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Römer-Galerie : Drei Jahrzehnte schlummerte Öl-Rudi im Archiv

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Rudi Arndt in Öl. In der Version der Malerin Isolde Redmann nicht Dynamit-Rudi, sondern Dynamo-Rudi. Ein tatkräftiger Oberbürgermeister, in Saft und Kraft, doch in diesem Moment in sich ruhend, entspannt vor feurigem Hintergrund.

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          Rudi Arndt in Öl. In der Version der Malerin Isolde Redmann nicht Dynamit-Rudi, sondern Dynamo-Rudi. Ein tatkräftiger Oberbürgermeister, in Saft und Kraft, doch in diesem Moment in sich ruhend, entspannt vor feurigem Hintergrund. Wie die Weimarer Künstlerin damals, vor drei Jahrzehnten, Arndt dazu überreden konnte, ihr Modell zu stehen, ist weiterhin ihr Geheimnis. Jedenfalls fand das Stadtoberhaupt sich zu Sitzungen in Redmanns Atelier an der Holbeinstraße ein, an die zehnmal. "Die Termine bestimmt Frau Ziebner, meine Sekretärin", gab Arndt herbeigeeilten Reportern zu Protokoll.

          Und dann war das Bild eines Tages fertig - aber nirgends zu bewundern. Arndt in Öl fand Asyl im Historischen Museum, dort harrte das Porträt darauf, eines Tages die Galerie der Frankfurter Oberbürgermeister in der Wandelhalle des Römer zu vervollständigen. Freilich ist diese Galerie eine Galerie der Toten - nur das Abbild dessen, der das Zeitliche gesegnet hat, wird dort aufgehängt. Eine Frankfurter Tradition, eine "gute Frankfurter Tradition", wie das derzeit regierende Stadtoberhaupt Petra Roth meint. Ihr fällt die Ehre zu, Rudi Arndt in Öl zu enthüllen - am nächsten Dienstag, bevor Roth in einer weiteren Amtshandlung die Walter-Möller-Medaille überreicht. In ihren Augen hat ein gemaltes Bild, ein Ölbild, Vorzüge vor einer Fotografie: es ist würdiger, gewichtiger, jedenfalls einer so traditionsstolzen Stadt wie Frankfurt angemessen.

          Und in der Tat. Hat nicht jedes noch so unbedeutende Nebenlinien-Geschlecht der untersten Ritterfamilie seine Ahnen in Öl abbilden lassen? Was den Adeligen recht war, sollte auch der Bürgerstadt Frankfurt teuer sein. Dachten die Herren des Magistrats - Damen waren damals noch nicht so gefragt - im Jahre 1971 und gaben ein Porträt des 1970 nach sechsjähriger Amtszeit gestorbenen Willi Brundert in Auftrag. Die beauftragte Darmstädter Künstlerin Ricarda Jacobi konnte ihr Bild des Oberbürgermeisters nur nach vorliegenden Fotografien gestalten - was ihr bemerkenswert gut gelungen ist. Auf die Malerin Jacobi war der Magistrat deshalb gekommen, weil sie zur allgemeinen Zufriedenheit schon Brunderts Vorgänger, Werner Bockelmann, auf Leinwand verewigt hatte. Allerdings wiederum nur nach Fotovorlage.

          Weshalb der Mann im Magistrat, der von Amts wegen mit Gemälden und Malern zu tun hatte, Kulturdezernent Hilmar Hoffmann, nach dem Tod von Brundert endlich zur Tat schritt. Zur Tat schreiten wollte, muß man sagen. Er machte den amtlichen Vorschlag, jeder Frankfurter Oberbürgermeister möge in seinem ersten Amtsjahr einem Maler Modell sitzen oder stehen, auf daß nach seinem Tode ein möglichst authentisches und gelungenes Ölbild für die Galerie in der Römer-Wandelhalle zur Verfügung stehe. Doch schon der erste Mann in der Öl-Pflicht, Oberbürgermeister Walter Möller, Hoffmanns Chef, drückte sich vor den Maler-Sitzungen. Es sei zwar reizvoll, "künftig sterbende Oberbürgermeister im Archiv einzulagern", aber daß dies auch sinnvoll sei, bezweifle er. Und außerdem, fügte er in seiner Absage hinzu, sei in der Wandelhalle gar kein Platz mehr für sein Porträt. Überdies wolle er den "bescheidenen Kulturetat" von den Kosten für einen Porträtmaler befreien. Wenn Möller gewußt hätte, welche Höhen der Kulturetat bald darauf erreichen sollte, er hätte sich dieses Argument wohl zweimal überlegt. Aber das ist ein anderes Thema.

          Auf jeden Fall hatte die Stadt Frankfurt im Falle von Arndt das Geld für eine Porträtkünstlerin und darüber hinaus ein sitzungswilliges Stadtoberhaupt. Auch Arndts Nachfolger Walter Wallmann hat sich porträtieren lassen, und zwar von Erich Dittmann, der viele Jahre für diese Zeitung die "Frankfurter Gesichter" gezeichnet hat - weshalb Wallmann auf dem Bild eine F.A.Z. in den Händen hält. Doch dies wird das Publikum erst bemerken, wenn Wallmanns Porträt in der Galerie hängt - was noch lange dauern möge. Im Archiv steht auch schon ein Bild von Wallmanns Nachfolger Wolfram Brück, das der Kölner Künstler Toni May gefertigt hat.

          Fehlen Volker Hauff, Andreas von Schoeler und Petra Roth. Hoffmann habe mit seinem Vorschlag, ein Oberbürgermeister möge sich im ersten Amtsjahr malen lassen, gewiß recht gehabt, meint Roth. Doch wer wolle sich schon gerne fürs Nachleben porträtieren lassen, vor allem, wenn man noch so viel vorhabe wie sie. Und so ähnlich werden wohl auch Hauff und Schoeler denken - weshalb eines möglichst fernen Tages ein Maler alte Fotos von Frankfurter Oberbürgermeistern studieren muß, um ein gelungenes Porträt für die Oberbürgermeister-Galerie zustande zu bringen.

          Roth kann sich immerhin zugutehalten, während ihrer Amtszeit endlich bildliche Ordnung in die Wandelhalle im Rathaus gebracht zu haben. Bisher hingen die Herren Stadtoberhäupter wie Kraut und Rüben durcheinander: Ludwig Landmann, der von 1924 bis 1933 amtiert hat, neben Johannes Franz von Miquel, der von 1880 bis 1890 Oberbürgermeister war. Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein, Stadtoberhaupt von 1868 bis 1880, neben Georg Voigt, der von 1912 bis 1924 an der Spitze stand. Sie alle hat Petra Roth jetzt in eine chronologisch richtige Reihenfolge bringen lassen. Und Walter Möller hat dazu noch einen neuen Rahmen bekommen, einen in der Art, wie er auch Rudi Arndt umgibt.

          Von Dienstag an genügt die Frankfurter Oberbürgermeister-Galerie also allen ordnungspolitischen Ansprüchen. Zumindest fast allen. Denn der Nazi-Oberbürgermeister Friedrich Krebs ist, wiewohl man seine Amtszeit nicht ungeschehen machen kann, in der Galerie nicht gelitten. Aber er hat bisher auch niemandem so richtig gefehlt. HANS RIEBSAMEN

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