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Recruiting an der Uni : Flieger falten für den Sieg

Von der Uni in die Glaspaläste der Unternehmen: Studenten in der Rotunde des Hauptgebäudes der Uni Frankfurt, wo jüngst Recruiting unter dem Titel „Best Student Challenge“ stattfand. Bild: Lucas Wahl

Vom Hörsaal direkt in die Glaspaläste des Managements: Bei Recruiting-Wettbewerben an der Uni warten auf Studenten keine gewöhnlichen Aufgaben, sondern „Challenges“. Es winken Geschäftskontakte für die besten Papierfliegerfalter.

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          Im Jahr 2015 haben Studenten keine Herausforderungen zu meistern, sondern Challenges. Das IG-Farben-Haus ist deswegen an diesem Mittwoch ein Assessment Center. Dort veranstaltet das Staufenbiel-Institut, eine Personalrecruiting-Firma, das Finale des „Best Student Challenge“. Es geht darum, die fähigsten Studierenden in Deutschland zu ermitteln. Anschließend sollen sie an Unternehmen weitergereicht werden.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Vom Hörsaal direkt in die Glaspaläste des Managements. 3500 Studenten haben sich angemeldet, 60 haben es in die Endauswahl geschafft: Anzugträger, gerade der Kindheit entwachsen, mit roten Krawatten und roten Gesichtern. Sie sitzen im Empfangssaal und hören zu, was sie für die letzte, größte Challenge tun müssen.

          Ein Video der Schirmherrin und Unternehmerin Lencke Steiner wird eingeblendet. Klaviermusik erklingt. „Ihr werdet die Führungsstärke, die in euch liegt, herauskitzeln“, sagt Lencke. Auf der Leinwand erscheint ein Schriftzug: „Hol dir den Titel!“

          Teilnehmer 33 warnt vor Industriespionage

          Dann geht es an die Aufgaben, pardon, Challenges. Zum Beispiel müssen die Wettbewerber eine Produktionskette für Papierflieger simulieren. Sie werden in zwei Teams aufgeteilt und haben zehn Minuten Zeit, sich mit der Montageanleitung vertraut zu machen. „Jedes Produkt“, steht in der Anleitung, „muss dem Benchmark-Produkt in Aussehen und Größe gleichen.“ Die Teilnehmer dürfen je nur vier Produktionsschritte ausführen. Ein Mitarbeiter der Jury überwacht die Produktion und nimmt Stichproben. Jeder Aspirant bekommt für sein soziales Verhalten Punkte.

          Teilnehmer Nummer 33 warnt vor Industriespionage. Das gegnerische Team lausche, man müsse leise sprechen. Die Fertigung beginnt. Angehende Manager falten Papierflieger. „Schneller“, sagt Nummer 33. Die fertigen Flieger wandern in eine Box mit der Aufschrift „Verkauf“. Fehlerhafte Produkte müssen in den „Ausschuss“. Team eins gewinnt fünf zu null.

          In den Gängen warten die Teilnehmer auf die nächsten Challenges. Ein Gespräch über zukunftsträchtige Branchen und die nächsten Karriereschritte entbrennt. Er sei übrigens gestern mit dem Flieger aus Berlin angereist, sagt jemand. Sei einfach komfortabler. Der Gewinner steht noch nicht fest. Die Teilnehmer aber benehmen sich, als hätten sie längst gewonnen.

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