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Richterin hilft Lufthanseaten : „Reden müssen Sie doch wieder miteinander“

Die Vorsitzende Richterin Silke Kohlschitter brachte die Gegner im Tarifstreit bei der Lufthansa dazu, wieder miteinander reden zu wollen Bild: dpa

„Sie mögen ja beide recht haben - aber miteinander reden müssen Sie doch wieder. Je früher, desto besser.“ Wie eine Frankfurter Arbeitsrichterin den Tarifkonflikt bei der Lufthansa entschärfte.

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          Selbst Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte sich vergeblich versucht. Der Frankfurter Arbeitsrichterin Silke Kohlschitter gelang am Montagabend, womit achtzehn Stunden nach Beginn des Streiks kaum einer gerechnet hatte: Sie brachte die Lufthansa und die Pilotenvereinigung Cockpit zurück an den Verhandlungstisch – und verkürzte damit einen Ausstand, der als der gravierendste in die Unternehmensgeschichte einzugehen drohte.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es war profunde Kenntnis der Materie, gepaart mit entwaffnender Offenheit, mit der es der Richterin gelang, die verhärteten Verhandlungspositionen aufzubrechen. „Sie mögen ja beide recht haben“, hatte sie unvermittelt dazwischengefunkt, als die Anwälte anhoben, sich ausführlich über die „Bereederung“ (die Betriebsführung) von Maschinen auszulassen, die Tragweite des Konzerntarifvertrags, einen möglichen Eingriff der Gewerkschaft in unternehmerische Entscheidungen und über Bonustöpfe, die durch den Einsatz von Flugzeugen der Lufthansa-Tochter in Italien gespeist werden sollen oder eben nicht. „Sie mögen ja beide recht haben“, sagte die Vorsitzende der vierten Kammer, „aber miteinander reden müssen Sie doch wieder. Je früher, desto besser.“

          „Lösen können Sie den Konflikt nur selber“

          Selten hat vor Gericht eine schlichte Wahrheit so viel Wirkung gezeigt. Verdutztes Schweigen, ungläubiges Lächeln bei den Rechtsbeiständen und ihren Mandanten, und dann stellten sie sich tatsächlich die Frage: Warum eigentlich nicht? Wohin sollte der von der Lufthansa beantragte Eilbeschluss führen, dass dieser Streik ganz oder teilweise rechtswidrig sei?

          „Lösen können Sie den Konflikt nur selber“, sagte die Richterin noch, aber da war in dem engen und heißen Gerichtssaal das Eis schon gebrochen. Dass es nach einem Geplänkel über die Länge der Friedenspflicht noch eine Stunde dauerte, ehe die Vereinigung Cockpit die Zustimmung ihrer Tarifkommission und die Vertreter der Lufthansa das Okay des Vorstandes eingeholt hatten, nahm die Kammervorsitzende gelassen.

          Schnell zurück im Richteralltag

          Ihr Scherz, sie habe der ARD versprochen, noch vor der „Tagesschau“ zu einem Ergebnis zu kommen, sollte sich erfüllen. Kurz vor 20 Uhr war am Montagabend der von ihr angeregte Vergleich diktiert und genehmigt. „... unverzüglich und bedingungslos Verhandlungen über Vergütungsforderungen der Vereinigung Cockpit im deutschen Tarifgebiet (wieder-)aufzunehmen“, steht darin, und dass die laufenden Arbeitskampfmaßnahmen „spätestens ab 23.59 Uhr“ bis zum 8. März, 24 Uhr, auszusetzen seien.

          Am Dienstag hat Silke Kohlschitter wieder bis in den Nachmittag hinein verhandelt. Über Kündigungen und Zahlungsklagen. Sie war zurück im Alltag einer Arbeitsrichterin.

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