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Aldi-Wein : Weinelite beim Billigheimer

  • -Aktualisiert am

Der Discounter Aldi ist einer der größten Weinhändler Deutschlands. Bild: dpa

Aldi ist der bedeutendste Weinhändler Deutschlands. Nun ist wieder ein Elite-Winzer im Discounter-Regal gelandet. Was bedeutet das für die Kunden?

          Die seit einiger Zeit zu beobachtende Aufrüstung der Weinregale im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel spiegelt die wachsende Bedeutung des Marktes wider. Beim Wettbewerb mit dem Lifestyle-Produkt Wein will kein Händler zurückstehen, denn er bietet die Chance der Profilierung und Abgrenzung.

          Manche Weinabteilung bei Rewe stellt nach Auswahl und Qualität inzwischen sogar spezialisierte Fachhandelsgeschäfte in den Schatten. Der bedeutendste Weinhändler aber ist Aldi, über dessen Theke in Deutschland jede vierte Flasche Wein geht. Aldi bleibt dabei seiner Strategie treu, größtmögliche Qualität zum niedrigstmöglichen Preis anzubieten.

          Weinelite im Aldi-Regal

          Die Kooperation mit dem Rüdesheimer Johannes Leitz ist vor diesem Hintergrund ein gelungener Coup. Rund sieben Euro für einen Rheingauer Riesling, hinter dem nicht – wie bei Günther Jauch – nur ein imageträchtiger Name steht, sondern das uneingeschränkte Qualitätsversprechen eines deutschen Spitzenwinzers, das ist neu. Und es ist ein für beide Seiten lukratives Geschäft.

          Dass damit auch der VDP-Adler, das geflügelte Qualitätssignet der selbsternannten deutschen Weinelite, im Aldi-Regal gelandet ist, findet nicht jeder Leitz-Kollege und Prädikatswinzer gut. Der VDP sähe es lieber, wenn diese Weine zu höheren Preisen in Verkaufsstätten offeriert würden, die nicht das Image des Billigheimers haben. Doch Preisvorgaben eines Verbandes verbietet schon das Kartellrecht. Und Aldi ist für Leitz ein verlässlicher Partner.

          Ärgern werden sich vielleicht auch jene kleinen Familienbetriebe im Rheingau und darüber hinaus, die mühsam um jede kleine Preiserhöhung für ihren Wein gegenüber den kritischen Privatkunden kämpfen. Diese Kunden können nun auf den VDP-Wein eines Spitzenwinzers zum Kampfpreis verweisen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

          Aldi senkt die Hemmschwelle

          Wenn Aldi Süd in den Filialen die Masse seiner Weine für weniger als drei Euro je Flasche losschlägt, dann ist ein mehr als doppelt so teurer Rheingauer Riesling ein Signal an die Masse der Aldi-Kunden, dass Riesling aus deutschen Landen etwas Besonderes ist. Aldi senkt die Hemmschwelle für jene, die immer noch meinen, auf einem Weinetikett müsse vorzugsweise „Chateau XY“ oder „Pinot Grigio“ stehen, damit man ihn ohne die Gefahr einer Blamage vor Freunden öffnen darf.

          Vielleicht gewinnt der deutsche Wein auch auf diesem Weg in den zurückliegenden Jahren verlorene Regalplätze bei Discountern und im Lebensmittelhandel zurück. Ein Wein für mehr als fünf Euro ist für Aldi-Käufer schon ein Premiumprodukt. Wenn er mit dem Kauf eines Leitz-Weines lernt, dass nicht nur ein Brunello in diesen Preisregionen sein Geld wert ist, dann ist das zumindest für den Rheingauer Riesling insgesamt ein Gewinn.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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