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Prozess um Folter in Syrien : „Ich war ein kleiner Assistenzarzt“

Schutz vor Bildberichterstattung: Der Angeklagte nimmt die Kapuze erst ab, wenn die Kameras den Saal verlassen haben. Bild: EPA

Alaa M. soll in syrischen Militärkrankenhäusern gefoltert haben. Im Prozess in Frankfurt widerspricht er einem Teil der Vorwürfe und sagt, er habe selbst große Angst gehabt.

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          Der wegen Foltervorwürfen vor dem Oberlandesgericht angeklagte syrische Arzt Alaa M. hat am ersten Tag seiner Einlassung bestritten, in der Notaufnahme des Militärkrankenhauses in Homs im Jahr 2011 die Genitalien eines Jugendlichen angezündet zu haben. „Ich habe nichts getan“, sagte er. Er habe auch nie, wie es ihm die Bundesanwaltschaft vorwirft, einen Gefangenen ohne Narkose operiert. Erstens seien Narkosen nicht in seiner Verantwortung gewesen, zweitens habe er als ziviler Assistenzarzt nur in Anwesenheit eines Militärarztes handeln dürfen. M. bestritt außerdem, Gefangene mit medizinischen Instrumenten geschlagen zu haben. Er habe sich auch nie bei einem Übergriff die Hand verletzt – laut Anklageschrift führte dieses Vorkommnis dazu, dass der Arzt sich in der Folge bei Schlägen gegen Gefangene nur noch weichere Körperregionen aussuchte. Auch im Gefängnis von Homs, wo Alaa M. Zivilisten misshandelt haben soll, sei er nie gewesen, sagte der Angeklagte am Dienstag.

          Anna-Sophia Lang
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zuvor hatte er zur Frage seiner politischen Einstellung zu Beginn des Syrienkonfliktes 2011 gesagt: „Ich habe mich mit dem Regime arrangiert wie Millionen von Syrern, um mein Leben weiterleben zu können. Ich war aber nie politisch aktiv und nie ein Superbefürworter des Regimes.“ Nach seiner heutigen Einstellung gefragt, antwortete er: „Wenn ich heute Fotos sehe, ist das nicht akzeptabel.“ Er sei „gegen Gewalt von beiden Seiten“ gewesen und habe es nicht für gut befunden, wie manche Demonstrationen eskalierten. Er sei weder religiös noch in einer Partei. „Ich war ein kleiner Assistenzarzt“, sagt M., der nicht mehr gewollt habe, als seine Patienten zu behandeln.

          „Ich habe mich mit dem Regime arrangiert“

          Die Bundesanwaltschaft ist überzeugt, dass er zutiefst regimetreu war und sich mit der Folter an der Niederschlagung der Opposition beteiligen wollte. M. sagt dagegen, dass er große Angst gehabt habe, selbst in den Fokus des Militärgeheimdienstes zu geraten: Dieser habe im Militärkrankenhaus in Homs die Macht gehabt. Gefangene seien teils mit verbundenen Augen und gefesselt in die Notaufnahme gebracht worden und hätten Nummern bekommen. Manche habe er behandelt, während die Augen verbunden blieben. Das sei „menschlich nicht ok“, sagt M. auf die Frage, ob er dies als Mediziner verantworten könne. Aber er habe daran nichts ändern können. Er habe selbst gesehen, wie Gefangene von Geheimdienstlern und Pflegepersonal verprügelt worden seien. „Hätte ich etwas gesagt, wäre ich an deren Stelle gelandet.“

          Der Prozess ist der erste weltweit, in dem sich ein mutmaßlich selbst aktiver Folterer des syrischen Regimes verantworten muss. Das Oberlandesgericht Koblenz hat Mitte Januar einen Oberst des Geheimdienstes zu lebenslanger Haft verurteilt, der nach Ansicht der Richter als Vernehmungschef im Al-Khatib-Gefängnis in Damaskus für die Folter von mindestens 4000 Menschen und den Tod von mindestens 30 verantwortlich war.

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