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Frankfurter Galopprennbahn : Renn-Klub will nicht weichen

Noch laufen die Pferde: Der Streit auf der Frankfurter Galopprennbahn geht in die nächste Runde. Bild: Wonge Bergmann

Seit Jahren gibt es auf der Frankfurter Galopprennbahn Ärger. Weil der dortige Renn-Klub trotz verlorenen Bürgerentscheids das Gelände nicht räumen will, erhebt die Stadt nun Klage. Sie plant dort anderes.

          Der Streit um die Frankfurter Galopprennbahn geht weiter: Wie der Frankfurter Renn-Klub gestern mitteilte, will er sich „durch alle Instanzen“ dagegen wehren, das Gelände zum 31. Dezember räumen zu müssen. Auf dem 38 Hektar großen Areal im Stadtteil Sachsenhausen, das der Stadt gehört, will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Leistungszentrum bauen. Die Kommune hat sich vertraglich dazu verpflichtet, 15 Hektar bis Anfang Januar 2016 an den DFB zu übergeben. Andernfalls wird eine Strafe von bis zu 900 000 Euro fällig.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Am 1. Januar wird es hier keine Übergabe geben“, sagte Klub-Schatzmeister Carl-Philip Graf zu Solms-Wildenfels während einer Pressekonferenz in den Vereinsräumen an der Rennbahn. Sich einer Räumung zu widersetzen sei einstimmige Meinung einer Versammlung gewesen, an der vergangene Woche 40 der 70 Vereinsmitglieder teilgenommen hätten. Man habe schon am 16. Oktober eine Feststellungsklage beim Landgericht Frankfurt eingereicht: Laut Solms-Wildenfels sollen die Richter die Gültigkeit eines sogenannten Geschäftsbesorgungsvertrags zwischen dem Klub und dem mittlerweile rein städtischen Pächter der Bahn, der Hippodrom GmbH, feststellen. Das Ende dieses Vertrages werde „nicht ohne Widerstand erfolgen“. Man habe „schlagkräftige Argumente“.

          „Stadt hat das Grundstück zu Kleingeld verschenkt“

          Der Schatzmeister äußerte weiter, die Klub-Anwälte hätten auch „Ansatzpunkte“ dafür gefunden, die komplette Vergabe des Geländes an den DFB in Frage zu stellen. Die Stadt habe das Grundstück „zu Kleingeld verschenkt“, und zwar an einen sehr reichen Verband. Deshalb werde man nun auch die Gemeinnützigkeit des DFB hinterfragen. Schließlich verfolge der Verband mit dem Zentrum wirtschaftliche Zwecke. Außerdem wolle man klären, inwieweit der Weltfußballverband Fifa in die Finanzierung der 109 Millionen Euro teuren Fußballakademie involviert sei. Der Renn-Klub habe schon im Wahlkampf vor dem Bürgerentscheid auf „eine enge Verquickung zwischen Fifa und DFB“ hingewiesen. Der Bürgerentscheid Ende Juni war am Quorum gescheitert: Nur 12,6 Prozent der Wahlberechtigten waren für den Erhalt der Bahn.

          Einen weiteren Angriffspunkt sieht der Renn-Klub nach eigenen Angaben darin, Anwohner in einer Klage gegen den Bebauungsplan zu unterstützen. 400 zusätzliche Parkplätze und eine Fluchtlichtanlage wollten viele nicht hinnehmen. Ferner werde der Verein mit einem Gutachten prüfen, warum der DFB bauen dürfe: Es handele sich um ein Landschaftsschutzgebiet. Vizepräsidentin Christiane Weil-Daßbach sagte, sie stelle sich „vor dem Hintergrund der schwarzen Kassen“ die Frage, warum der DFB überhaupt die Erlaubnis habe, im Landschaftsschutzgebiet zu bauen. Klub-Präsident Manfred Louven, der bei der Pressekonferenz erkrankt fehlte, wies die Aussage auf Anfrage dieser Zeitung zurück. Er distanziere sich davon. „Das ist nicht unbedingt anständig und auch nicht zielführend“, sagte Louven. Er setze weiterhin auf einen Konsens mit der Stadt.

          Schatzmeister spricht von Untreue

          Schatzmeister Solms-Wildenfels erhob gegen die Magistratsmitglieder Markus Frank (Sport, CDU), Olaf Cunitz (Planung) und Rosemarie Heilig (Umwelt, beide Die Grünen) außerdem den Vorwurf der Untreue, weil sie das Gelände zu billig abgegeben hätten. Auf Nachfrage sagte er, dass der Renn-Klub für die Bahn kein Nutzungsentgelt zu zahlen habe. Vielmehr stünden ihm 216 000 Euro im Jahr von der Hippodrom GmbH für das Ausrichten der Rennen zu. Für 2016 habe der Klub beim Dachverband schon fünf Renntage angemeldet, äußerte Solms-Wildenfels und fügte hinzu: „Es wird aber wahnsinnig schwer, die fünf Renntage abzuhalten.“ Mit Spannung erwarte man nun das Gerichtsverfahren des Golf Clubs, der im Innenraum der Bahn eine Neun-Loch-Anlage hat. Dem Betreiber war von der Hippodrom GmbH zum 30. September der Pachtvertrag gekündigt worden, wogegen er sich wehrt.

          Ein Sprecher von Bürgermeister Cunitz kündigte auf Anfrage an, bis Ende der Woche Räumungsklage zu erheben - „auf Herausgabe unseres Besitzes“. Die Stadt habe sehr gute Argumente, so dass die Gerichte rasch entscheiden könnten. Er gehe deshalb davon aus, dass das Gelände fristgerecht an den DFB übergeben werden könne. Im Hippodrom-Vertrag mit dem Golf Club finde sich zum Beispiel ein Passus, der eine Kündigung jederzeit erlaube, falls das Grundstück für eine öffentliche Nutzung vorgesehen sei. Das sei der Fall. Sofern der Renn-Klub und andere nicht freiwillig gingen, „wird zur Not auch staatlicherseits geräumt“. Zum Untreuevorwurf sagte der Sprecher, alle Entscheidungen seien durch eine große Mehrheit der Stadtverordneten legitimiert. Der Vorwurf sei damit hinfällig.

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