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Radverkehr in Frankfurt : Ein Nadelöhr bleibt noch

Rote Spur: Der Fahrradweg ist durchgängig rot markiert Bild: Aders, Hannah

Ein Radweg vom Main bis zum Friedberger Platz in Frankfurt ist offiziell für den Verkehr offen. Verkehrsdezernent Oesterling (SPD) tritt für weitere Radwege ein. Eine mögliche Lösung lehnt er ab.

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          Eines der umstrittensten Radverkehrsprojekte in Frankfurt ist am Mittwoch offiziell eröffnet worden: der neue, 1,7 Kilometer lange, 2,30 Meter breite und durchgängig rot markierte Radweg von der Alten Brücke über den Main bis zum Friedberger Platz. Erst in den Sommerferien war der letzte Abschnitt fertiggestellt worden. Ein solches Vorhaben sei, zumindest in der Innenstadt und den angrenzenden Gründerzeitvierteln, nur machbar, wenn die Straße neu aufgeteilt werde, sagte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD): „Das geht nur zu Lasten des Autoverkehrs.“ Statt der bisher vier Fahrspuren gibt es nur noch zwei für die Autofahrer. In Konzeption und Ausführung setze diese Wegstrecke „Maßstäbe“ für andere Radwege in der Stadt.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Natürlich habe es Widerstände gegeben, wie immer, wenn das Auto nicht im Mittelpunkt der Verkehrspolitik stehe, sagte der Stadtrat. Der angekündigte Zusammenbruch des Verkehrs sei jedoch ausgeblieben. Oesterling kündigte weitere Radwege in der Innenstadt und auch den Ausbau der jetzt begonnenen Strecke an. Das Ziel seien durchgehende beidseitige Radwege von der Sachsenhäuser Warte im Süden bis zur Friedberger Warte im Norden. Der Radverkehr habe stark zugenommen. „Er hat ein Recht auf mehr Platz.“

          Radfahrer haben ein Recht auf den kürzesten Weg

          Dass die jetzt eröffnete Strecke realisiert wurde, daran hat die Initiative Radentscheid maßgeblichen Anteil. Oesterling dankte den anwesenden Vertretern für die „große Unterstützung“. Die Initiative hatte im Sommer 2018 die Forderung erhoben, sichere Radwege vor allem an Hauptverkehrsstraßen anzulegen, damit alle Bürger mit dem Rad in der Stadt unterwegs sein können. 40.000 Frankfurter unterstützten die Initiative. Gemeinsam mit ihr erarbeitete die Koalition im Römer anschließend das Konzept „Fahrradstadt Frankfurt“. Darin enthalten ist die eröffnete Strecke.

          Einziger Wermutstropfen: Die neue Strecke endet derzeit noch am Friedberger Platz. Von dort an bis zum Matthias-Beltz-Platz wird die Friedberger Landstraße sehr schmal, ein wahres Nadelöhr. Also verständigte man sich auf Drängen der CDU vor einem Jahr darauf, den Radverkehr durch Nebenstraßen, die angrenzende Rotlint- und Egenolffstraße, zum Matthias-Beltz-Platz und damit zurück zur Friedberger Landstraße zu führen. Eine Lösung, die bei der Initiative Radentscheid und dem ADFC auf Kritik stößt. Die Initiative spricht von einer „tödlichen Falle“.

          Radler über Seitenstraßen leiten?

          Unabgesprochen mit dem Koalitionspartner CDU ließ Oesterling wissen, dass auch er die vereinbarte Streckenführung für ungeeignet hält. Er bezweifele, dass Radfahrer diesen Umweg über die Rotlintstraße wählen, sie hätten „das Recht auf den kürzesten Weg“. Die häufig von Kritikern vorgeschlagene Variante, Radfahrer weg von den Hauptstraßen auf Seitenstraßen zu leiten, sei für ihn keine Lösung. Er lehne diesen Kompromiss ab, „auch an der Rotlintstraße“. Stattdessen solle, wie von der Radentscheid-Initiative und dem ADFC vorgeschlagen, ein maßgeblicher Teil der 60 Parkplätze an dem entscheidenden Abschnitt der Friedberger Landstraße zugunsten eines Radwegs entfallen. Eine Aussage, die dafür sorgen könnte, dass der neue Radweg an der Friedberger Landstraße doch noch zum Politikum wird.

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