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Kopftuch und Selbstbestimmung : Gegen Vollverschleierung, aber sonst für viel Freiheit

  • -Aktualisiert am

Gläubig und selbstbewusst: Rabia Bechari. Bild: Helmut Fricke

Rabia Bechari will eine große Frauen-Kundgebung für das Recht auf Selbstbestimmung organisieren. Sie trägt das Kopftuch aus freien Stücken, auch wenn das Probleme mit sich bringt.

          Rabia Bechari reicht es. Sie möchte, dass nicht mehr nur Männer die Debatte darüber bestimmen, wie sich muslimische Frauen kleiden oder nicht kleiden sollen. Ihr schwebt eine große Kundgebung in Frankfurt vor, auf der Frauen – Musliminnen wie Nichtmusliminnen – für ihr Recht eintreten, sich so anzuziehen, wie sie es für richtig halten. Dafür wirbt sie gerade per Facebook und im persönlichen Gespräch.

          Der Muslimin aus Dreieich geht es in der Kleiderfrage um nichts weniger als um Freiheit und Selbstbestimmung. „Das ist ein Frauen-Thema, und ich möchte Frauen dazu ermuntern, sich für ihr Recht einzusetzen, gerade die Musliminnen“, sagt die Einundvierzigjährige. Die Vollverschleierung sieht allerdings auch sie kritisch: „Ich möchte mein Gegenüber sehen können.“ Ob eine Muslimin aber nun ein langes Gewand tragen wolle, solle ihr überlassen werden. „Jede Frau soll ihr Freiheitsgefühl selbst definieren dürfen.“

          „Ich will so sein dürfen.“

          Selbstbestimmt leben zu können war für Rabia Bechari der Antrieb, vor zwölf Jahren das Kopftuch anzulegen. Dass das hierzulande oft als Gegensatz aufgefasst wird, weiß sie. Doch sie entdeckte gerade im Islam eine Kraft, sich von ihrem Mann, mit dem sie zwangsverheiratet wurde, loszusagen. Ihre drei Kinder erzieht sie zu Weltoffenheit, wie sie sagt. „Ja, es gibt muslimische Männer, die ihre Frauen unterdrücken. Aber das lässt sich mit religiösen Texten nicht legitimieren.“ Das Kopftuch trage sie aus freien Stücken. „Und ich will so sein dürfen.“

          Dass das Schwierigkeiten mit sich bringt, weiß Bechari nur zu gut, aus eigener Erfahrung und von vielen anderen Musliminnen, die, wie sie, gut integriert seien. Und die Gruppe dieser Frauen ist weitaus größer als jene der Vollverschleierten. „Nachteile gibt es zum Beispiel bei der Suche nach einer Stelle oder einer Wohnung oder auch nur beim Schwimmbadbesuch, wenn man einen Burkini tragen möchte.“ Besonders im Arbeitsleben hätten Musliminnen mit Kopftuch es immer schwerer. Mit solchen Ausgrenzungen würden Muslime geradezu in Parallelgesellschaften gedrängt, die man ja eigentlich bekämpfen wolle, moniert Bechari. Gelegentlich macht sie auch positive Erfahrungen wie die in einem Waldschwimmbad bei Dietzenbach, das nichts gegen Burkinis hat. Ob das überall so ist? „Ich habe gerade erst schwimmen gelernt und bin gespannt, ob ich im Winter aus Hallenbädern hinausgeworfen werde.“ Passiert ist ihr das schon einmal in einem Fitness-Studio, in dem sie mit Kopftuch trainieren wollte. Der Betreiber verbot es.

          Jeder Kleidungsstil soll auf der Kundgebung willkommen sein

          Eine andere Herausforderung ist die Stellensuche, auf die sie sich gerade macht. Bechari ist Bankkauffrau, verließ ihren Arbeitgeber nach elf Jahren aber, um im sozialen Sektor tätig zu sein. Dort eine Festanstellung zu bekommen ist schwer. Dennoch sucht sie weiter. Vielleicht kehrt sie aber auch ins Bankenwesen zurück. Heute hat sie ein Bewerbungsgespräch. „Ich habe mich dafür mit Foto beworben, obwohl mir Freunde davon abgeraten haben. Ich bewerbe mich so, wie ich bin.“

          Ehrenamtlich hat Bechari 2013 den Verein „Salam“ gegründet, der gemeinsam mit den Kirchen muslimische Krankenhaus- und Notfallseelsorger ausbildet. Auch deren Tätigkeit versteht Bechari als positiven Beitrag des Islams für die Gesellschaft. Für ihre Kundgebungs-Idee hat sie schon viel Unterstützung erhalten, wie sie sagt. Dass dabei Frauen zusammenkämen, die für die unterschiedlichsten Kleidungsstile stünden, von eher freizügigen bis zu ziemlich verhüllten, stört Bechari nicht. Im Gegenteil: „Das wäre ein schönes Bild.“

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