https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/rhein-main-verkehrsverbund-setzt-auf-wasserstoffzuege-im-taunus-18137902.html

Wasserstoff als Zugantrieb : Hessen als Vorreiter

  • -Aktualisiert am

Zukunftsweisend: Wasserstoffstoff m Wiesbadener Hauptbahnhof Bild: dpa

Im Taunus soll von Dezember an die größte Wasserstoffzug-Flotte der Welt unterwegs sein. Die 27 Züge sind hoffentlich nur der Anfang. Wasserstoff ist einer der Schlüssel zum Erreichen der langfristigen Klimaziele.

          1 Min.

          Das Thema Wasserstoff kommt im Ende 2018 unterzeichneten Koalitionsvertrag von CDU und Grünen in Hessen nur am Rande vor. Hessen werde das nationale Investitionsprogramm für Wasserstoff- und Brennstoffzellenenergie umsetzen „und durch Landesmaßnahmen“ verstärken, heißt es dort alles andere als ambitioniert. Und weiter: Hierzu solle auch eine Anschubförderung für den Netzausbau von Wasserstofftankstellen beitragen.

          Überschwang liest sich anders. Dabei müsste Wasserstoff gerade für Union und Grüne einer der wesentlichen Lösungsansätze sein, wenn sie es mit ihren klimapolitischen Zielen ernst meinen. Denn geht es nach den derzeitigen Bündnispartnern in Wiesbaden, soll die Menge der klimaschädlichen Emissionen bis zum Jahr 2025 um 40 Prozent – im Vergleich zum Basisjahr 1990 – verringert werden. Mehr noch: Spätestens 2050 soll Hessen klimaneutral sein. Sprich, es sollen entweder keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre abgegeben oder die Emissionen kompensiert werden, sodass es insgesamt zu keinem Anstieg der Gaskonzentration kommt.

          Vorreiter der Wasserstofftechnologie

          Wasserstoff ist einer der Schlüssel zum Erreichen der langfristigen Klimaziele, auch wenn er nur mit hohem Energieaufwand gewonnen werden kann. Kurz- und mittelfristig hat die Technologie allerdings nur eine Chance, wenn der Staat ihr mit substanziellen Summen auf die Sprünge hilft und darüber hinaus einen verlässlichen Rahmen für Versorgung, Verteilung und Anwendung bietet. Deshalb ist es eine ausgesprochen gute Nachricht, dass sich Hessen im regionalen Schienenverkehr zum Vorreiter der Wasserstofftechnologie mausert.

          Die voraussichtlich 27 schadstofffreien Regionalzüge, die mit dem Fahrplanwechsel im Dezember im Taunusnetz des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) zum Einsatz kommen, werden zeigen, was machbar ist, und ermöglichen, Erfahrungen im Umgang mit dem neuen Treibstoff zu sammeln. Noch immer verkehren auf einem Drittel aller RMV-Strecken Dieselloks, weil Oberleitungen fehlen oder baulich nicht möglich sind. Die Alternative sind batteriebetriebene Züge auf Strecken, auf denen es nur kurze Oberleitungsunterbrechungen gibt, oder aber Wasserstoffzüge, die mit einer Reichweite von 1000 Kilometern auf längeren Strecken konkurrenzlos sind.

          Die 27 Züge im Taunus sind hoffentlich nur der Anfang. Die derzeit noch größte Wasserstoffzugflotte der Welt könnte das Potential dieser umweltfreundlichen Technologie weit über die Rhein-Main-Region hinaus deutlich machen.

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Weitere Themen

          Kanzler ohne Ballkontakt

          Zu Besuch in Frankfurt : Kanzler ohne Ballkontakt

          Olaf Scholz besucht im Rahmen seiner Sommerreise Frankfurt. Die Aufregung hält sich in engen Grenzen. Im Industriepark inspiziert er innovative Zukunftsideen, auf dem DFB-Campus fordert er Rechte für Fußballerinnen ein.

          Topmeldungen

          Finanzminister Christian Lindner (FDP) will die Bürger mit seiner Steuerreform vor einer schleichenden Mehrbelastung bewahren.

          Kalte Progression : Was Lindners Steuerpläne finanziell bedeuten

          Finanzminister Christian Lindner legt Gesetzespläne zum Abbau schleichender Mehrbelastungen bei der Einkommensteuer vor. Unter anderem soll der Grundfreibetrag in den kommenden beiden Jahren angehoben werden.
          Patricia Schlesinger bei einem Fototermin im Dezember 2020

          Abfindung für Schlesinger? : Schampus für alle und Boni satt

          Zur Amtsführung der zurückgetretenen RBB-Intendantin Patricia Schlesinger dringen weitere, pikante Details ans Licht. Die Frage ist, ob sie auch noch eine Abfindung erhält. Die ersten Köpfe rollen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.