https://www.faz.net/-gzg-pzm0

Römer-CDU : Heumann Favorit für Fraktionsvorsitz

  • Aktualisiert am

Jochem Heumann soll nach der Kommunalwahl 2006 Nachfolger von Uwe Becker als Fraktionschef werden. Das hätten die Spitzen der Partei - und das heißt in der CDU: Vertreter des Arbeitnehmer- und des Mittelstandsflügels - schon verabredet.

          2 Min.

          Im Planungsausschuß der Stadtverordnetenversammlung geht es oft hoch her. Manchmal witzig-polemisch, meist gestanzt-langweilig tragen die Parteienvertreter ihre Meinungskämpfe aus. Auf der Sitzung am Montag abend kam es zu einer Szene mit Seltenheitswert, die alle Zuhörer im Saal aufmerken ließ: Zwei Stadtverordnete der CDU gingen sich mit scharfen Worten gegenseitig an. Vordergründig ging es um eine Auseinandersetzung in der Sache: Zunächst trug Helmut Heuser seine Bedenken gegen die Planungen für den Henninger-Turm vor. Klipp und klar äußerte er, daß ihm der Entwurf von Architekt Jochem Jourdan, der auf der stadtabgewandten Seite einen L-förmigen Anbau vorsieht, nicht gefalle. Bei der vermeintlichen Rettung des Turms stimmten die Proportionen nicht. Man solle innovativere Leute Vorschläge erarbeiten lassen, wie sich das im Fall des neuen Hauptsitzes der Europäischen Zentralbank bewährt habe.

          Wenige Redner später kam Heusers Parteifreund Jochem Heumann, planungspolitischer Sprecher der Fraktion, zu Wort. Heusers Ausführungen seien eine abweichende Meinung innerhalb der Fraktion, die im Planungsausschuß nicht interessiere. Im übrigen könne Heuser ja bessere Ideen vorlegen. Woraufhin wieder Heuser das Wort ergriff und feststellte, daß die CDU-Fraktion noch gar keine abschließende Meinung in der Sache gefaßt habe, von der er abweichen könne. Er müsse zurückweisen, "daß ich hier als der bekloppte Minderheitenvertreter dastehe".

          Aus der CDU ist zu hören, daß der Disput noch ein fraktionsinternes Nachspiel haben wird. Das kann als selbstverständlich gelten, denn planungspolitisch hat die Union dem politischen Gegner mit dem Vorstoß in Sachen Kleinmarkthalle in der vergangenen Woche schon ausreichend Wahlkampfmunition geliefert. Von Beobachtern der Szene wurde der Streit ohnehin als Hahnenkampf verstanden. Nicht um die Sache, sondern um die Führung der Fraktion sei da offenkundig gerungen worden, heißt es bei SPD und Grünen.

          Aus der CDU ist sogar zu hören, daß die Sache schon entschieden sei. Demnach soll Jochem Heumann nach der Kommunalwahl 2006 Nachfolger von Uwe Becker als Fraktionsvorsitzender werden. Das hätten die Spitzen der Partei - und das heißt in der CDU: Vertreter des Arbeitnehmer- und des Mittelstandsflügels - schon verabredet, vorbehaltlich möglicher Überraschungen bei der Kommunalwahl.

          Die Personalie Heumann ist Teil einer größeren Postenrochade. Bekanntlich soll der Landtagsabgeordnete Boris Rhein Nachfolger von Wirtschaftsdezernent Nikolaus Burggraf werden. Dieser scheidet entweder regulär im Dezember aus, oder er läßt seine Amtszeit um drei Monate verlängern und macht unmittelbar nach der Kommunalwahl für Rhein Platz, sofern es dann nicht eine linke Mehrheit ohne CDU gibt. Burggraf spielt dem Vernehmen nach sogar mit dem ungewöhnlichen Gedanken, wieder für die Stadtverordnetenversammlung zu kandidieren. Andernfalls will er ehrenamtlicher Stadtrat werden.

          Der Fraktionsvorsitzende Uwe Becker wiederum soll die CDU zunächst als Spitzenkandidat in die Kommunalwahl führen. Nach der Wahl wird er Nachfolger von Kämmerer Horst Hemzal, der seine bis zum Jahr 2007 verlängerte Amtszeit entweder ganz ausschöpft oder direkt nach der Wahl in den Ruhestand tritt.

          Der rechte Mittelstandsflügel, dem Burggraf und Rhein angehören, hat die Hoffnung allerdings nicht ganz aufgegeben, vielleicht doch noch Heuser als Fraktionsvorsitzenden in Position zu bringen, wenn nur genug der Seinen ins Parlament einziehen. Der Arbeitnehmerflügel sei in Fraktionsführung und Magistrat überrepräsentiert, wird argumentiert. Immerhin werden ihm neben Becker und Oberbürgermeisterin Petra Roth auch Hemzal und Planungsdezernent Schwarz zugerechnet.

          Trotz ihres Zwistes sind sich die beiden Kandidaten für den Fraktionsvorsitz in zwei Punkten sehr ähnlich: Sie pflegen mitunter einen rauhen Umgangston, womit sie sich innerhalb und außerhalb der Fraktion nicht nur Freunde gemacht haben, und sie verbindet mit Oberbürgermeisterin Petra Roth keine enge Freundschaft. Beide werden deshalb selbst von ihren eigenen Lagern nicht als Idealbesetzung gesehen, doch fehlt es in der CDU-Fraktion an Alternativen. MATTHIAS ALEXANDER

          Weitere Themen

          Vom Reifrock verschluckt

          Aufführung im Staatstheater : Vom Reifrock verschluckt

          An Absurdität nicht zu überbieten: Uwe Eric Laufenberg hat in kürzester Zeit Samuel Becketts „Glückliche Tage“ auf die Bühne des Staatstheaters Wiesbaden gebracht.

          Maske, Macadamia und Tamarinde

          FAZ Plus Artikel: Lokaltermin : Maske, Macadamia und Tamarinde

          Das Hotel Roomers in Frankfurt hat vor einem halben Jahr einen kulinarischen Neustart gewagt. Mit dem Restaurant Burbank hat eine Kombination von japanischer und panasiatischer mit europäischem Einfluss in die Räume Einzug erhalten.

          Topmeldungen

          Tourismus : Schweiz buhlt um Deutsche

          Den Eidgenossen fehlen die ausländischen Gäste, vielen Hotels droht der Konkurs. Nun wollen sie bei deutschen Touristen punkten – mit praktischen und geldwerten Angeboten.
          Gut gelaunt mit amerikanischen Soldaten am Truppenstützpunkt Ramstein: Amerikas Präsident Donald Trump im Jahr 2018.

          Trumps Abzugspläne : Ein weiterer Tiefschlag

          Sollten Tausende amerikanische Soldaten Deutschland verlassen, würde das vor allem dem Pentagon selbst zu schaffen machen. Für das transatlantische Verhältnis aber verheißt es nichts Gutes.
          Nicht nur Gnabry (links) und Goretzka trafen für den FC Bayern in Leverkusen.

          4:2 in Leverkusen : Der FC Bayern ist eine Klasse für sich

          Die Münchner meistern die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum Titel noch zu nehmen war, mit dem klaren Sieg in Leverkusen souverän. Die fußballerische Perfektion erinnert an die besten Phasen unter Pep Guardiola.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.