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Riedberg : Ein neuer Stadtteil gegen die Abwanderung

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Rechts die Frankfurter Skyline, links der Feldberg und von vorne eine steife Brise. Wer von Niederursel kommend die Kreuzerhohl hochläuft, befindet sich bald in einer exponierten Lage: auf dem Riedberg.

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          Rechts die Frankfurter Skyline, links der Feldberg und von vorne eine steife Brise. Wer von Niederursel kommend die Kreuzerhohl hochläuft, befindet sich bald in einer exponierten Lage: auf dem Riedberg. Riedberg, so heißt auch der neue Stadtteil, der zwischen Kalbach, Niederursel und Heddernheim im Nordwesten von Frankfurt entsteht. Ein Stadtteil, der nach dem Willen der Planer die Abwanderung vor allem junger Familien in die Umlandgemeinden aufhalten soll.

          Schwere Laster rumpeln über die zum Teil noch nicht asphaltierten Wege, dunkelgrüne Bagger schaufeln weitere Erdlöcher. In großer Geschwindigkeit breitet sich der neue Stadtteil aus - auf einer Fläche von 266 Hektar. Bis vor wenigen Jahren bestellten hier noch Landwirte ihre Äcker, nur wenige Aussiedlerhöfe waren damals zu finden. Die Bewohner von Niederursel und Kalbach nannten den Riedberg, vom gegenüberliegenden Feldberg mit frischer Luft versorgt, ihren "Spazierberg". Entsprechend groß war die Empörung, als die Stadt Frankfurt 1993 erstmals intensiv über einen neuen Stadtteil auf dem Riedberg nachdachte, um so in Frankfurt mehr Wohnraum zu schaffen, der auch für junge Familien bezahlbar sei.

          Als die Stadt beschloß, erstmalig das Instrument der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme einzusetzen, kam es 1996 zu massiven Protesten: Die Eigentümer von Grundstücken auf dem Riedberg sollten ihren Grund und Boden für 45 Mark pro Quadratmeter hergeben. Andernfalls drohte den 40 Bauern und Privatleuten, denen der Großteil des Landes gehörte, sogar die Enteignung. Als Bauland weiterverkauft, brachten die Grundstücke der Stadt ungefähr 500 Euro pro Quadratmeter. Mit dem Gewinn wollte die Stadt die Infrastruktur wie Straßen, Schulen und Kindertagesstätten schaffen.

          Erst im Juni des Jahres 2000, als der hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel die Entwicklungssatzung wegen des Bedarfs an Wohnraum und Gewerbeflächen als rechtmäßig einstufte, begann der Widerstand zu bröckeln. Notgedrungen haben sich die Landwirte schließlich mit der Situation abgefunden. "Die Gefahr, daß einige Betriebe nicht überleben, bleibt", meint Kreis- und Ortslandwirt Wolfgang Stark.

          Auch die Einwohner von Niederursel haben sich mittlerweile an den Gedanken gewöhnt, daß in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ein neuer Stadtteil wächst. Anfangs herrschte Skepsis. "Wir befürchteten, daß zunächst viergeschossige Häuser entstehen und die Infrastruktur erst zum Schluß kommt. Wir wollten keine zweite Nordweststadt", sagt der Ortsvorsteher von Niederursel, Klaus Nattrodt (CDU). Die Befürchtungen wurden zerstreut, wozu auch der veränderte Wohnungsmarkt beigetragen hat. Für den hohen Anteil von Geschoßwohnungen, auf dem anfangs vor allem die Sozialdemokraten bestanden hatten, gab es keine Nachfrage, deshalb wurden die Planungen überarbeitet. Inzwischen sind selbst etliche freistehende Einfamilienhäuser vorgesehen.

          Auch die höhere Verkehrsbelastung beunruhigte die Bürger des beschaulichen Stadtteils Niederursel. "Durch intensive Gespräche konnten wir die anfänglichen Bedenken in Sympathie für den neuen Stadtteil ummünzen", sagt Mona Seelig, Projektkoordinatorin für den Riedberg im Frankfurter Stadtplanungsamt. Der Riedberg werde eine richtige Kleinstadt in der Großstadt.

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