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Raubgräber-Schatz in Frankfurt : Plünderung einer versunkenen Keltenstadt

  • -Aktualisiert am

Peter Fasold, stellvertretender Museumsleiter des Archäologischen Museums Frankfurt mit Teilen des Keltenschatzes von Heidetränk-Oppidum Bild: dpa

Frankfurt hat sich von München einen Raubgräber-Schatz erstritten. Die illegal ausgegrabenen keltischen Münzen waren an eine dortige Sammlung verkauft worden.

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          Raubgräber haben diesen Schatz gehoben. Wo genau im sogenannten Heidetränk-Oppidum bei Oberursel sie die 349 keltischen Silbermünzen gefunden haben, wissen die Archäologen nicht. Das Raubgut ist Mitte der neunziger Jahre der Archäologischen Staatssammlung in München angeboten worden, allerdings fehlten da schon zwei Münzen. Die Münchener kauften den Schatz - wohlwissend, dass sie damit Rechte der Grundeigentümer Frankfurt und Bad Vilbel verletzten.

          Wie meistens in solchen Fällen werden sie sich gesagt haben, dass ein anderes Museum zugreifen werde, sollten sie die Gelegenheit nicht nutzen. Mit dem Kauf, so mögen die Münchener Archäologen ihr schlechtes Gewissen damals beruhigt haben, retteten sie schließlich diesen einzigartigen Schatz für die Öffentlichkeit und die Wissenschaft. Denn anderenfalls könnten die Münzen durchaus auch einzeln an private Liebhaber veräußert werden.

          Ein Exempel statuiert

          Die Städte Frankfurt und Bad Vilbel, als sogenannter Hohemarksverband Grundeigentümer des keltischen Heidetränk-Oppidums, haben nun auf Betreiben der tüchtigen Denkmalsamts-Leiterin Andrea Hampel an diesem Fund ein Exempel statuiert und ihr Eigentumsrecht gerichtlich durchgesetzt. Nicht vollständig, aber immerhin zur Hälfte.

          Für jeden die Hälfte: Frankfurt und München haben sich den Keltenschatz geteilt
          Für jeden die Hälfte: Frankfurt und München haben sich den Keltenschatz geteilt : Bild: Archäologisches Museum Frankfurt

          Der Vergleich mit der Staatssammlung in München, den die hessischen Städte nach zähem Ringen durchgesetzt haben, sieht vor, dass beide Seiten jeweils die Hälfte des Schatzes bekommen. Von jeder Münze wird zudem eine Kopie angefertigt, die nur Numismatiker von den Originalen unterscheiden können. Die Kopien werden ebenfalls aufgeteilt, sodass sowohl die Münchener Staatssammlung als auch das Archäologische Museum Frankfurt den Schatz vollständig präsentieren können.

          Eigentümer des Frankfurter Anteils ist, nachdem Bad Vilbel seine Eigentumsrechte an die Mainmetropole veräußert hat, das Liegenschaftsamt. Dessen Leiter Alfred Gangel konnte den historisch wertvollen Schatz natürlich nicht versilbern, er stellt ihn vielmehr als Dauerleihgabe dem Archäologischen Museum zur Verfügung. Der keltische Hort wird zu den bedeutendsten Funden gehören, die das im Karmeliterkloster ansässige Museum zeigen kann. „Das ist eine echte Bereicherung für unser Haus“, sagt der stellvertretende Museumsleiter Peter Fasold. Die Münzen werden dort zum ersten Mal am 22. Juni in einer kleinen Schau zu sehen sein, in der jüngst ausgegrabene Frankfurter Objekte vorgestellt werden.

          Eigens AG Raubgrabung eingesetzt

          Frankfurt und seine Umgebung liegen auf reichem historischem Grund. Nicht nur römische, sondern auch keltische Relikte sind hier zu finden. Das Heidetränk-Oppidum am südlichen Taunusrand, eine der größten den Archäologen bekannten Höhensiedlungen aus keltischer Zeit, kann man als Archiv unter der Erde bezeichnen. Leider hat die Bodendenkmalpflege nicht genug Geld und Ausgräber, um dieses Archiv systematisch zu heben. So ist die einstige keltische Stadt ein Dorado für Raubgräber geworden: Seit Jahren plündern „Schatzsucher“ die Fundstelle aus. Der Finder des Keltenschatzes wird wohl einen jener Metalldetektoren verwendet haben, die einst für die Minensuche entwickelt wurden und heute in Hightech-Versionen von privaten „Sondengängern“ benutzt werden, um Edelmetall oder Schmuck aus früheren Zeiten zu entdecken.

          Die Raubgräberei boomt. Wegen der verbesserten Detektortechnik, aber auch, weil im Internet ein anonymer Absatzmarkt für Bodenfunde entstanden ist, hat sich den Archäologen zufolge die Situation in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verschärft. Laut Gesetz stehen im Boden verborgene Kulturdenkmäler unter Schutz, ihre Erforschung obliegt der Denkmalpflege. Wer ohne Genehmigung oder Abstimmung mit den Behörden gräbt oder sammelt, handelt widerrechtlich. Das Hessische Landeskriminalamt hat eigens eine AG Raubgrabung eingesetzt, die dem illegalen Treiben Einhalt gebieten soll. An sie können sich Bürger wenden, die glauben, Raubgräber gesichtet zu haben.

          Viele Fragen zur Herkunft offen

          Die Täter verletzen wie im Fall des Keltenschatzes nicht nur Eigentumsrechte anderer. Sie schaden auch der Wissenschaft, weil sie mit ihren wilden Grabungen historische Spuren von Funden zerstören. Vom dem keltischen Münzhort aus dem Heidetränk-Oppidum weiß man zum Beispiel nur, dass er dort gefunden worden ist. Hätten die Archäologen Kenntnis über die genaue Stelle, an der er vergraben war, könnten sie womöglich Hinweise darauf bekommen, wer ihn warum dort niedergelegt hat. Das Einzelobjekt wird, dies ist eine der Regeln in der Archäologie, erst richtig erkenntnisträchtig, wenn es mit anderen Funden und dem gesamten archäologischen Ort in einen Zusammenhang gebracht werden kann.

          Von besagten keltischen Münzen weiß man immerhin, dass sie 60 vor Christus in Gallien geprägt und vermutlich im Heidetränk-Oppidum, dieser keltischen Stadt unbekannten Namens, umgeprägt wurden. In jener Zeit führte Cäsar seinen Gallischen Krieg, die Niederlagen der Kelten hatten auch Auswirkungen auf ihre hiesigen Siedlungen, von denen viele wie das Heidetränk-Oppidum aufgegeben wurden. Für die Kelten war dieses Jahrhundert eine Zeit der Katastrophen. Eine hat vielleicht den Besitzer der Silberlinge so getroffen, dass er seinen Schatz nicht mehr nutzen konnte.

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