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Rechtsextremisten-Konzert : Konspirativ, gewaltbereit, antidemokratisch

Unter anderem solches Propaganda-Material stammt von der verbotenen Organistion „Blood and Honour”, mit der Bruder des Frontmanns von „Kategorie C” in Verbindung gebracht wird Bild: picture-alliance / dpa

Die Rockband „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ will an diesem Samstag im Frankfurter Raum ein Konzert geben. Wo und wann sie auftreten will, ist lange geheimgehalten worden. Ein „Bündnis Frankfurter Antifaschisten“ möchte dieses Konzert verhindern.

          Heute soll das Konzert stattfinden. Wann genau, das wird nicht gesagt. Auch nicht wo. Im Raum Frankfurt, heißt es auf der Internetseite der Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“. „Wie ihr wisst, sind wir der Staatsfeind Nr.1“, geben die Musiker ihren Fans als Begründung an. Sie wollten auf Nummer Sicher gehen und den genauen Ort erst von 10 Uhr an über ihr Infotelefon bekanntgeben. In der Vergangenheit seien nämlich einige genehmigte Konzerte einfach vereitelt worden.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein „Bündnis Frankfurter Antifaschisten“ möchte dieses Konzert verhindern. Sie halten „Kategorie C“ für eine Band der extremen Rechten und verweisen unter anderem auf Hannes Ostendorf, den Frontsänger der Gruppe. Dieser habe gemeinsam mit seinem Bruder Henrik, einem bekannten NPD- und „Blood and Honour“-Aktivisten, 1991 einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingslager in Bremen verübt. „Blood and Honour“ ist ein rechtsextremes Netzwerk, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Neonazi-Bands miteinander zu koordinieren und nationalsozialistisches Gedankengut zu verbreiten. Nach Angaben des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen erfreut sich „Kategorie C“ in der Skinhead-Szene einer gewissen Beliebtheit, weil einige Texte gewaltverherrlichend seine.

          Konzerte laufen konspirativ ab

          Musik ist seit geraumer Zeit das erfolgreichste Medium der Rechtsextremisten, um Jugendliche anzulocken. Mit aggressiven, fremdenfeindlichen, antisemitischen und antidemokratischen Liedtexten popularisieren die Bands der Szene nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ihre Agitationsmuster und Feindbilder. Jedes Wochenende fänden in Deutschland mehrere rechtsextremistische Konzerte statt.

          Diese Veranstaltungen laufen in der Regel konspirativ ab. Meisten treten die Bands in Gaststätten oder in nicht mehr genutzten Scheunen oder Fabrikgebäuden auf. Oft wird für solche Konzerte auf rechtsextremistischen Veranstaltungen und durch Mundpropaganda innerhalb der Szene geworben. Ihre Ankündigungen verbreiten die Veranstalter auch gerne über Mailing-Listen oder SMS-Mitteilungen. Für längerfristige geplante Konzerte wird nach den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes häufig mit Handzetteln und über das Internet geworben.

          Als musikalisches Spaß-Projekt gedacht

          Die Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ plant offenbar langfristig. Für Ende September hat sie zum Beispiel ein Konzert im Raum Bremen angekündigt. Dort, in der Hansestadt, hat sich die Gruppe 1998 aus Anlass der damals in Frankreich stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft gegründet. Sie sollte ein musikalisches Spaß-Projekt sein. Der Name „Kategorie C“ spielte darauf an, dass die Polizei Fußballfans in drei Kategorien einteilt: Unter die Kategorie A fallen die friedlichen Besucher, unter B die gewaltbereiten und unter C die gewaltsuchenden Fans.

          Schon damals zeigte „Kategorie C“ neonazistische Tendenzen. So heißt es etwa in einem Song auf ihrer CD „Fußballfest ’98“: „Hoch auf dem gelben Wagen, sitz ich beim Führer vorn. Vorwärts die Oi traben, lustig schmettert das MG“. Auf dem im Juli 2006 wegen des Verdachts der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten amtlich eingezogenen extrem rechten „Fußballsampler“ mit dem Titel „Zu Gast bei uns“ war die Band mit einem Stück vertreten, in dem es heißt: „Deutschland dein Trikot / Das ist schwarz und weiß / Doch leider auch die Farbe deiner Spieler“.

          Ordnerdienste als Lotsen

          Das Frankfurter Konzert der Gruppe findet heute nach dem typischen Muster der rechtsextremene Musikszene statt: Den Veranstaltungsort kennen nur wenige Eingeweihte. Die Organisatoren setzen Ordnerdienste ein, die anreisende Konzertteilnehmer von Vor-Treffpunkten zum eigentlichen Veranstaltungsort lotsen und Einlasskontrollen vornehmen.

          Laut Verfassungsschutz waren im vergangenen Jahr etwa 150 rechtsextremistische Bands in Deutschland aktiv, die meisten in Ostdeutschland. Die „stabilen“ Musikgruppen, die seit Jahren existierten, stammten allerdings aus Westdeutschland. Die Produzenten und Anbieter rechtsextremistischer Musik und entsprechender Szene-Utensilien setzen jährlich mehrere Millionen Euro um. Konzerte von rechtsextremen Bands sind nach den Erkenntnissen der Verfassungsschützer von immenser Bedeutung für den Zusammenhalt der Szene, da sie den Teilnehmern ein Gefühl von Zusammengehörigkeit vermittelten. Jugendliche würden häufig durch die Aura des Geheimen angelockt. Offensichtlich läuft die Rekrutierung bei den Rechtsextremen ähnlich wie bei den Linksextremenen nach dem Motto: Was verboten ist, macht uns gerade scharf.

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