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Raserunfall in Frankfurt : Wenn Autos zur Bedrohung werden

An der Kreuzung Taunusanlage / Junghofstraße in der Frankfurter Innenstadt war es zu einem Raserunfall gekommen. Ein Sportwagen rammte auf der Flucht vor der Polizei ein anderes Fahrzeug. Bild: Bernd Kammerer

Drei Männer fliehen nach einem schweren Unfall in der Frankfurter Innenstadt. Der Wagen war als „deutlich zu schnell“ aufgefallen. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie an ähnlichen Zwischenfällen.

          3 Min.

          Die Straße vor der Deutschen Bank ist gesperrt, das Blaulicht ist auch aus der Entfernung nicht zu übersehen. Auf der Straße steht ein weißer, heftig zerbeulter Mercedes AMG: das Unfallauto. Aufgefallen ist der Wagen mit drei Insassen schon kurz zuvor, am Dienstagabend gegen halb zehn Uhr, einer Zivilstreife auf dem Reuterweg, der von der Alten Oper zum Westend-Campus der Frankfurter Goethe-Universität führt. „Deutlich zu schnell“ ist das Fahrzeug unterwegs. Die Polizisten wollen den Fahrer daraufhin kontrollieren, doch der Mann wendet abrupt auf der Straße und fährt in rasender Geschwindigkeit in Richtung Alte Oper.

          Alexander Jürgs
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf Höhe der Zwillingstürme der Deutschen Bank kommt es dann zum Unfall. Mit seinem Wagen rammt der Mercedes-Fahrer, der eine rote Ampel überfuhr, einen Smart. Der siebenundsechzigjährige Smart-Fahrer ist gerade dabei, von der Taunusanlage in die Guiollettstraße abzubiegen, als ihn das Fahrzeug erfasst. Nachdem der Mercedes zum Stehen gekommen war, flüchten die drei Männer zu Fuß vom Unfallort. Der verletzte Fahrer des Smarts wird noch an der Unfallstelle von Rettungskräften versorgt und danach in ein Krankenhaus gebracht.

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          Geklautes Fahrzeug

          An dem Fahrzeug des verletzten Mannes entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 10.000 Euro, die Schadenssumme beim Mercedes wird auf rund 20.000 Euro geschätzt. Wem das Unfallauto gehört, konnte die Polizei bislang nicht klären. Denn als die Beamten die Kennzeichen des Wagens überprüften, stellten sie fest, dass diese am Tag zuvor im nordrhein-westfälischen Neuss geklaut wurden. Der Verdacht, dass die Männer, die von der Unfallstelle geflüchtet sind, sich nicht allein, weil sie mit überhöhter Geschwindigkeit durch Frankfurts Innenstadt gerast sind, einer Polizeikontrolle entziehen wollten, liegt deshalb nahe.

          Am Mittwochmorgen hat sich die Polizei mit Beschreibungen der Männer an die Öffentlichkeit gewandt und um Hinweise gebeten. Als südeuropäisch wurde das Erscheinungsbild der Männer beschrieben. Alle drei haben schwarze Haare, trugen sportliche Kleidung, zwei von ihnen Umhängetaschen. Bislang aber haben die Polizei keine Hinweise erreicht, die helfen könnten, den Männern auf die Spur zu kommen.

          Lange Liste vergleichbarer Unfälle

          Heftige, teils tödliche Unfälle durch Autofahrer, die deutlich zu schnell fahren, beschäftigen die Menschen in der Region schon seit Jahren. Die Liste der schweren Unfälle ist lang, nicht wenige der Ereignisse werden Anhängern der Autoposer-Szene zugerechnet. Vor noch nicht einmal einem Monat kam es im Frankfurter Stadtteil Griesheim, auf der Mainzer Landstraße, zu einer folgenschweren Karambolage. Ein Zweiundzwanzigjähriger, der einen mehr als 600 PS starken Boliden fuhr, rammte dabei einen anderen Autofahrer. Dessen Wagen wurde in eine Straßenbahnhaltestelle geschleudert und erfasste einen Fußgänger, der schwer verletzt wurde. Die Polizei ging nach dem Unfall davon aus, dass die Männer ein illegales Autorennen gefahren sind.

          Zwei Todesopfer forderte ein Unfall, der sich im Februar in Sachsenhausen ereignete. Mit einem schwarzen Peugeot raste ein 38 Jahre alter Mann über eine rote Ampel und erfasste zwei Männer, die, wie sich bald danach herausstellte, im beliebten Maincafé am Sachsenhäuser Mainufer arbeiteten. Im Krankenhaus starben sie an den Folgen des Unfalls, der Fahrer wurde kurz nach der Tat in die Psychiatrie eingewiesen.

          Für viele Schlagzeilen sorgte auch ein Unfall im Oktober 2020 auf der Autobahn 66 bei Hofheim. Eine 71 Jahre alte Frau kam dabei ums Leben, sie verbrannte in ihrem Wagen. Auch damals ging man von einem Autorennen als Ursache für den tödlichen Unfall aus, die Staatsanwaltschaft warf drei Beteiligten Mord vor. Später wurde dieser Vorwurf zurückgenommen, weil eine Videoaufnahme zeigte, dass noch ein weiteres Fahrzeug in den Zusammenstoß verwickelt war.

          Auch über diese besonders dramatischen Vorfälle hinaus wird zur Zeit von vielen eine „Verrohung“ im Straßenverkehr beobachtet. Junge Männer, die auf engen, unübersichtlichen Straßen in Wohngebieten mit ihren Autos rasant beschleunigen, um an der nächsten Kreuzung abrupt abzubremsen, nächtliche Treffen von Autoposern, zum Beispiel auf dem Parkplatz am Offenbacher Mainufer, bei dem mit lauten Motoren und quietschenden Reifen waghalsige Manöver gefahren werden: Immer häufiger werden Autos und ihre Fahrer als ernste Gefahren wahrgenommen.

          Die Polizei hält mit Sondereinheiten wie der Kontrolleinheit Autoposer, Raser und Tuner in Frankfurt oder der Arbeitsgruppe Tuner, Raser und Poser des Polizeipräsidiums Südosthessen dagegen. Wie die Vielzahl der Fälle zeigt, wird sie bisher nicht Herr der Lage.

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