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„Rettomat“ am Hauptbahnhof : Alte Süßigkeiten kaufen als gute Tat

Noch gut: Der „Rettomat“ bietet ungewöhnliche Ware. Bild: Deutsche Bahn

Am Frankfurter Hauptbahnhof können Reisende jetzt beim Warten auf den Zug noch schnell einen besonderen Snack knuspern. Denn am Bahnhof steht jetzt ein „Rettomat“, in dem „gerettete“ und gesunde Lebensmittel verkauft werden.

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          Darauf wäre man auch niemals gekommen: dass es eine gute Tat sein könnte, dem Automaten-Unternehmen Selecta einen Schokoriegel abzukaufen, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum drei Monate zurückliegt. Und das auch noch für einen Euro, was nicht besonders billig ist. Aber gut, die Zeiten wandeln sich, und so ist zu vermerken: Die Deutsche Bahn meldet voller Stolz, dass im Frankfurter Hauptbahnhof, gut platziert auf dem Querbahnsteig gegenüber der Gleise 3 und 4, jetzt ein „Rettomat“ steht, ein Automat, in dem „gerettete Lebensmittel“ verkauft werden: „Ab sofort können Reisende und Besucher:innen gesundes Essen am Automaten erwerben und dabei Lebensmitteln eine zweite Chance geben.“

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Produkte seien „überschüssig beziehungsweise stehen kurz vor oder nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, sind aber noch genießbar“. Mit dem neuen Service wolle der Staatskonzern „den Bahnhof noch attraktiver machen und als umweltfreundliches Unternehmen Ressourcen schützen“.

          Große Worte verhallen beim Anblick des Angebots

          Große Worte, die dann beim Blick auf das Angebot doch etwas verhallen; „Mars“-, „Snickers“- und „Milky Way“- Riegel müssen offenbar nicht gerettet werden, stattdessen lässt sich für einen Euro eine Art Schokolade ziehen, vegan, sojafrei und mit Hafer drin aus dem Hause Katjes, das man bisher eher mit Lakritz verbunden hatte, die Rettung des Riegels, dessen Mindesthaltbarkeit im Juni endete, kostet einen Euro. Für den gleichen Betrag lässt sich auch ein „Coco & Rice“-Riegel der Fairtrade-Marke Gepa retten, der eigentlich bis April hätte verzehrt werden sollen. Im Angebot sind auch Cashewkerne, Functional Dextrose Drops der Geschmacksrichtung Granatapfel und Bio-Kesselchips mit Chili-Aroma.

          Der „Rettomat“ ist dermaßen innovativ, das gleich drei Unternehmen dafür kooperieren, neben der Deutschen Bahn und dem Automaten-Aufsteller Selecta auch das Berliner Start-up Sirplus, das sich dem Vertrieb überschüssiger Lebensmittel verschrieben hat; dieser Betrieb prüft auch, ob die Produkte wirklich noch genießbar sind. Auf dessen Homepage lassen sich diese Waren auch online bestellen. Die Fairtrade-Schokolade schmeckt übrigens noch tadellos.

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