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Race across America : Von Küste zu Küste in sechs Tagen

  • -Aktualisiert am

„Gentlemen of Speed“ (von links): Florian Lechner, Tim Böhme, Karl Platt und Peter Smeets sind bereit für das Rennen ihres Lebens. Bild: Marcus Kaufhold

Das Race across America gilt als das härteste Radrennen der Welt. Vier Familienväter aus Frankfurt wollen die 4800 Kilometer lange Tour auf sich nehmen – als Team und im Schichtdienst.

          Es ist ein Koloss von Herausforderung. Es ist ein Radrennen über immense 4800 Kilometer und unvorstellbare 53.000 Höhenmeter. Es gibt keine Etappenziele, keine Pausen, keine festen Schlaf- und Essenszeiten, kein Erbarmen. Es ist ein Radrennen, das von der amerikanischen West- an die Ostküste führt. Das für sich in Anspruch nimmt, das härteste der Welt zu sein und einen äußerst passenden Namen trägt: Race across America (Raam). Die vier freuen sich auf den Ritt durch zwölf Bundesstaaten, vier Zeitzonen und über drei Gebirgsketten. Vier, weil sie die Strapaze in der Disziplin Viererteam auf sich nehmen: Peter Smeets, Florian Lechner, Tim Böhme und Karl Platt.

          Nur einer der vier weiß, worauf sie sich da eingelassen haben. Zwei der vier sind professionelle Rennfahrer, drei der vier sind Frankfurter, und alle vier zusammen sind eine radelnde Gemeinschaft, in der zwei Welten aufeinanderprallen. Smeets und Lechner sind zwei erfolgreiche Anwälte, Böhme und Platt erfolgreiche Mountainbike-Profis. Vier Männer, die es in ihrem Metier gewohnt sind, groß zu denken, beträchtliche Anstrengungen auf sich zu nehmen und Ziele entschieden zu verfolgen. Vier Männer, die in dieser Konstellation keinen Konfliktstoff, sondern eine inspirierende sportliche Verknüpfung erkennen. Kein Wunder, dass sie das Race Across America nicht als lockere Rad-Touristik-Ausfahrt betrachten. Dass sie gespannt sind auf das Erlebnis, aber sehr fokussiert auch ein Ergebnis anstreben. „Dieser immense logistische und kostspielige Aufwand macht nur Sinn, wenn man anspruchsvoll und ambitioniert an die Sache herangeht“, sagt Smeets. Das Ziel, für das sie sich abstrampeln werden, lautet: die Strecke vom kalifornischen Oceanside am Pazifik bis nach Annapolis, Maryland, am Atlantik in weniger als sechs Tagen zu bewältigen und als eines der drei schnellsten teilnehmenden Viererteams anzukommen.

          Smeets, Partner der Frankfurter Kanzlei Tortell Smeets & Lange sowie Boss des Start-ups Offbricks, ist ein Race-across-America-Veteran und so etwas wie der Chef de Mission. Der Dreiundfünfzigjährige tritt Mitte Juni zum dritten Mal binnen sieben Jahren beim Raam an. Er weiß um die Hektik, den Stress, das Leiden im Sattel und die Bedeutung einer verlässlich funktionierenden Organisation dahinter. Er weiß, wie befriedigend perfektes Teamwork sein kann auf stur geradeaus führenden Landstraßen irgendwo im Herzen Amerikas. Welche Höhen und Tiefen bei dieser Fernfahrt warten und wie immens die Erlösung ist, wenn man die 4800 Kilometer – das entspricht ungefähr der Strecke von Hamburg nach Teheran – tatsächlich gemeistert hat. „Man kann dort buchstäblich alles andere hinter sich lassen. Es entsteht unterwegs eine unglaubliche Gemeinschaft“, sagt Smeets, der als Triathlet schon elf Ironman-Rennen bewältigt hat.

          Kopf ausknipsen und strampeln

          18 Personen und drei Fahrzeuge groß ist der Tross, mit dem das Team, das sich „Gentlemen of Speed“ genannt hat, ins Rennen gehen wird. Physiotherapeut, Trainer und Arzt inklusive. Schließlich müssen alle anpacken, wenn in sechs Tagen auf und an der Straße eingekauft, gekocht, gewaschen, navigiert und gesteuert werden muss. Alles folgt einem vorher komplett ausgeklügelten Plan und Schichtdienst. Wenn erst einmal der Mix aus (Über-)Anstrengung und Schlafmangel bei allen voll durchbricht, sollten nur noch wenige, für das Gelingen oder Scheitern der Mission elementare Entscheidungen getroffen werden müssen.

          Stets ist nur einer der vier Radfahrer auf der Straße. Etwa eine Stunde lang Vollgas, dann Wechsel – so lautet der Plan. Auf den Passstraßen bei der Überquerung der Rocky Mountains bei oft empfindlicher Kälte wird beispielsweise schon mal häufiger getauscht. Smeets und Platt sind ein Gespann in einem Wohnmobil, Lechner und Böhme das Fahrerpaar im zweiten Wohnmobil. Jedes Duo pedaliert tagsüber im Wechsel vier Stunden lang, nachts sechs Stunden lang – macht für jeden täglich sechs Stunden Radfahren am Anschlag. Immer mit dem sogenannten Pacecar des Teams im Nacken, in dessen Scheinwerferlicht die Pedaleure nachts fahren. Die Begleiter im Tross sind anschließend meist kaum minder erschöpft als die Radler.

          Florian Lechner ist Partner bei der rund um den Globus tätigen Großkanzlei Jones Day. „Diese Kombination aus Sport, Organisation, Logistik und Teamspirit unter Extrembedingungen beim Raam reizt mich sehr“, sagt der Sechsundvierzigjährige. Herrschen am Start meist noch angenehme Temperaturen, dauert es keine 100 Meilen, und die Mojave-Wüste empfängt die Athleten mit mehr als 40 Grad Hitze. Und irgendwann hinter den Rockys wartet die Schwüle des Mittleren Westens, in dem es Hunderte eintönige Kilometer flacher, schnurgerader Straße an Maisfeldern entlanggeht. Da heißt es dann: Kopf ausknipsen und strampeln, strampeln, strampeln.

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