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Einsatz bei Eintracht-Partie : „Alles dichtmachen. Keiner kommt mehr durch“

Gefühlssache: Einsatzleiter Thorsten Fleischer bekommt das Gespür dafür, ob es brenzlig werden könnte, am ehesten auf dem „Balkon“. Bild: Helmut Fricke

Das Rückspiel der Eintracht in der Europa League gegen Racing Strasbourg galt als Hochrisikospiel: Die Frankfurter Polizei war dabei besonders gefordert. Ein Abend mit Einsatzleiter Thorsten Fleischer.

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          Gegen Mittag kommt der Brezelmann. Palettenweise hievt er die Backwaren aus seinem Transporter. Acht, neun, zehn Paletten übereinander. Eine geht noch, bevor der Turm zu wackelig wird. Thorsten Fleischer steht auf dem Balkon in der Sonne vor Block 27 und beobachtet das Schauspiel. In der Befehlsstelle der Polizei steht die Luft schon jetzt an diesem heißen Tag. Fleischer, ein gestandener Polizist, 51 Jahre alt, genießt die Abkühlung im Freien. Es wird der letzte Moment dieses Tages sein, in dem er seine Gedanken schweifen lassen kann. Kurz nicht daran zu denken, dass gerade zwölf Busse mit teils problematischen Fans aus Straßburg auf dem Weg nach Frankfurt sind und dass die Frankfurter Ultra-Szene sie schon erwartet. Fleischer kann abschalten. Und sei es nur für diesen einen Augenblick.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Rückspiel von Eintracht Frankfurt gegen Racing Strasbourg gilt als Hochrisikospiel. Nicht nur, weil es eine Woche zuvor in der Hinrunde schon zu Auseinandersetzungen zwischen deutschen und französischen Fans gekommen war. Sondern auch, weil Racing Strasbourg eine Fanfreundschaft pflegt mit dem Karlsruher SC, der wiederum traditionell einer der Erzfeinde von Eintracht Frankfurt ist. „Ich habe nicht gut geschlafen“, sagt Fleischer. „Manchmal hat man ja so ein Gefühl, dass es unruhig wird.“ Dann meldet sich sein Funkgerät. Er wird gebraucht.

          Es gibt Probleme auf dem P9, jenem Parkplatz, der für die Gästefans reserviert ist. Fleischer sagt, er sei gleich da. Es ist zu wenig Platz für die erwartete Zahl an Autos und Bussen. Weil das Zelt für das Frankfurter Oktoberfest schon aufgebaut wird, fällt ein Teil der Fläche weg. Fleischer hat mit diesem Problem gerechnet. Eine Lösung hat er schon parat. „Dann müssen wir die Taxi-Fläche freigeben“, sagt er. So wird es gemacht. Fleischer geht wieder in die Einsatzzentrale. Dort sitzt sein Stab. Zwei Polizisten, die später während des Spiels die Bilder der Stadionkameras im Blick haben. Eine Beamtin, die sich um Social Media kümmert. Weitere Polizisten, die das sogenannte Backup-Office betreuen und bei denen alle Informationen zusammenlaufen, die sie gebündelt an Fleischer weitergeben. Und schließlich eine Beamtin, die alles protokolliert, was bei diesem Einsatz gesprochen und entschieden wird. Damit es später nachvollziehbar ist. Fleischer ist ein Polizist, der auf alles vorbereitet ist. Unter Einsatzbeamten heißt das „vor der Lage“ sein. Das bedeutet, schon lange vorher wird jedes auch unwahrscheinlichste Szenario durchdacht – und eine Lösung dafür gefunden. Tritt die Situation dann auf, ist klar geregelt, wer sich darum kümmert und was getan werden muss. „Es ergeben sich dann immer noch viele Szenarien, auf die im Leben niemand gekommen wäre“, sagt Fleischer. „Im Fußball hat man es schließlich mit Menschen zu tun. Mit sehr emotionalen Menschen. Und manche suchen einfach nur die Herausforderung.“

          „Manche suchen einfach nur die Herausforderung“

          Fleischer leitet seit 2015 fast jede Woche einen Fußball-Einsatz, das ist für ihn „die perfekte Mischung aus harter Arbeit und Passion“. In den neunziger Jahren ist er, damals noch im mittleren Dienst, in Frankfurt Streife gefahren und war anschließend in einer Operativen Einheit zuständig für die Bekämpfung der Straßenkriminalität. Dann stieg er auf in den gehobenen Dienst. In dieser Zeit war er unter anderem auf dem Revier in Höchst eingesetzt, das zur Direktion Süd gehört. Damals, erinnert sich Fleischer, habe er sich gewünscht, irgendwann einmal Chef dieser Direktion zu sein, mit einer so vielfältigen Mischung an Stadtteilen, Brennpunkten, ländlichen Gebieten, und schließlich dem Stadion, „das war mein Ziel“. Als der Posten Jahre später frei wurde, hat Fleischer, inzwischen Beamter im höheren Dienst, nicht lange überlegt und sich darauf beworben. Genug Erfahrung hatte er nach Stationen als Stabsleiter bei der Ministerpräsidentenkonferenz und im Innenministerium, unter anderem bei der Task Force Konfliktmanagement. Es klappte. Nun, sagt Fleischer, sei er „ein glücklicher Polizist, an einem der schönsten Plätze, die es gibt“. Dabei gehe es ihm nicht primär um den Fußball. „Vielmehr darum, dafür sorgen zu können, dass die Sicherheit anderer gewährleistet wird“.

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