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Radwege für die Mainmetropole : Verkehrswende à la Frankfurt

In Frankfurt soll es Radfahrern nun einfacher gemacht werden. Bild: dpa

Der Entschluss ist gefasst: Frankfurt wird fahrradfreundlicher. Das liegt nicht nur an den Wahlergebnissen, die den Bürgerwunsch nach „Grün“ zeigen. Auch die Fahrverbote spielen eine Rolle.

          Frankfurt leitet die Verkehrswende ein. Wer hätte je gedacht, dass eine Koalition im Frankfurter Römer, bestehend aus CDU, SPD und Grünen, sich darauf verständigt, dem Radverkehr im Kern der Stadt mehr Raum zu geben, obwohl dies zwangsläufig zu Lasten des Autoverkehrs gehen wird? Noch im Herbst war die CDU Sturm gelaufen, als Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) ankündigte, auf der Friedberger Landstraße im unteren Abschnitt bis zum Friedberger Platz einen Radweg auszuweisen. Dort ist, wie häufig in Frankfurt, die Straße schmal. Der Radweg hätte die Autofahrer eine Fahrspur gekostet. Oesterling hatte handeln wollen, weil allein im August 2018 vier Radler in Frankfurt tödlich verunglückt waren. Einer wenige hundert Meter von der Friedberger entfernt und in einer vergleichbaren Verkehrssituation, wie sie auf der Ausfallstraße in Richtung Bad Vilbel herrscht.

          Nun, zwei Wahlen später, bei denen die Grünen stärkste Partei in Frankfurt geworden sind, ist die CDU bereit, mehr für die Radfahrer zu tun – auch wenn dies zu Lasten der Autofahrer geht. Radfahren sei „en vogue“, sagte gestern Martin Daum, verkehrspolitischer Sprecher der CDU im Römer. Und: „Selbst CDU-Wähler fahren mit dem Fahrrad.“

          Daum verwies allerdings auch darauf, dass seine Partei immer die Gesamtverkehrssituation im Blick habe. Der Autoverkehr müsse auch funktionieren. Seine Fraktion hat den meisten Vorschlägen zwar zugestimmt, doch vieles soll provisorisch angelegt werden, um es auszuprobieren. Wie etwa der Radweg auf dem umstrittenen Abschnitt der Friedberger Landstraße. An anderer Stelle hat die CDU nach Angaben Daums nein gesagt, etwa zu Radwegen an der Berliner Straße, der zentralen Ost-West-Verbindung durch die Innenstadt. Sie wird wegen der Sperrung des nördliche Mainufers für den Autoverkehr ohnehin stärker belastet werden.

          Infografik Verbesserung der Radinfrastruktur in Frankfurt
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          Nicht nur die beiden Wahlergebnisse zugunsten der Grünen haben CDU und SPD offenbar überzeugt, sich mehr für Radfahrer einzusetzen. Das drohende flächendeckende Fahrverbot hat ein Übriges getan. Und es sind beeindruckend viele Frankfurter gewesen, die ihre Unterschrift unter den Radentscheid gesetzt haben. 40.000 an der Zahl. Zum Vergleich: Bei der Landtagswahl im Herbst hatten 61.000 Frankfurter für die CDU gestimmt und 49.000 für die SPD. Frankfurt setzt ein Zeichen. Dass Radeln in Hessens größter Stadt sicherer und selbstverständlicher wird. Das verbessert die Lebensqualität für viele Bürger, die in den inneren Stadtteilen Frankfurts leben – aber nicht für Pendler. Sie haben keine Lobby mehr.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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