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Reiterstatue : Des Kaisers verräterische Frisur

  • -Aktualisiert am

Klein, aber wichtig: ein Teil der Stirn des kaiserlichen Ebenbilds mit der typischen Frisur (links) und ein Fragment der Pferdemähne. Bild: Marcus Kaufhold

Im Norden Frankfurts wurden Reste einer Reiterstatue Kaiser Trajans und Münzen entdeckt – bedeutende Zeugen der römischen Herrschaft und deren Endes in hiesigen Gefilden.

          Klein ist das Fragment und doch entscheidend. Es zeigt lediglich den Teil einer Stirn und einige Haare. Die aber sind so typisch, dass die Archäologen sofort wissen, um wen es sich handeln muss: Kaiser Trajan. Außerdem spricht der Fundort des Fragments in Nieder-Eschbach dafür, dass es nur jener römische Herrscher sein kann – erhob er doch einst die nahegelegene Stadt Nida, gelegen an der Stelle des heutigen Heddernheim, zu einem wichtigen Verwaltungssitz. Für den hessischen Landesarchäologen Egon Schallmayer ist klar, dass dort ein Reiterstandbild des Kaisers gestanden haben muss.

          Gestern wurde der Fund, zu dem außer der kaiserlichen Stirnpartie 55 weitere Stücke der Bronzestatue und 107 römische Münzen gehören, im Archäologischen Museum vorgestellt. Er darf als sensationell gelten und begeistert nicht nur Schallmayer. Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts der Stadt, spricht von einem „nahezu unschätzbaren wissenschaftlichen Wert“. Oberbürgermeisterin Petra Roth und Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (beide CDU) würdigten die Bedeutung der Funde für Stadt und Land.

          Ende der römischen Zeit rechts des Rheins

          Gemeinsam mit dem 2009 im mittelhessischen Waldgirmes gefundenen Pferdekopf einer Reiterstatue des Kaisers Augustus zeugen die Frankfurter Entdeckungen vom Beginn wie vom Ende der römischen Zeit im heutigen Hessen. Steht Augustus, der als Alleinherrscher von 31 vor bis 14 nach Christus regierte, für die Eroberung Germaniens, prägte Trajan, der von 98 bis 117 nach Christus regierte, die militärische und zivile Organisation der späteren Provinz Germania superior, in deren Grenzgebiet Nida lag.

          Die Frankfurter Funde repräsentieren aber auch das Ende der römischen Zeit rechts des Rheins: Die jüngste der gefundenen Münzen stammt aus dem Jahr 260 nach Christus, jener Zeit, in der die Römer den Limes aufgaben und die Germanen in das Römische Reich einfielen.

          Es gibt noch viel zu bestimmen

          Dabei oder bei einem früheren Einfall der Germanen wurde das Reiterstandbild Trajans zerstört, um die Stücke für andere Zwecke einzuschmelzen, wie Schallmayer schildert. „Die Münzen dürften einem Römer gehört haben, der sie in Sicherheit bringen, aber dann nicht mehr bergen konnte.“ Der Münzfund zeige zum ersten Mal einen direkten Zusammenhang mit den Ereignissen, die zur Räumung der Grenze geführt hätten, so David Wigg-Wolf, Numismatiker der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt.

          Jenes Bundesinstitut, die hessische Landesarchäologie, das Denkmalamt der Stadt und das Archäologische Museum wollen den Pferdekopf aus Waldgirmes und die Frankfurter Funde gemeinsam erforschen, wie der stellvertretende Museumsdirektor Peter Fasold sagte. Zum Beispiel ist noch unklar, wo die Trajan-Statue hergestellt wurde. Außerdem können bisher von den 56 Fragmenten nur sieben eindeutig bestimmt werden; dazu gehören außer der Stirnpartie des Kaisers und des Teils der Mähne beispielsweise auch ein Stück der Satteldecke und des kaiserlichen Gewands.

          Mit einer Metallsonde wurden die Fundstücke entdeckt

          Weltweit gibt es derzeit Fragmente von nur 47 kaiserlichen Reiterstatuen aus römischer Zeit, zwei davon standen einst in Hessen. Schallmayer würde all diese Teile gerne einmal in einer gemeinsamen Ausstellung zeigen. Ob das gelingt, ist noch offen. Fest steht hingegen, dass die Frankfurter Funde noch bis zum 16. Januar im Archäologischen Museum gezeigt werden. Danach werden sie in Wiesbaden beim Landesarchäologen restauriert.

          Außer den Fachleuten und Politikern war noch einer froh über den Fund: Roberto Carelli. Der Hobbyarchäologe hatte im August mit seiner Metallsonde einen großen Teil der Bronzestücke und die Münzen entdeckt und das Denkmalamt der Stadt informiert, wofür Hampel ihm dankte. Wie berichtet, war er zunächst verärgert, weil er in der Einladung zur Pressekonferenz nicht erwähnt worden war. Gestern überwog sein Stolz: „Ich bin der Entdecker, und das kann mir keiner nehmen.“

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