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Streit um schimmeliges Zuhause : Bis aufs Blut

Ende mit Schrecken: Im ABG-Quartier Riedberg-Mitte wohnte Familie L. bis zum Sommer 2020. Bild: Helmut Fricke

Eine Familie entdeckt Schimmel in ihrer Wohnung. Die städtische ABG schickt Handwerker, doch die pfuschen. Daraufhin entwickelt sich ein Rechtsstreit, der nach einem Jahr noch immer nicht abgeschlossen ist.

          6 Min.

          Alles begann, als eines Tages im Badezimmer die Handtücher nicht mehr trockneten. Ein Geruch von Schimmel hing in der Luft, was für keine Wohnung ein gutes Zeichen ist, aber erst recht nicht für eine erstbezogene Penthouse-Wohnung in einem Passivhaus. Familie L. ließ die Lüftung überprüfen, doch dann begann es auch im Schlafzimmer zu müffeln. Michaela L. wechselte ständig die Bettwäsche, bis ihr irgendwann im Flur ein dunkler Schimmer unter einer Fußleiste auffiel. War das etwa Schimmel? Zusammen mit ihrem Mann Andreas rückte sie die Schlafzimmerkommode von der Wand zum Bad weg – nass und dunkel hatte sich der Pilz dort ausgebreitet. Das war im Januar 2019. Was dann begann, war – so erzählt es die Familie – ein einziger, langer Kampf mit der Vermieterin der Wohnung, der städtischen ABG. Er mündete in den Auszug der Familie im Juni 2020, nachdem eine Kinderärztin im Blut eines der Kinder Spuren von Schimmel entdeckt hatte.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei der Firma, die wegen des Schimmels anrückte, hatte sie schnell ein komisches Gefühl. Die Handwerker deckten die Möbel im Schlafzimmer nicht ab, überall deponierten sie die Säcke mit dem, was sie von der schimmligen Wand abgemacht hatten, auch auf dem Bett und einem Designersessel. Letzterer wurde dadurch so stark beschädigt, dass er später im Auftrag der ABG in die Reinigung gegeben wurde. Doch von dort kam er so kaputt zurück, dass die Firma fragte, ob sie ihn nicht gleich entsorgen solle. Ein Vertreter der „e-repa“, der Reparaturannahmestelle der ABG, sah sich die Zustände an und ordnete daraufhin die Aufstellung von Folienwänden an. Über Wochen hinweg, erzählen die L.s, sei das Schlafzimmer nicht nutzbar gewesen. Alles, was ging, schafften sie ins danebenliegende Kinderzimmer. Die Eltern schliefen auf dem Sofa. Tag und Nacht liefen Trocknungsgeräte.

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