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Rauchverbot : Immer weniger Raum für Raucher

  • Aktualisiert am

In den Bordbistros der Fernzüge wird Rauchen von Oktober an nicht mehr geduldet Bild: AP

Für Raucher wird die Luft immer dünner. Politiker wollen den Tabakkonsum in der Öffentlichkeit weiter einschränken. Die Gastronomie setzt weiterhin auf freiwillige Kontrolle.

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          Für Raucher wird die Luft immer dünner. Am Flughafen oder auf dem Bahnhof sind die Nikotinsüchtigen schon in die Schranken kleiner Zonen verwiesen, vom 1. Oktober an sollen auch in den Bordbistros der Züge die Aschenbecher leer bleiben. Der Bundespolitik geht das offenbar aber noch nicht weit genug. In Berlin und in den Ländern wird in diesen Wochen wieder über ein gesetzliches Rauchverbot in öffentlichen Räumen und vor allem Gaststätten debattiert.

          Anlaß dafür ist ein Antrag, den eine fraktionsübergreifenden Gruppe von Bundestagsabgeordneten eingebracht hat und für den sowohl die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD) als auch Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) Sympathie hegen. Der Antrag sieht ein Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden, Zügen und vor allem Gaststätten vor.

          In Frankfurt zeigt sich unterdessen, daß vieles auch ohne Gesetz geht: Am 25. August soll es beispielsweise im „Walden“, einem Szene-Lokal in der Innenstadt, die erste „Non-Smoking-Party“ geben. Daß die großen Hotels längst eine erhebliche Anzahl ihrer Zimmer für Nichtraucher reservieren, ist inzwischen selbstverständlich, und auch Restaurants bieten mehr und mehr rauchfreie Plätze an.

          Familien gehen häufiger in rauchfreie Restaurants

          Nach den rigorosen Regelungen in Italien, Frankreich und Irland hatte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband 2005 mit dem Bundesgesundheitsministerium eine Vereinbarung geschlossen, wonach die Branche sich verpflichtet, bis zum März 2008 in 90 Prozent aller Lokale mit mehr als 40 Sitzplätzen wenigstens die Hälfte für Nichtraucher zu reservieren.

          Das erste Ziel, daß wenigstens ein Drittel der Lokale 30 Prozent der Plätze rauchfrei hält, ist nach Angaben der Dehoga-Geschäftsführerin Ingrid Hartges erreicht worden. Sie setzt auch weiterhin auf Freiwilligkeit. Der Markt sorge schon dafür, daß immer mehr Plätze für Nichtraucher entstünden. Hartges warnt aber vor rigorosen gesetzlichen Regelungen: „Das würde für so manche Kneipe an der Ecke oder manches Cafe das Ende bedeuten.“

          Erst kürzlich habe sie bei einer Reise nach Südtirol erfahren, daß dort Bars und kleine Lokale zum Teil zweistellige Umsatzrückgänge beklagten, so Hartges. Andererseits sei aber auch berichtet worden, daß größere Restaurants, die viel von Familien besucht würden, erhebliche Zuwächse verzeichneten, seit dort nicht mehr geraucht werden dürfe.

          Rauchen unter freiem Himmel umstritten

          Allerdings sei es in einem südlichen Land klimabedingt einfacher, ein paar Rauchertische auf die Terrasse oder den Gehweg vor dem Lokal zu stellen. Hartges verlangt von der Politik, sich an die Vereinbarung zu halten, und fordert die Betriebe auf, das Nichtraucherangebot tatsächlich systematisch auszubauen: zunächst bis zum 1. März auf mindestens 40 Prozent der Plätze.

          Was den Schutz der Arbeitnehmer angeht, der bei dem neuen Gesetzesantrag im Vordergrund steht, gibt die Dehoga-Sprecherin zu bedenken, daß es einerseits in der Gastronomie schon jetzt viele rauchfreie Arbeitsplätze gebe und andererseits viele Servicekräfte in Kneipen ohnehin selbst Raucher seien.

          Umstritten bleibt weiterhin das Rauchen unter freiem Himmel. Während in Amerika zumeist auch dort Rauchverbot herrscht, werden hierzulande Biergärten, Sportplätze und Freibäder noch nicht in die Überlegungen einbezogen. Die zahllosen Kippen, die sein Personal derzeit einsammeln muß, sind nach Auffassung von Otto Junck, Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt, zwar lästig. Das Qualmen auf den Liegewiesen der sieben Freibäder zu verbieten oder einzuschränken, hält er aber nicht für sinnvoll - es gebe kein Personal, um das zu kontrollieren.

          Lokale ohne blauen Dunst

          Unter der Internetadresse www.rauchfreispeisen.de informiert der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband über Kneipen, Cafes und Restaurants, in denen die meisten Plätze für Nichtraucher bestimmt sind. Fast 30 Lokale und Hotels in Frankfurt gelten demnach als weitgehend rauchfrei: Kamon, Friedensstraße 3; Maredo, Zeil 112-114, Zeil 90 und Große Bockenheimer Straße 2; Dinea im Kaufhof, Zeil 116.

          Vollkornpizzeria Wolkenbruch, Rotlintstraße 47; Naturbar, Oeder Weg 26; Restaurant im Hessischen Rundfunk, Bertramstraße 8; Cafe Teescheune, Alt-Niederursel 51; Cafe Albatros, Kiesstraße 27; Cafe im Museum für Kommunikation, Schaumainkai 53, sowie das Arabella Grandhotel, das Hotel Intercontinental, das Le Meridien Parkhotel, Hotel Ambassador, Intercity Hotel, Queens Hotel und Sheraton Frankfurt Hotel.

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