Gruppen mit der Bahn reisen oder von ihren Auftraggebern mit dem Auto ins Rhein-Main-Gebiet gebracht werden. „Diese Kinder verursachen regelmäßig große Fallzahlen“, sagt ein LKA-Sprecher. „Denn sie werden von den Auftraggebern sanktioniert, wenn sie nicht ausreichend Diebesgut mitbringen.“

          Dass vor allem Kinder und Jugendliche geschickt werden, um in Häuser und Wohnungen einzubrechen, erschwert nicht zuletzt die Suche nach Zeugen. Fremde Kinder im Treppenhaus seien nie so verdächtig wie fremde Erwachsene, meint der Frankfurter Hauptkommissar Weber. Früher seien die Mitglieder dieser Banden noch durch ihre Kleidung aufgefallen, aber das sei heute nicht mehr der Fall: Vor allem die jungen Frauen, die den Gruppen angehörten, seien durchaus modisch gekleidet – „da schöpft niemand mehr Verdacht.“

          Kameras, Geld und Schmuck begehrt

          Gestohlen wird aus den Wohnungen vorwiegend Geld und Schmuck, manchmal auch Digitalkameras oder MP3-Spieler – alles, was in eine Tasche passt. Was mit dem Diebesgut anschließend geschieht, entzieht sich der Kenntnis der Polizei. Die Gruppen hätten ihren eigenen „Verwerterkreis“, meint Weber. Vermutlich werde die Ware zu Geld gemacht.

          Der Hauptkommissar hofft während der Einbruchssaison, die erfahrungsgemäß bis März dauert, auf einige Festnahmen. Die größten Chancen hätten die Beamten, wenn sie von Zeugen einen Hinweis bekämen, „und der beste Zeuge ist in der Regel der Nachbar.“ Niemand solle sich scheuen, die Polizei zu rufen, wenn Verdächtiges oder Ungewöhnliches beobachtet werde. „Nicht selten ist das genau der entscheidende Hinweis.“

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