https://www.faz.net/-gzg-a43q4

Angriff wegen Trennung : „Du wirst deine Strafe erhalten!“

  • -Aktualisiert am

Der Angeklagte sagt, er habe sich auf dem Parkplatz eigentlich selbst erschießen wollen (Symbolbild). Bild: Wolfgang Eilmes

Ein Mann soll an einer Therme in Bad Homburg Schüsse auf seine Ex-Freundin abgegeben haben. Der Angeklagte sagt, er habe sich eigentlich selbst töten wollen. Die Frau beschreibt dagegen, wie er sie jahrelang stalkte und bedrohte.

          2 Min.

          Die Aussage fällt der 53 Jahre alten Frau sichtlich schwer. Immer wieder stockt sie, dann bricht ihre Stimme weg, und sie sucht nach Worten. An diesem Montag, fast ein Jahr nachdem sie auf dem Parkplatz der Therme in Bad Homburg mit Schüssen schwer verletzt wurde, sagt sie im Prozess gegen ihren ehemaligen Freund vor der 21. Großen Strafkammer des Landgerichts Frankfurt aus. Der Vorwurf gegen den 59 Jahre alten Mann aus Königstein: versuchter Mord, Urkundenfälschung und Körperverletzung. Am 30. November 2019 soll er der Frau und ihrem neuen Freund aufgelauert haben, um die Frau zu töten.

          In ihrer Aussage schilderte sie dem Gericht die jahrelange Belästigung und Bedrohung durch den Angeklagten. Nachdem sie 2013 die Beziehung zu ihm endgültig beendet hatte, fühlte sie sich verfolgt. Eine Erfahrung, die sie schon nach einer früheren Trennung von dem Angeklagten machte: „Er hat sich nicht oft blicken lassen“, sagte sie „aber es war klar, dass er da war.“ Immer wieder habe er ihr aufgelauert, um mit ihr zu sprechen, ihr zahlreiche Briefe geschrieben. „Ich fand es merkwürdig, dass er immer scheinbar zufällig auftauchte, wo ich war.“

          Zu diesem Zeitpunkt wusste die Frau noch nicht, dass der Angeklagte nach der Trennung einen GPS-Sender an ihrem Auto angebracht hatte, später folgte ein weiterer am Auto ihres Freundes. 2019 wurde die Verfolgung, so schildert sie es, „immer schlimmer“. Der Angeklagte habe wiederholt ihr Auto demoliert, die Reifen zerstochen, Kabel durchtrennt. Später habe er regelmäßig Eier gegen die Fassade ihres Hauses und ihren Balkon geworfen. Nachdem sie Anzeige wegen Stalkings erstattet hatte, soll er sie bedroht haben. „Er sagte: ,Du wirst deine Strafe erhalten.‘“ Sie habe große Angst gehabt, auch um ihre Tochter. „Als ich wusste, dass er eine Waffe hat, wusste ich auch, dass er irgendwann schießen wird.“

          „Ich war unter Schock“

          Am Tatabend, so erinnert sie sich, verließ sie die Therme gegen 23 Uhr mit ihrem Freund, um zum Auto zu gehen. Dort habe der Angeklagte auf sie gewartet und sie mit „Hallo Olga“ angesprochen. Noch bevor sie sich habe umdrehen können, habe er auf sie geschossen. Sie sei weggerannt, um sich zu verstecken, dann aber zurückgekommen, um ihrem Freund zu helfen, der versuchte, den Angeklagten zu Boden zu ringen und ihm die Waffe zu entreißen. „Ich war unter Schock, aber ich dachte nur, ich will diesen Menschen nicht verlieren.“ Der Angeklagte habe dennoch abermals auf sie geschossen, woraufhin sie zu Boden gegangen sei. Ihre letzte Erinnerung sei, wie der Angeklagte in seinem Auto an ihr vorbeigefahren sei.

          F.A.Z.-Newsletter „Hauptwache“

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Damit widersprach die Frau der Aussage des Angeklagten. Er hatte zuvor in seiner Einlassung angegeben, dass er seine ehemalige Freundin nie habe verletzen wollen. Er sei in der Absicht zur Therme gefahren, sich vor ihren Augen zu erschießen. So habe er Rache an seiner ehemaligen Freundin nehmen wollen. Sie sei es gewesen, die ihn durch ihre „Unansprechbarkeit“ dazu gebracht habe, sich das Leben nehmen zu wollen. „Die Olga sollte es mitbekommen, wenn ich mir das Leben nehme“, sagt der Angeklagte vor Gericht.

          Entgegen ihrer Aussage gibt er außerdem an, nur auf den Boden geschossen zu haben, um sie und ihren Freund auf Abstand zu halten, weil sie auf ihn zugekommen seien. Deswegen sei es ihm nicht möglich gewesen, die Waffe gegen sich selbst zu richten. Durch das anschließende Gerangel um die Waffe, so eine Mutmaßung, hätten sich die Schüsse unabsichtlich gelöst haben können. Der Prozess wird fortgesetzt.

          Weitere Themen

          Wie das Essen für Astronauten entsteht Video-Seite öffnen

          Space Food : Wie das Essen für Astronauten entsteht

          Wenn der deutsche Astronaut Matthias Maurer Ende 2021 zur Internationalen Raumstation ISS aufbricht, ist seine Verpflegung schon dort. Zubereitet wird das Weltraumessen von einem Team des Luftfahrt-Caterers LSG. Und das ist eine besondere Herausforderung.

          Topmeldungen

          Stuttgart: Stühle stehen in einem Klassenzimmer einer ersten Klasse der Marienschule auf Tischen.

          Baden-Württemberg : Virusmutanten durchkreuzen Pläne für Schulöffnung

          Ursprünglich wollten Ministerpräsident Kretschmann und Kultusministerin Eisenmann am Nachmittag die Entscheidung zur schrittweisen Öffnung von Schulen und Kitas verkünden. Nun will die Landesregierung die weitere Entwicklung zur Ausbreitung der Virusvarianten abwarten.

          Republikaner und Trump : Nicht gegen das Idol der Basis

          Auch aus diesem Amtsenthebungsverfahren wird Donald Trump mutmaßlich als Triumphator hervorgehen. Die Republikaner sind noch lange nicht enttrumpifiziert – zu groß ist die Angst vor dem Zorn seiner Anhänger.
          „In den letzten Jahren war Dialog leider nicht möglich“: Wladimir Putin

          Weltwirtschaftsform : Putin umgarnt den Westen

          Vom Streit über Nord Stream 2 oder dem inhaftierten Kritiker Nawalnyj ist keine Rede. Dafür reicht der russische Präsident vor allem Europa die Hand. Und beruft sich dabei auf Helmut Kohl.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.